Die Ver­schwie­gen­heits­pflicht eines Per­so­nal­be­ra­ters

Teilt ein Per­so­nal­be­ra­ter einer abge­lehn­ten Bewer­be­rin die Grün­de für die Absa­ge mit und weist auf einen Ver­stoß gegen das AGG hin, ist er scha­den­er­satz­pflich­tig, weil er sei­ne ver­trag­li­chen Ver­schwie­gen­heits- und Treue­pflich­ten gegen­über sei­nem Auf­trag­ge­ber ver­letzt hat.

Die Ver­schwie­gen­heits­pflicht eines Per­so­nal­be­ra­ters

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt a.M. in dem hier vor­lie­gen­den Fall in Abän­de­rung des erst­in­stanz­li­chen Urteils den Per­so­nal­be­ra­ter eines Maschi­nen­fa­bri­ka­ti­ons­un­ter­neh­mens zum Ersatz eines Drit­tels des dem Unter­neh­men ent­stan­de­nen Scha­dens ver­ur­teilt. Das Maschi­nen­fa­bri­ka­ti­ons­un­ter­neh­men beauf­trag­te den Beklag­ten, einen Per­so­nal­be­ra­ter, im Jahr 2012 mit der Suche nach einer geeig­ne­ten Per­sön­lich­keit für die Posi­ti­on eines tech­ni­schen Ver­käu­fers in ihrem Hau­se. Nach­dem der Beklag­te die Unter­la­gen einer Bewer­be­rin über­sand­te, teil­te der Per­so­nal­lei­ter der Klä­ge­rin ihm mit, dass man für die Posi­ti­on kei­ne Frau wün­sche. Als der Bera­tungs­ver­trag zwi­schen den Par­tei­en been­det war und der Beklag­te sein Hono­rar erhal­ten hat­te, teil­te die­ser der Bewer­be­rin mit, dass die Klä­ge­rin kei­ne Frau ein­stel­len wol­le. Zugleich bezeich­ne­te er das Ver­hal­ten der Klä­ge­rin als skan­da­lös und dis­kri­mi­nie­rend und riet der Bewer­be­rin, sich wegen eines mög­li­chen Scha­den­er­sat­zes an einen Rechts­an­walt zu wen­den. In der Tat ver­klag­te die abge­lehn­te Bewer­be­rin die Klä­ge­rin wegen Ver­sto­ßes gegen das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG). In dem arbeits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren schloss die Klä­ge­rin mit der Bewer­be­rin einen Ver­gleich über eine Ent­schä­di­gung in Höhe von 8.500 Euro. Die­sen Betrag sowie wei­te­re Fol­ge­kos­ten – ins­ge­samt rund 11.500 Euro – for­dert sie im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren von dem Beklag­ten mit der Begrün­dung zurück, die­ser habe sei­ne ver­trag­li­che Ver­schwie­gen­heits­ver­pflich­tung ihr gegen­über ver­letzt. Nach­dem das zunächst ange­ru­fe­ne Land­ge­richt 1 die Kla­ge abge­wie­sen hat, ist Beru­fung ein­ge­legt wor­den.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt a.M. aus­ge­führt, es lie­ge auf der Hand, dass den Beklag­ten aus der Natur des Ver­tra­ges her­aus, die Pflicht traf, über die ihm im Rah­men sei­ner Tätig­keit bekannt wer­den­den Infor­ma­tio­nen Still­schwei­gen zu bewah­ren. Dies umso mehr, als der Beklag­te im Vor­feld – auf einem von ihm in Umlauf gebrach­ten Fly­er – mit sei­ner strik­ten Dis­kre­ti­on gewor­ben hat­te. Die­se Ver­schwie­gen­heits- und Treue­pflicht habe der Beklag­te ver­letzt, indem er der abge­lehn­ten Bewer­be­rin die Grün­de für die Absa­ge mit­ge­teilt und auf einen Ver­stoß gegen das AGG hin­ge­wie­sen habe.

Der Beklag­te kön­ne sich auch nicht dar­auf beru­fen, zur Wei­ter­ga­be die­ser Grün­de berech­tigt gewe­sen zu sein. Zwar wer­de im Arbeits­recht die Erstat­tung einer Straf­an­zei­ge des Arbeit­neh­mers gegen sei­nen Arbeit­ge­ber als zuläs­sig erach­tet. Der Beklag­te habe aller­dings kei­ne Straf­an­zei­ge wegen einer mög­li­chen Straf­tat der Klä­ge­rin erstat­tet, son­dern der Bewer­be­rin einen Ver­stoß gegen das AGG mit­ge­teilt. Ein sol­cher Ver­stoß stel­le nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers kei­ne Straf­tat dar, son­dern füh­re ledig­lich zu einem zivil­recht­li­chen Ent­schä­di­gungs­an­spruch des Betrof­fe­nen. Gehe es allein um einen zivil­recht­li­chen Sach­ver­halt, kön­ne sich der Beklag­te auch nicht dar­auf beru­fen, im Inter­es­se der All­ge­mein­heit gehan­delt zu haben.

Unab­hän­gig von die­sen Erwä­gun­gen ver­die­ne das Ver­hal­ten des Beklag­ten auch des­halb kei­nen Schutz, weil es unver­hält­nis­mä­ßig gewe­sen sei. Der Beklag­te habe die abge­lehn­te Bewer­be­rin regel­recht ange­sta­chelt, sei­ne Auf­trag­ge­be­rin wegen einer Ent­schä­di­gung in Anspruch zu neh­men.

Gleich­wohl kön­ne die Klä­ge­rin nur ein Drit­tel des ihr ent­stan­de­nen Scha­dens von dem Beklag­ten ersetzt ver­lan­gen, denn sie müs­se sich ein über­wie­gen­des Mit­ver­schul­den anrech­nen las­sen. Inso­weit sei zu berück­sich­ti­gen, dass der Scha­den zwar dadurch ein­ge­tre­ten sei, dass der Beklag­te gegen sei­ne Ver­schwie­gen­heits­pflicht ver­sto­ßen und damit die Inan­spruch­nah­me der Klä­ge­rin ermög­lich habe. Die Klä­ge­rin habe aber die wesent­li­che Ursa­che für den Scha­den selbst gesetzt, indem sie es war, die den Ver­stoß gegen das AGG began­gen habe.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 8. Mai 2014 – 16 U 175/​13

  1. LG Frank­furt a.M., Urteil vom 20.08.2013 – 2 – 05 O 109/​13[]