Die Ver­let­zung des post­mor­ta­len Per­sön­lich­keits­rechts eines Künst­lers

Da nach den urhe­ber­recht­li­chen Vor­schrif­ten das Urhe­ber­recht 70 Jah­re nach dem Tod des Urhe­bers erlischt, kön­nen auch ide­el­le post­mor­ta­le Per­sön­lich­keits­rech­te nicht über die­sen Zeit­raum hin­aus gel­tend gemacht wer­den.

Die Ver­let­zung des post­mor­ta­len Per­sön­lich­keits­rechts eines Künst­lers

Mit die­ser Begrün­dung hat das Land­ge­richt Des­sau-Roß­lau in dem hier vor­lie­gen­den einst­wei­li­ge Ver­fü­gungs­ver­fah­ren den Antrag des Enkels des ver­stor­be­nen Bau­haus­künst­lers Oskar Schlem­mer zurück­ge­wie­sen, mit dem die­ser die Austel­lung der Stif­tung Bau­haus Des­sau ver­hin­dern woll­te.

Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Des­sau-Roß­lau kön­ne der Ver­fü­gungs­klä­ger 70 Jah­re nach dem Tod von Oskar Schlem­mer ide­el­le post­mor­ta­le Per­sön­lich­keits­rech­te nicht mehr gel­tend machen. Im Hin­blick dar­auf, dass nach den urhe­ber­recht­li­chen Vor­schrif­ten das Urhe­ber­recht 70 Jah­re nach dem Tod des Urhe­bers erlischt, kön­nen auch die ide­el­len Inter­es­sen des post­mor­ta­len Per­sön­lich­keits­rechts – wie hier vom Ver­fü­gungs­klä­ger gel­tend gemacht – nicht über die­sen Zeit­raum hin­aus­wir­ken. Beson­de­re Schutz­in­ter­es­sen der Hin­ter­blie­be­nen, wel­che eine län­ge­re Frist recht­fer­ti­gen, sei­en nicht ersicht­lich.

Aber selbst wenn ein sol­ches ide­el­les post­mor­ta­les Per­sön­lich­keits­recht noch bestehen wür­de, wäre dies durch die Aus­stel­lung der Ver­fü­gungs­be­klag­ten nicht ver­letzt. Denn die­se hat nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts in aus­rei­chen­der Art und Wei­se dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es sich bei den Figu­ri­nen nicht um die Ori­gi­na­le des Künst­lers, son­dern um Stu­di­en-Rekon­struk­tio­nen des Senac-Uni­ver­si­täts­zen­trums Sao Pau­lo han­delt. Durch einen am Ein­gangs­be­reich ange­brach­ten Text und der gesam­ten Raum­ge­stal­tung des Aus­stel­lungs­rau­mes sei es für den Besu­cher deut­lich erkenn­bar, dass es sich bei den Aus­stel­lungs­ob­jek­ten um eine freie Inter­pre­ta­ti­on der ent­spre­chen­den Figu­ri­nen und Kos­tü­me des Oskar Schlem­mer durch bra­si­lia­ni­sche Stu­den­ten und nicht um die Ori­gi­na­le han­delt.

Schließ­lich ver­let­ze die Aus­stel­lung auch nicht die Ach­tung und Wür­de von Oskar Schlem­mer. Sein Werk wer­de nicht ver­fälscht, son­dern die bra­si­lia­ni­schen Künst­ler set­zen sich in zuläs­si­ger Wei­se mit dem Kunst­werk von Oskar Schlem­mer aus­ein­an­der.

Nach einer umfas­sen­den Abwä­gung der betei­lig­ten Inter­es­sen sei daher eine Ver­let­zung des post­mor­ta­len Per­sön­lich­keits­rechts des Künst­lers nicht fest­zu­stel­len.

Land­ge­richt Des­sau-Roß­lau, Urteil vom 27. Janu­ar 2014 – 4 O 792/​13