Die unkla­re Trag­wei­te der Ent­schei­dungs­for­mel eines voll­streck­ba­ren Urteils

Besteht zwi­schen den Betei­lig­ten Streit über die Trag­wei­te der Ent­schei­dungs­for­mel eines voll­streck­ba­ren Urteils, weil sie den Umfang der geschul­de­ten Leis­tung nicht mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit erken­nen lässt, kann der Gläu­bi­ger erneut Kla­ge gegen den Schuld­ner erhe­ben.

Die unkla­re Trag­wei­te der Ent­schei­dungs­for­mel eines voll­streck­ba­ren Urteils

Der Gläu­bi­ger, der für sei­nen Anspruch bereits einen voll­streck­ba­ren Titel besitzt, kann jeden­falls dann noch­mals Kla­ge gegen den Schuld­ner erhe­ben, wenn die Urteils­for­mel den Umfang der geschul­de­ten Leis­tung nicht mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit zu erken­nen gibt und des­halb zwi­schen den Betei­lig­ten Streit über ihre Trag­wei­te besteht. Die Ent­schei­dungs­for­mel wird nicht mate­ri­ell rechts­kräf­tig im Sin­ne von § 322 Abs. 1 ZPO 1.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen waren im hier ent­schie­de­nen Streit­fall gege­ben:

Dem Urteil des Arbeits­ge­richts Neu­müns­ter lässt sich nicht ent­neh­men, in wel­cher Form der Klä­ger (Wider­be­klag­te) Aus­kunft über die Höhe sei­nes wäh­rend der Karenz­zeit erziel­ten Erwerbs zu ertei­len und wel­che Unter­la­gen er der Beklag­ten (Wider­klä­ge­rin) vor­zu­le­gen hat. Dar­an ändert die Ver­ur­tei­lung des Klä­gers, die Voll­stän­dig­keit und Rich­tig­keit der erteil­ten Aus­kunft an Eides Statt zu ver­si­chern, durch das wei­te­re Teil­ur­teil nichts 2. Der Klä­ger müss­te daher befürch­ten, dass die Beklag­te im Fall ihrer Inan­spruch­nah­me aus dem Zah­lungs­ti­tel mit der Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge ein­wen­det, ihr ste­he wegen Nicht­er­fül­lung des eben­falls titu­lier­ten Aus­kunfts­an­spruchs ein Zurück­be­hal­tungs­recht zu.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 27. Febru­ar 2019 – 10 AZR 340/​18

  1. BGH 13.07.2017 – I ZR 64/​16, Rn. 31 mwN[]
  2. vgl. BAG 29.07.1993 – 2 AZR 110/​93, zu II 3 c aa der Grün­de, BAGE 74, 28[]