Die Sing-Aka­de­mie zu Ber­lin und ihr ehe­ma­li­ges Grund­stück

Für Grund­stücks­ent­eig­nun­gen in der frü­he­ren DDR sind die Resti­tu­ti­ons­vor­schrif­ten des Ver­mö­gens­ge­set­zes ein­schlä­gig, dane­ben besteht jedoch kein zivil­recht­li­cher Grund­buch­be­rich­ti­gungs­an­spruch des ehe­ma­li­gen Grund­stücks­ei­gen­tü­mers.

Die Sing-Aka­de­mie zu Ber­lin und ihr ehe­ma­li­ges Grund­stück

Anlass für die­se Ent­schei­dung des Ber­li­ner Kam­mer­ge­richts war eine Kla­ge der Sing-Aka­de­mie zu Ber­lin gegen das Land Ber­lin, in der die Sing-Aka­de­mie die Zustim­mung des Lan­des zur Grund­buch­be­rich­ti­gung für die his­to­ri­schen Grund­stü­cke „Am Fes­tungs­gra­ben“ und „Doro­the­en­stra­ße“ in Ber­lin-Mit­te ver­lang­te, auf denen ihr his­to­ri­sches Kon­zert­ge­bäu­de gestan­den hat­te. Heu­te befin­det sich auf die­sen Grund­stü­cken das Maxim-Gor­ki-Thea­ter.

Anders als erst­in­stanz­lich das Land­ge­richt Ber­lin 1 wies das Kam­mer­ge­richt die Kla­ge jedoch ab: Die Sing-Aka­de­mie zu Ber­lin hat das Eigen­tum an den Grund­stü­cken durch Ent­eig­nung ver­lo­ren und kann des­we­gen nicht in einem Zivil­pro­zess ver­lan­gen, im Wege der Grund­buch­be­rich­ti­gung als Eigen­tü­me­rin ins Grund­buch ein­ge­tra­gen zu wer­den. Die Sing-Aka­de­mie hat­te das Land Ber­lin, das als Eigen­tü­mer der Grund­stü­cke im Grund­buch ein­ge­tra­gen ist, zunächst erfolg­reich auf Zustim­mung zur Grund­buch­be­rich­ti­gung zu ihren Guns­ten ver­klagt. Dage­gen hat­te das Land Ber­lin Beru­fung zum Kam­mer­ge­richt ein­ge­legt.

Die Gesamt­schau der Gescheh­nis­se um die Grund­stü­cke in der Zeit von 1945 bis 1963 führt nach Ansicht des Kam­mer­ge­richts zu dem Ergeb­nis, dass eine Ent­eig­nung vor­lie­ge. Der Staat habe sei­ner­zeit die Grund­stü­cke in Besitz genom­men und anschlie­ßend unter voll­stän­di­ger und end­gül­ti­ger Ver­drän­gung des Klä­gers aus dem Eigen­tum selbst die Eigen­tü­mer­be­fug­nis­se gewahrt; er sei auch in das Grund­buch ein­ge­tra­gen wor­den. Damit läge nach den von Bun­des­ge­richts­hof und Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt auf­ge­stell­ten Grund­sät­zen eine Ent­eig­nung vor.

In einem sol­chen Fall sei­en die Vor­schrif­ten des Ver­mö­gens­ge­set­zes über die Resti­tu­ti­on vor­ran­gig. Die Gel­tend­ma­chung eines Grund­buch­be­rich­ti­gungs­an­spru­ches vor den Zivil­ge­rich­ten sei des­we­gen aus­ge­schlos­sen, und zwar unab­hän­gig davon, ob ein Resti­tu­ti­ons­an­spruch bestehe oder nicht.

Kam­mer­ge­richt, Urteil vom 7. Juli 2011 – 28 U 10/​10

  1. LG Ber­lin, Urteil vom 10.02.2010 – 84 O 56/​09[]