Die unzulässige Beschwerde – und die zugelassene Rechtsbeschwerde

Die Rechtsbeschwerde ist ungeachtet ihrer Zulassung nur eröffnet, wenn die zuvor eingelegte sofortige Beschwerde ihrerseits statthaft war1.

Die unzulässige Beschwerde - und die zugelassene Rechtsbeschwerde

Die Zulassung kann einen gesetzlich nicht vorgesehenen Instanzenzug nicht eröffnen2. Die Bindungswirkung des § 574 Abs. 3 Satz 2 ZPO tritt nur hinsichtlich des Vorliegens eines Zulassungsgrundes nach § 574 Abs. 2 ZPO ein3.

Die Zulässigkeit der sofortigen Beschwerde ist im Rechtsbeschwerdeverfahren von Amts wegen zu prüfen4.

Nichts anderes gilt für die hier infolge der Rücknahme des unstatthaften Rechtsmittels getroffene Kostenentscheidung. Diese kann nicht losgelöst von dem sonstigen Verfahren betrachtet werden.

Der Rechtsmittelzug darf hinsichtlich einer Nebenentscheidung grundsätzlich nicht weitergehen als derjenige in der Hauptsache5. Dies ist Gegenstand des sogenannten Konvergenzgedankens, der in den Vorschriften des § 91a Abs. 2 Satz 2, § 99 Abs. 2 Satz 2 und § 269 Abs. 5 Satz 1 ZPO ebenso wie in § 574 Abs. 1 Satz 2 in Verbindung mit § 542 Abs. 2 Satz 1 ZPO Ausdruck gefunden hat6. Eine isolierte Anfechtbarkeit der Kostenentscheidung ist allenfalls dann in Betracht zu ziehen, wenn sie eine eigenständige, über den Nachteil der Kostentragung hinausgehende Beschwer enthält7, was hier nicht der Fall ist.

Dem steht nicht entgegen, dass im Übrigen grundsätzlich die Möglichkeit besteht, im Zusammenhang mit einem Kostenbeschluss die Rechtsbeschwerde zuzulassen8. Der vorliegende Fall unterscheidet sich von sonstigen in Bezug auf die Kostenentscheidung gemäß § 516 Abs. 3 Satz 1 ZPO zugelassenen Rechtsbeschwerden gerade dadurch, dass das eingelegte und später zurückgenommene Rechtsmittel unstatthaft war9.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 20. September 2018 – III ZB 7/17

  1. BGH, Beschlüsse vom 21.04.2004 XII ZB 279/03, BGHZ 159, 14, 15; vom 25.06.2009 – IX ZB 161/08, NJW 2009, 3653 Rn. 5; und vom 21.01.2016 – IX ZB 24/15, NZI 2016, 279 Rn. 6 []
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 08.05.2003 – I ZB 40/02, NJW-RR 2003, 1075; BGH, Beschlüsse vom 26.03.2015 – III ZB 80/13, NJW-RR 2015, 1405 Rn. 11; und vom 05.11.2015 – III ZB 69/14, BGHZ 207, 306 Rn. 7 jeweils mwN []
  3. BGH, Beschluss vom 08.05.2003 aaO; Bundesgerichtshof aaO []
  4. BGH, Beschlüsse vom 23.10.2003 – IX ZB 369/02, NJW 2004, 1112, 1113; und vom 25.06.2009, aaO Rn. 8 []
  5. BGH, Beschluss vom 08.05.2003 – I ZB 40/02 aaO []
  6. vgl. BT-Drs. 14/4722, S. 74, 81; vgl. BGH, Beschluss vom 26.03.2015 – III ZB 80/13, NJW-RR 2015, 1405 Rn. 7; BGH, Beschlüsse vom 16.09.2003 – VIII ZB 40/03, NJW 2003, 3565, 3566; und vom 08.05.2003 aaO []
  7. BGH, Beschluss aaO Rn. 8 []
  8. vgl. Zöller/Herget, ZPO, 32. Aufl., § 516 Rn. 29; Musielak/Ball, ZPO, 15. Aufl., § 516 Rn. 25; BeckOKZPO/Wulf, Stand: 15.09.2017, § 516 Rn.20 []
  9. vgl. z.B. BGH, Beschlüsse vom 26.01.2005 XII ZB 163/04, NJW-RR 2005, 727 und 7.02.2007 XII ZB 175/06, NJW-RR 2007, 786 []