Die teils recht­mä­ßi­ge, teils rechts­wid­ri­ge Bericht­erstat­tung – und der Scha­dens­er­satz

Wird über einen Berichts­ge­gen­stand von dem­sel­ben Ver­brei­ter eine recht­mä­ßi­ge und eine nicht recht­mä­ßi­ge Bericht­erstat­tung ver­brei­tet, und ent­steht dem Betrof­fe­nen durch die Bericht­erstat­tung ein Scha­den, so trifft ihn bei Inan­spruch­nah­me des Ver­brei­ters die Dar­le­gungs- und Beweis­last dafür, dass ihm der gel­tend gemach­te Scha­den gera­de durch den rechts­wid­ri­gen Teil und nicht durch die übri­ge unbe­denk­li­che Bericht­erstat­tung ent­stan­den ist.

Die teils recht­mä­ßi­ge, teils rechts­wid­ri­ge Bericht­erstat­tung – und der Scha­dens­er­satz

Ins­be­son­de­re ist § 830 Abs. 1 Satz 2 BGB – wonach von meh­re­ren Betei­lig­ten einer uner­laub­ten Hand­lung jeder Betei­lig­te für den gesam­ten Scha­den ver­ant­wort­lich ist, wenn sich nicht ermit­teln lässt, wer von ihnen den Scha­den durch sei­ne Hand­lung ver­ur­sacht hat – nicht auf den Fall anwend­bar, dass ein Scha­den durch ver­schie­de­ne Ver­hal­tens­wei­sen der­sel­ben Per­son her­bei­ge­führt wor­den ist, wenn die­se Ver­hal­tens­wei­sen nicht alle rechts­wid­rig waren und sich nicht ermit­teln lässt, ob eine der recht­mä­ßi­gen oder eine der rechts­wid­ri­gen Ver­hal­tens­wei­sen den Scha­den her­bei­ge­führt hat.

Der Geschä­dig­te hat die Dar­le­gungs- und Beweis­last dafür, dass ihm der gel­tend gemach­te Scha­den gera­de durch den ihn betref­fen­den rechts­ver­let­zen­den Teil und nicht durch die übri­ge unbe­denk­li­che Bericht­erstat­tung ent­stan­den ist 1.

§ 830 Abs. 1 Satz 2 BGB regelt den Fall, dass sich nicht ermit­teln lässt, wer von meh­re­ren Betei­lig­ten einer uner­laub­ten Hand­lung den Scha­den durch sei­ne Hand­lung ver­ur­sacht hat. Die­se Vor­schrift kommt nur zum Zuge, wenn fest­steht, dass ein Scha­den durch eine uner­laub­te Hand­lung ent­stan­den ist. Sie ist nicht anwend­bar, wenn – wie vor­lie­gend – als Scha­dens­ur­sa­che ein recht­mä­ßi­ges Ver­hal­ten in Betracht kommt. Ande­res ergibt sich auch nicht aus der von der Klä­ge­rin ange­führ­ten Ent­schei­dung "Stern-TV" des Bun­des­ge­richts­hofs 2. In jenem Fall war ein Fern­seh­bei­trag für den Scha­den ursäch­lich, des­sen Ver­öf­fent­li­chung wegen unzu­rei­chen­der Recher­che und unaus­ge­wo­ge­ner Dar­stel­lung ins­ge­samt rechts­wid­rig war.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 15. Juli 2014 – 7 U 75/​11

  1. vgl. BGH NJW 1987, 1403 – Tür­kol II; Soehring/​Hoene, Pres­se­recht, 5. Aufl., § 32 Rn. 7a[]
  2. BGH, NJW 1997, 1148[]