Die ver­wäs­ser­te 911er Ser­vo­len­kung

Allein die tech­ni­sche Mög­lich­keit, dass Was­ser im Motor­raum des Por­sche 911 Cabrio­let einen Aus­fall der Ser­vo­len­kung bewir­ken kann, begrün­det nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Hamm kei­nen Sach­man­gel, wenn es kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te dafür gibt, dass die Ser­vo­len­kung auch bei der übli­chen Ver­wen­dung des Por­sche im Stra­ßen­ver­kehr oder beim Auf­su­chen einer Wasch­stra­ße beein­träch­tigt wer­den kann.

Die ver­wäs­ser­te 911er Ser­vo­len­kung

In dem hier ent­schie­de­nen Fall erwarb das kla­gen­de Bau­un­ter­neh­men im Juni 2008 beim beklag­ten Auto­händ­ler aus Holzwi­cke­de für ca. 162.000 € einen Por­sche 911 Tur­bo Cabrio­let aus der Bau­se­rie 997. Kur­ze Zeit spä­ter rüg­te der Käu­fer gegen­über dem Auto­händ­ler als Fahr­zeug­man­gel, dass die Ser­vo­len­kung des Por­sche bei star­kem Regen oder dem Durch­fah­ren einer Wasch­stra­ße blo­ckie­re und dann auch ein stö­ren­des Quietsch­ge­räusch zu hören sei. Nach­dem das Auto­haus die Män­gel bestrit­ten hat­te, hat der Bau­un­ter­neh­mer den Ver­trags­rück­tritt erklärt und auf Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­tra­ges geklagt. Die Kla­ge blieb aller­dings ohne Erfolg, das Ober­lan­des­ge­richt Hamm wies sei­ne Kla­ge nun zurück, da es nach sach­ver­stän­di­ger Begut­ach­tung kei­nen Sach­man­gel beim ver­kauf­ten Fahr­zeug fest­stel­len konn­te:

Dass über­haupt Was­ser – beim Por­sche u.a. durch Lüf­tungs­schlit­ze im Heck­be­reich – in den Motor­raum ein­drin­gen kön­ne, sei bei Kraft­fahr­zeu­gen üblich und kein Man­gel. Bei dem hier erwor­be­nen Por­sche bestehe zwar die tech­ni­sche Mög­lich­keit, dass in den Motor­raum gesam­mel­tes Was­ser auch den Flach­rie­men errei­che und die­sen durch­rut­schen las­se, so dass ein Quiet­schen ent­ste­he und die Ser­vopum­pe aus­fal­le. Das gesche­he aller­dings erst dann, wenn man die Heck­klap­pe des Fahr­zeugs öff­ne und in die Öff­nung zwi­schen den Ansaug­roh­ren durch einen dicht vor­ge­hal­te­nen Schlauch gezielt Was­ser auf den Flach­rie­men lei­te. Auf eine der­ar­ti­ge Über­be­an­spru­chung müs­se kein Fahr­zeug aus­ge­legt sein. Bei einer gewöhn­li­chen Ver­wen­dung des Por­sche im Stra­ßen­ver­kehr und einer Belas­tung durch Stark­re­gen oder das Auf­su­chen einer Wasch­stra­ße, lau­fe das Fahr­zeug feh­ler­frei ohne stö­ren­de Geräusch­ent­wick­lung. Nach dem Ergeb­nis des Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens gebe es kei­ne rea­lis­ti­schen Bedin­gun­gen im Stra­ßen­ver­kehr, bei denen es zu einer Was­ser­ein­wir­kung auf den Motor kom­men kön­ne, die zum Aus­fall der Ser­vopum­pe füh­re.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 15. Okto­ber 2015 – 28 U 158/​12 [1]

  1. nicht rechts­kräf­tig: BGH – ZR 258/​15[]