Die Ver­tre­tungs­macht des Bür­ger­meis­ters – auch ohne Zustim­mung des Gemein­de­rats

Die organ­schaft­li­che Ver­tre­tungs­macht des ers­ten Bür­ger­meis­ters einer baye­ri­schen Gemein­de ist im Außen­ver­hält­nis all­um­fas­send und unbe­schränkt; infol­ge­des­sen wird die Gemein­de auch durch sol­che Rechts­hand­lun­gen des ers­ten Bür­ger­meis­ters berech­tigt und ver­pflich­tet, die die­ser ohne die erfor­der­li­che Beschluss­fas­sung des Gemein­de­rats vor­ge­nom­men hat 1.

Die Ver­tre­tungs­macht des Bür­ger­meis­ters – auch ohne Zustim­mung des Gemein­de­rats

Der Bun­des­ge­richts­hof hat inzwi­schen ent­schie­den, dass die organ­schaft­li­che Ver­tre­tungs­macht des ers­ten Bür­ger­meis­ters einer baye­ri­schen Gemein­de nach Art. 38 Abs. 1 Bay­GO im Außen­ver­hält­nis all­um­fas­send und unbe­schränkt ist. Infol­ge­des­sen wird die Gemein­de auch durch sol­che Rechts­hand­lun­gen des ers­ten Bür­ger­meis­ters berech­tigt und ver­pflich­tet, die die­ser ohne die erfor­der­li­che Beschluss­fas­sung des Gemein­de­rats vor­ge­nom­men hat 2.

Die Aus­le­gung der ein­schlä­gi­gen Nor­men der Gemein­de­ord­nung für den Frei­staat Bay­ern erge­be die­se umfas­sen­de Ver­tre­tungs­macht des ers­ten Bür­ger­meis­ters. Weder der Wort­laut noch die sys­te­ma­ti­sche Aus­le­gung der Vor­schrif­ten noch ihre Ent­ste­hungs­ge­schich­te wie­sen auf Ein­schrän­kun­gen der Ver­tre­tungs­be­fug­nis hin.

Das­sel­be gel­te für den Ver­gleich mit dem Kom­mu­nal­recht ande­rer Bun­des­län­der. Für die­se Aus­le­gung des Art. 38 Abs. 1 Bay­GO als Ein­räu­mung einer umfas­sen­den Ver­tre­tungs­macht im Außen­ver­hält­nis spre­che schließ­lich ent­schei­dend – wie in den ande­ren Bun­des­län­dern auch – das Bedürf­nis nach Rechts­si­cher­heit und ange­mes­se­nem Ver­kehrs­schutz 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 1. Juni 2017 – VII ZR 49/​16

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 18.11.2016 – V ZR 266/​14, WM 2017, 256[]
  2. BGH, Urteil vom 18.11.2016 – V ZR 266/​14, WM 2017, 256 Rn. 12[]
  3. vgl. im Ein­zel­nen BGH, Urteil vom 18.11.2016 – V ZR 266/​14, aaO Rn. 1323[]