Die Ver­mö­gens­ver­wal­tung einer Stif­tung

Haben es die Mit­glie­der des Kura­to­ri­ums einer Stif­tung als Kon­troll- und Auf­sichts­or­gan ver­säumt, dem Vor­stand der Stif­tung eine kla­re Wei­sung zu ertei­len, nach­dem ihnen die Kurs­ver­lus­te und die damit ver­bun­de­ne Schmä­le­rung des Stif­tungs­ver­mö­gens bekannt gewor­den sind, wird ihnen ein hälf­ti­ges Mit­ver­schul­den zuge­rech­net.

Die Ver­mö­gens­ver­wal­tung einer Stif­tung

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den und den ehe­ma­li­gen allei­ni­gen Vor­stand der Johan­nes a Las­co Biblio­thek in Emden zur Zah­lung von Scha­dens­er­satz ver­ur­teilt. Die Stif­tung Johan­nes a Las­co Biblio­thek Gro­ße Kir­che ist eine im Jah­re 1993 gegrün­de­te rechts­fä­hi­ge kirch­li­che Stif­tung bür­ger­li­chen Rechts, deren Stif­tungs­zweck die wis­sen­schaft­li­che, theo­lo­gi­sche und his­to­ri­sche For­schung und Leh­re sowie die per­sön­li­che Fort­bil­dung aller Inter­es­sier­ten im Bereich der Evan­ge­li­schen Kir­che umfasst. Dazu betreibt sie in der Gro­ßen Kir­che in Emden eine für den refor­mier­ten Pro­tes­tan­tis­mus bedeut­sa­me Biblio­thek. Als Regio­nal­bi­blio­thek sam­melt und erschließt sie Lite­ra­tur zur Geschich­te Ost­fries­lands. Das Stif­tungs­ver­mö­gen betrug im Febru­ar 2001 mehr als 8,84 Mio. €. In den Jah­ren 2001 bis zur Abbe­ru­fung des Vor­stan­des Ende Sep­tem­ber 2008 redu­zier­te sich das Ver­mö­gen um rund 6,28 Mio. €, so dass etwa 2,55 Mio. € ver­blie­ben.

Mit ihrer Kla­ge begehr­te die Stif­tung von ihrem ehe­ma­li­gen Vor­stand Scha­den­er­satz, weil die­ser durch pflicht­wid­ri­ge Ver­mö­gens­ver­wal­tung, durch zu hohe lau­fen­de Aus­ga­ben im Rah­men des Stif­tungs­be­trie­bes sowie durch pflicht­wid­ri­ge Ankäu­fe für einen erheb­li­chen Ver­lust des Stif­tungs­ver­mö­gens ver­ant­wort­lich gewe­sen sein soll. Der Vor­stand selbst macht dage­gen rück­stän­di­ge Ver­gü­tungs- und Ruhe­ge­halts­an­sprü­che sowie Zah­lungs­an­sprü­che wegen des Unter­las­sens ver­ein­bar­ter Gehalts­an­pas­sun­gen gel­tend.

Das Land­ge­richt Aurich ver­ur­teil­te den Vor­stand zur Zah­lung von 802.000 € Scha­dens­er­satz wegen zu hoher lau­fen­der Aus­ga­ben des Stif­tungs­be­trie­bes sowie zur Zah­lung eines wei­te­ren Betra­ges in Höhe von 557.500 € als Scha­dens­er­satz wegen der pflicht­wid­ri­gen Ankäu­fe von Büchern und Bil­dern. Im Gegen­zug soll­ten die­se dem Vor­stand von der Stif­tung über­ge­ben wer­den. Einen Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen pflicht­wid­ri­ger Ver­mö­gens­ver­wal­tung lehn­te das Land­ge­richt ab.

Hier­ge­gen haben sowohl die Stif­tung als auch der Vor­stand Beru­fung ein­ge­legt. Den Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen der pflicht­wid­ri­gen Anschaf­fung der Gegen­stän­de erkann­te der Vor­stand in Höhe von 675.000 € Zug um Zug gegen Über­ga­be des Archivs Sie­ben­ei­chen, des Guts­ar­chivs Schloss Beich­lin­gen und von acht Gemäl­den von Mil­ti­tz an.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg sei der Stif­tung ein hälf­ti­ges Mit­ver­schul­den zuzu­rech­nen. Die Mit­glie­der des Kura­to­ri­ums als Kon­troll- und Auf­sichts­or­gan hät­ten ver­säumt dem Beklag­ten eine kla­re Wei­sung zu ertei­len, nach­dem auch ihnen die Kurs­ver­lus­te und die damit ver­bun­de­ne Schmä­le­rung des Stif­tungs­ver­mö­gens bereits im Jah­re 2003 bekannt gewor­den waren. Spä­tes­tens zu die­sem Zeit­punkt habe für das Kura­to­ri­um Anlass bestan­den, auf das Han­deln des Vor­stands unver­züg­lich ein­zu­wir­ken und ihm kla­re Direk­ti­ven zu ertei­len, um eine wei­te­re Ein­bu­ße des Stif­tungs­ver­mö­gens zu ver­hin­dern. Statt­des­sen sei durch den Stif­tungs­rat die Ent­schei­dung getrof­fen wor­den, an den Anla­gen fest­zu­hal­ten. Das Ober­lan­des­ge­richt sprach
der Stif­tung einen Scha­dens­er­satz­an­spruch in Höhe von 113.000 € wegen einer unzu­läs­si­gen Anla­ge des Stif­tungs­ver­mö­gens in Form von Akti­en­an­käu­fen und Anla­ge­ge­schäf­ten zu.

Dar­über hin­aus wur­de der Scha­dens­er­satz für die feh­ler­haf­te Geschäfts­füh­rung auf 370.000 € her­ab­ge­senkt. Tat­säch­lich hat­te der Vor­stand in den Jah­ren 2004 bis 2007 dem Stif­tungs­ver­mö­gen 1.780.000 € für den Geschäfts­be­trieb ent­nom­men, obwohl er in die­ser Zeit ledig­lich 768.000 € hät­te ent­neh­men dür­fen. Der auf das Jahr 2004 ent­fal­le­ne Betrag von 452.000 € kön­ne nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts nicht mehr ein­ge­for­dert wer­den, weil dem Vor­stand für die­ses Jahr Ent­las­tung erteilt wor­den war. Wäh­rend die Stif­tung für das Jahr 2005 kein Mit­ver­schul­den tref­fe und des­halb der vol­le Scha­dens­er­satz von knapp 180.000 € gel­tend gemacht wer­den kön­ne, tref­fe die Stif­tung für die Jah­re 2006 und 2007 erneut ein hälf­ti­ges Mit­ver­schul­den. Der ver­blei­ben­de Scha­den von 560.000 € redu­zie­re sich des­halb auf rund 370.000 €.

Gegen­an­sprü­che des Vor­stan­des auf rück­stän­di­ge Ver­gü­tung und Ruhe­ge­halt hat das Ober­lan­des­ge­richt in Höhe von 30.000 € ange­nom­men. Einen wei­te­ren Anspruch auf Zah­lung eines erhöh­ten Ruhe­ge­hal­tes im Fal­le der außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung hat das Ober­lan­des­ge­richt, eben­so wie zuvor das Land­ge­richt, abge­lehnt.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 8. Novem­ber 2013 – 6 U 50/​13