Die ver­trag­li­che Über­nah­me des Win­ter­diens­tes

Ein Ver­trag, mit dem der Win­ter­dienst für den Eigen­tü­mer über­nom­men wird, ist kein Dienst­ver­trag, son­dern ein Werk­ver­trag. Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof, nach­dem die­se Fra­ge bis­her von den Instanz­ge­rich­ten unter­schied­lich beur­teilt wor­den.

Die ver­trag­li­che Über­nah­me des Win­ter­diens­tes

Ver­pflich­tet sich der Unter­neh­mer, eine bestimm­te Flä­che von Schnee- und Eis­glät­te frei­zu­hal­ten, ist Werk­ver­trags­recht anwend­bar. Eine sol­che Leis­tung ist grund­sätz­lich nicht abnah­me­be­dürf­tig, so dass es gerecht­fer­tigt ist, das Män­gel­recht der §§ 634 ff. BGB anzu­wen­den, wenn der Unter­neh­mer die Leis­tung in Erfül­lung sei­ner gesam­ten Ver­bind­lich­keit erbracht hat.

Eine For­mu­lar­be­stim­mung, wonach der Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders die­sem eine Frist zur Nach­er­fül­lung set­zen muss, auch wenn eine Frist­set­zung gemäß § 323 Abs. 2, § 326 Abs. 5, § 636 BGB ent­behr­lich ist, benach­tei­ligt den Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen, weil sie von wesent­li­chen Grund­ge­dan­ken der gesetz­li­chen Rege­lung abweicht.

In dem nun vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ver­lang­te die Klä­ge­rin von dem Beklag­ten, der Eigen­tü­mer eines Haus­grund­stücks ist, Rest­ver­gü­tung auf­grund eines soge­nann­ten "Rei­ni­gungs­ver­tra­ges Win­ter­dienst". Die Klä­ge­rin hat­te sich ver­trag­lich ver­pflich­tet, wäh­rend der Zeit vom 1. Novem­ber des Jah­res bis zum 30. April des Fol­ge­jah­res die ver­ein­bar­ten Flä­chen gemäß den Pflich­ten des Stra­ßen­rei­ni­gungs­ge­set­zes des Bun­des­lan­des bzw. der kom­mu­na­len Sat­zung von Schnee frei­zu­hal­ten und bei Glät­te zu bestreu­en. Der Beklag­te hat ein­ge­wandt, dass die Klä­ge­rin die ver­ein­bar­te Leis­tung an näher bezeich­ne­ten Tagen nicht voll­stän­dig erbracht habe, und einen Teil der ver­ein­bar­ten Ver­gü­tung ein­be­hal­ten.

Die Ver­gü­tungs­kla­ge der Klä­ge­rin hat­te in den Vor­in­stan­zen vor dem Amts­ge­richt Wed­ding und dem Land­ge­richt Ber­lin ohne Beweis­auf­nah­me Erfolg [1]. In sei­nem Beru­fungs­ur­teil hat das Land­ge­richt Ber­lin im Wesent­li­chen aus­ge­führt, dass der Ver­trag über­wie­gend dienst­ver­trag­li­chen Cha­rak­ter habe; bei Schlecht­leis­tung sei eine Min­de­rung der Ver­gü­tung nicht zuläs­sig.

Auf die vom Land­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on des Beklag­ten hat nun der Bun­des­ge­richts­hof das ange­foch­te­ne Urteil auf­ge­ho­ben und die Sache zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an die Vor­in­stanz zurück­ver­wie­sen: Die Par­tei­en hät­ten, so der Bun­des­ge­richts­hof, einen Werk­ver­trag geschlos­sen. Gegen­stand eines Werk­ver­trags kann auch ein durch Arbeit oder Dienst­leis­tung her­bei­zu­füh­ren­der Erfolg sein (§ 631 Abs. 2 BGB). Ver­trags­ge­gen­stand war die erfolg­rei­che Bekämp­fung von Schnee- und Eis­glät­te. Der Werkerfolg besteht maß­geb­lich dar­in, dass die Gefah­ren­quel­le besei­tigt wird. Das Werk ist nicht abnah­me­be­dürf­tig, denn Sinn und Zweck des Win­ter­diens­tes ist es, dass der Unter­neh­mer den Win­ter­dienst ver­sieht, ohne dass der Bestel­ler jedes Ein­satz­er­geb­nis bil­li­gen soll. Sofern der Unter­neh­mer sei­ne ver­trag­li­che Ver­pflich­tung unvoll­stän­dig erfüllt hat, ist das geschul­de­te Werk man­gel­haft. Eine Frist­set­zung zur Nach­er­fül­lung ist ent­behr­lich. Die Ver­gü­tung kann ent­spre­chend gemin­dert wer­den (§ 638 BGB).

Das Land­ge­richt Ber­lin wird nun­mehr fest­zu­stel­len haben, ob bzw. in wel­chem Umfang der geschul­de­te Win­ter­dienst unter­blie­ben ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Juni 2013 – VII ZR 355/​12

  1. AG Wed­ding, Urteil vom 18.08.2011 – 17 C 433/​10; LG Ber­lin, Urteil vom 27.04.2012 – 50 S 53/​11, Grund­ei­gen­tum 2012, 754[]