Die trotz Nach­bes­se­rung man­gel­haf­te Kauf­sa­che

Mit der Beweis­last für das Vor­lie­gen eines Man­gel der Kauf­sa­che nach der Durch­füh­rung von Nach­bes­se­rungs­ar­bei­ten hat­te sich jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:

Die trotz Nach­bes­se­rung man­gel­haf­te Kauf­sa­che

Der Klä­ger des jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Falls leas­te von einer Lea­sing­ge­sell­schaft einen Neu­wa­gen Audi S4, den die Gesell­schaft bei der Beklag­ten erwarb. Die Gewähr­leis­tungs­an­sprü­che bezüg­lich des Pkw wur­den von der Lea­sing­ge­sell­schaft an den Klä­ger abge­tre­ten. Bereits kurz nach Über­ga­be bean­stan­de­te der Klä­ger ver­schie­de­ne Män­gel, dar­un­ter einen Feh­ler des Motors, der sich in Zünd­aus­set­zern, spo­ra­di­schem Leis­tungs­ver­lust und Rüt­teln des Motors zei­ge. Die Beklag­te führ­te mehr­fach Nach­bes­se­rungs­ar­bei­ten durch. Der Klä­ger behaup­tet, dass der Man­gel auch durch die Repa­ra­tur­ver­su­che der Beklag­ten nicht besei­tigt wor­den sei, und erklär­te den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag.

Mit sei­ner Kla­ge begehrt der Klä­ger von der Beklag­ten die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses abzüg­lich der erlang­ten Gebrauchs­vor­tei­le Zug um Zug gegen Rück­ga­be des Audi S4. Im Rah­men der wäh­rend des Pro­zes­ses erfolg­ten Beweis­erhe­bung stell­te der Sach­ver­stän­di­ge erst­mals bei der drit­ten Begut­ach­tung des Fahr­zeugs den vom Klä­ger beschrie­be­nen Man­gel fest. Der Sach­ver­stän­di­ge konn­te jedoch nicht ange­ben, wann die­ser Man­gel erst­ma­lig auf­ge­tre­ten war. Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Hof hat die Kla­ge abge­wie­sen 1, das Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg hat die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Beru­fung des Klä­gers zurück­ge­wie­sen, weil der Klä­ger nicht habe bewei­sen kön­nen, dass der vom Sach­ver­stän­di­gen im Pro­zess fest­ge­stell­te Fahr­zeug­man­gel auf der erfolg­lo­sen Nach­bes­se­rung der Beklag­ten beru­he und nicht auf eine neue Män­gel­ur­sa­che zurück­zu­füh­ren sei 2.

Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on des Klä­gers hat­te vor dem Bun­des­ge­richts­hof Erfolg. Der Bun­des­ge­richts­hof bestä­tig­te zunächst sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung, dass der Käu­fer, der die Kauf­sa­che nach einer Nach­bes­se­rung des Ver­käu­fers wie­der ent­ge­gen­ge­nom­men hat, die Beweis­last für das Fehl­schla­gen der Nach­bes­se­rung trägt. Aller­dings, so der Bun­des­ge­richts­hof wei­ter, erstreckt sich die Beweis­last nicht auf die Fra­ge, auf wel­che Ursa­che ein Man­gel der ver­kauf­ten Sache zurück­zu­füh­ren ist, sofern eine Ver­ur­sa­chung durch unsach­ge­mä­ßes Ver­hal­ten des Käu­fers aus­ge­schlos­sen ist. Weist die Kauf­sa­che – wie vor­lie­gend – auch nach den Nach­bes­se­rungs­ver­su­chen des Ver­käu­fers noch den bereits zuvor gerüg­ten Man­gel auf, muss der Käu­fer nicht nach­wei­sen, dass die­ser Man­gel auf der­sel­ben tech­ni­schen Ursa­che beruht wie der zuvor gerüg­te Man­gel.

Bun­des­ge­richts­hof Urteil vom 9. März 2011 – VIII ZR 266/​09

  1. LG Hof – Urteil vom 03.11.2008 – 32 O 1297/​04 []
  2. OLG Bam­berg – Urteil vom 26.08.2009 – 8 U 193/​08[]