Unzu­rei­chen­de Throm­bo­se­phro­phy­la­xe als ärzt­li­cher Behand­lungs­feh­ler

Einem Arzt kann behand­lungs­feh­ler­haft kei­ne unzu­rei­chen­de Throm­bo­se­pro­phy­la­xe vor­ge­wor­fen wer­den, wenn bei dem Pati­en­ten eine aus­rei­chen­de Behand­lung erfolgt ist und für eine wei­te­re Abklä­rung eines Throm­bo­se­ri­si­kos kei­ne ana­mnes­ti­schen oder kli­ni­schen Anhalts­punk­te vor­ge­le­gen haben.

Unzu­rei­chen­de Throm­bo­se­phro­phy­la­xe als ärzt­li­cher Behand­lungs­feh­ler

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Wit­wers ent­schie­den, der für sei­ne ver­stor­be­ne Ehe­frau von den behan­deln­den Ärz­ten Scha­dens­er­satz begehrt hat. Die sei­ner­zeit 64jährige Ehe­frau des Klä­gers aus Bie­le­feld ver­un­fall­te im Febru­ar 2009 im Ski­ur­laub. Sie zog sich eine Dis­tor­si­on bei­der Knie­ge­len­ke und eine Innen­band­lä­si­on eines Knie­ge­lenks zu. Mit einer Knie­m­an­schet­te und zwei Geh­hil­fen ver­sorgt kehr­te sie Anfang März 2009 nach Bie­le­feld zurück und stell­te sich in der Pra­xis der bei­den beklag­ten Ortho­pä­den vor. Nach ärzt­li­cher Unter­su­chung wur­de dort die Man­schet­te ent­fernt und die Pati­en­tin an eine radio­lo­gi­sche Pra­xis ver­wie­sen, in der ca. 10 Tage spä­ter ein MRT erfol­gen soll­te. Bereits zwei Tage nach der Behand­lung bei den Beklag­ten erlitt die Pati­en­tin infol­ge einer Throm­bo­se eine Lun­gen­em­bo­lie und kol­la­bier­te. Not­ärzt­lich wie­der­be­lebt ent­wi­ckel­te sich bei der Pati­en­tin ein Hirn­ödem, durch wel­ches sie weni­ge Tage spä­ter ver­starb.

Mit der Begrün­dung, dass die Beklag­ten behand­lungs­feh­ler­haft eine aus­rei­chen­de Throm­bo­se­pro­phy­la­xe unter­las­sen hät­ten, hat der hin­ter­blie­be­ne Ehe­mann Scha­dens­er­satz ver­langt, u.a. eine Schmer­zens­geld von 10.000 Euro und einen Haus­halts­füh­rungs­scha­den in Höhe von ca. 300 Euro monat­lich. Damit ist er in ers­ter Instanz vor dem Land­ge­richt Bie­le­feld bereits erfolg­los geblie­ben.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm habe nicht fest­ge­stellt wer­den kön­nen, dass die Beklag­ten behand­lungs­feh­ler­haft eine Throm­bo­se­pro­phy­la­xe unter­lie­ßen. Das Abneh­men der Knie­m­an­schet­te und die Auf­for­de­rung an die Pati­en­tin, das ver­letz­te Bein schmerz­ad­ap­tiert voll zu belas­ten, sei­en eine sei­ner­zeit aus­rei­chen­de Behand­lung gewe­sen. Für eine wei­te­re Abklä­rung eines Throm­bo­se­ri­si­kos habe es kei­ne ana­mnes­ti­schen oder kli­ni­schen Anhalts­punk­te gege­ben. Ohne die­se Anhalts­punk­te sei auch eine medi­ka­men­tö­se Pro­phy­la­xe nicht indi­ziert gewe­sen. Eine sich erst anbah­nen­de Throm­bo­se sei kli­nisch nicht zu dia­gnos­ti­zie­ren.

Ober­lan­des­ge­richts Hamm, Urteil vom 18. Okto­ber 2013 – 26 U 119/​12