Die titu­lier­te Aus­kunfts­pflicht – und die Beschwer

Allein der Umstand, dass ein Aus­kunfts­ti­tel voll­streckt wird, erhöht die für den Aus­kunfts­pflich­ti­gen durch die Aus­kunfts­ver­pflich­tung ent­ste­hen­de Beschwer nicht.

Die titu­lier­te Aus­kunfts­pflicht – und die Beschwer

Im recht­li­chen Aus­gangs­punkt ist für die Bemes­sung des Werts des Beschwer­de­ge­gen­stands bei der Ver­pflich­tung zur Aus­kunfts­er­tei­lung das Inter­es­se des Rechts­mit­tel­füh­rers maß­ge­bend, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müs­sen. Abge­se­hen von dem hier nicht vor­lie­gen­den Fall eines beson­de­ren Geheim­hal­tungs­in­ter­es­ses ist auf den Auf­wand an Zeit und Kos­ten abzu­stel­len, den die sorg­fäl­ti­ge Ertei­lung der geschul­de­ten Aus­kunft erfor­dert.

Dabei kann die vom Beschwer­de­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Schät­zung wegen des ihm hier­bei ein­ge­räum­ten Ermes­sens­spiel­raums im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nur ein­ge­schränkt dar­auf über­prüft wer­den, ob das Gericht die gesetz­li­chen Gren­zen über­schrit­ten oder sein Ermes­sen feh­ler­haft aus­ge­übt hat 1. Es ist für den Bun­des­ge­richts­hofs nichts dage­gen zu erin­nern, dass das Beschwer­de­ge­richt sei­ne – auf­grund bei ihm bereits lau­fen­der Ver­fah­ren gewon­ne­ner – Kennt­nis von den Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen der Antrags­geg­ne­rin in sei­ne Ermes­sens­ent­schei­dung hat ein­flie­ßen las­sen.

Zur Bewer­tung des Zeit­auf­wands des Aus­kunfts­pflich­ti­gen kann grund­sätz­lich auf die Stun­den­sät­ze zurück­ge­grif­fen wer­den, die der Aus­kunfts­pflich­ti­ge als Zeu­ge im Zivil­pro­zess nach dem Jus­tiz­ver­gü­tungs- und ent­schä­di­gungs­ge­setz (JVEG) erhal­ten wür­de 2. Die­se belau­fen sich auf einen Betrag zwi­schen 3, 50 € (§ 20 JVEG) und im Fal­le von Nach­tei­len bei der Haus­halts­füh­rung 14 €. Dies gilt jeden­falls dann, wenn der Pflich­ti­ge mit der Ertei­lung der Aus­kunft weder eine berufs­ty­pi­sche Leis­tung erbringt noch einen Ver­dienst­aus­fall erlei­det 3.

Die Kos­ten der Zuzie­hung einer sach­kun­di­gen Hilfs­per­son bei der Bemes­sung der Beschwer kön­nen nur berück­sich­tigt wer­den, wenn sie zwangs­läu­fig ent­ste­hen, weil der Aus­kunfts­pflich­ti­ge selbst zu einer sach­ge­rech­ten Aus­kunfts­er­tei­lung nicht in der Lage ist. Dies ist vom Aus­kunfts­pflich­ti- gen sub­stan­ti­iert vor­zu­tra­gen 4.

Auch eine ein­ge­lei­te­te Zwangs­voll­stre­ckung hin­sicht­lich der titu­lier­ten Aus­kunfts­ver­pflich­tung ist bei der Bemes­sung des Beschwer­de­werts im Sin­ne des § 61 Abs. 1 FamFG nicht zu berück­sich­ti­gen.

Für die Bemes­sung des Werts des Beschwer­de­ge­gen­stands bei der Ver­pflich­tung zur Aus­kunfts­er­tei­lung ist allein das Inter­es­se des Rechts­mit­tel­füh­rers maß­ge­bend, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müs­sen. Dabei ist allein auf den Auf­wand an Zeit und Kos­ten abzu­stel­len, den die sorg­fäl­ti­ge Ertei­lung der geschul­de­ten Aus­kunft erfor­dert. Die­ses kann im Ein­zel­fall auch Kos­ten der Abwehr einer etwai­gen Zwangs­voll­stre­ckung beinhal­ten, näm­lich wenn die Aus­kunfts­ver­pflich­tung, gegen die sich der Aus­kunfts­schuld­ner zur Wehr setzt, kei­nen voll­streck­ba­ren Inhalt hat oder auf eine unmög­li­che Leis­tung gerich­tet ist. In die­sem Fall erhöht sich die Beschwer nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 5 um die mit der Abwehr einer inso­weit unge­recht­fer­tig­ten Zwangs­voll­stre­ckung ver­bun­de­nen Kos­ten. Denn im maß­geb­li­chen Zeit­punkt der Beschwer­de­ein­le­gung muss der Aus­kunfts­schuld­ner gewär­ti­gen, dass er in vol­lem Umfang aus dem im vor­ge­nann­ten Sin­ne feh­ler­haf­ten Titel in Anspruch genom­men wird und sich hier­ge­gen zur Wehr set­zen muss.

Dem­ge­gen­über ver­mag allein die Ein­lei­tung der Zwangs­voll­stre­ckung aus einem voll­streck­ba­ren Aus­kunfts­ti­tel die Beschwer hin­sicht­lich der Aus­kunfts­ver­pflich­tung nicht zu erhö­hen. Die hier­durch ein­tre­ten­de Beschwer ist Fol­ge der Voll­stre­ckung eines jeden Titels und erhöht die auf die Aus­kunfts­ver­pflich­tung bezo­ge­ne Beschwer nicht.

Im Übri­gen ließ sich im vor­lie­gen­den Streit­fall den Akten ent­neh­men, dass die Antrags­geg­ne­rin dem Voll­stre­ckungs­an­trag des Antrag­stel­lers man­geln­de Voll­stre­ckungs­rei­fe ent­ge­gen­ge­hal­ten hat. Das Amts­ge­richt hat die sofor­ti­ge Wirk­sam­keit des Teil­be­schlus­ses nicht ange­ord­net (vgl. § 116 Abs. 3 Satz 2 FamFG). Wegen des lau­fen­den Rechts­mit­tel­ver­fah­rens konn­te auch noch kei­ne Rechts­kraft ein­tre­ten (§ 116 Abs. 3 Satz 1 FamFG). Des­we­gen dürf­te es am Wirk­sam­wer­den der Ent­schei­dung als Vor­aus­set­zung für die Voll­stre­ckung feh­len (vgl. § 120 Abs. 2 FamFG) und des­halb der­zeit ohne­hin eine Voll­stre­ckung aus­schei­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Okto­ber 2015 – XII ZB 524/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 11.03.2015 – XII ZB 317/​14 , Fam­RZ 2015, 838 Rn. 11 mwN zur Aus­kunfts­pflicht inner­halb eines Unter­halts­ver­fah­rens[]
  2. BGH, Beschluss vom 23.03.2011 XII ZB 436/​10 , Fam­RZ 2011, 882 Rn. 9 mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 28.11.2012 XII ZB 620/​11 Fam­RZ 2013, 105 Rn. 11 mwN[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 23.03.2011 XII ZB 436/​10 Fam­RZ 2011, 882 Rn. 12[]
  5. BGH, Beschluss vom 02.09.2015 XII ZB 132/​15 17 mwN[]