Die rechts­kräf­tig abge­wie­se­ne frü­he­re Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge – und die Prä­k­lu­si­on im Scha­dens­er­satz­pro­zess

Die Rechts­kraft eines die Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge gegen eine voll­streck­ba­re Urkun­de abwei­sen­den Urteils steht der Begründ­etheit einer Kla­ge des Schuld­ners ent­ge­gen, die auf Tat­sa­chen gestützt ist, die schon zur Zeit der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung im Voll­stre­ckungs­ab­wehr­pro­zess vor­ge­le­gen haben, und die im Ergeb­nis einer Voll­stre­ckung aus die­sem Titel zuwi­der lie­fe 1.

Die rechts­kräf­tig abge­wie­se­ne frü­he­re Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge – und die Prä­k­lu­si­on im Scha­dens­er­satz­pro­zess

Hin­sicht­lich der Kla­ge­an­trä­ge, die gegen die Zah­lungs­pflicht der Schuld­ne­rin (hier: aus dem Dar­le­hens­ver­trag) gerich­tet sind, bedarf es kei­ner wei­te­ren Fest­stel­lun­gen, so dass auch ein Hilfs­an­trag auf Fest­stel­lung, dass kei­ne Zah­lungs­pflich­ten aus dem Dar­le­hens­ver­trag geschul­det wer­den und die Gläu­bi­ge­rin nicht berech­tigt ist, Zah­lun­gen aus dem Dar­le­hens­ver­trag zu ver­lan­gen, zurück­zu­wei­sen ist (§ 563 Abs. 3 ZPO). Denn inso­weit ist mit rechts­kräf­ti­ger Abwei­sung der Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge der Schuld­ne­rin für die Par­tei­en bin­dend ent­schie­den wor­den, dass die Zwangs­voll­stre­ckung der Gläu­bi­ge­rin aus der in das gesam­te Ver­mö­gen der Schuld­ne­rin voll­streck­ba­ren Grund­schuld­ur­kun­de zur Durch­set­zung der Zah­lungs­pflich­ten der Schuld­ne­rin aus die­sem Dar­le­hens­ver­trag zuläs­sig ist.

Hier­von sind aller­dings sol­che Ansprü­che nicht betrof­fen, die die­sem Titel nicht ent­ge­gen­ste­hen kön­nen.

Die Rechts­kraft eines die Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge gegen einen Titel abwei­sen­den End­ur­teils steht der Gel­tend­ma­chung eines Scha­dens­er­satz­an­spruchs durch den unter­le­ge­nen Schuld­ner in einem Fol­ge­pro­zess ent­ge­gen, wenn damit, gestützt auf Grün­de, die im Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung im Voll­stre­ckungs­ab­wehr­ver­fah­ren bereits vor­ge­le­gen haben, die Voll­stre­ckung die­ses Titels unter­bun­den wer­den soll 2.

Zwar sind die Streit­ge­gen­stän­de des vor­he­ri­gen und des jet­zi­gen Pro­zes­ses in die­sem Fall nicht iden­tisch, weil im Vor­pro­zess über die pro­zes­sua­le Gestal­tungs­kla­ge aus § 767 ZPO, die auf die Unzu­läs­sig­keit der Zwangs­voll­stre­ckung gerich­tet war, ent­schie­den wor­den ist, wäh­rend es im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren um eine Leis­tungs­kla­ge wegen Scha­dens­er­sat­zes geht, sodass die neue Kla­ge nicht von vorn­her­ein unzu­läs­sig ist.

Der Rechts­kraft des eine Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge abwei­sen­den Urteils kommt aber wei­ter die Bedeu­tung zu, dass der voll­streck­ba­ren Urkun­de die Voll­streck­bar­keit nicht mehr mit dem jener Kla­ge zugrun­de lie­gen­den Sach­ver­halt genom­men wer­den darf 3. Einer Par­tei, deren Kla­ge auf Unzu­läs­sig­keit der Zwangs­voll­stre­ckung rechts­kräf­tig abge­wie­sen wor­den ist, ist es des­we­gen ent­spre­chend den Rechts­ge­dan­ken der § 767 Abs. 2 ZPO und § 767 Abs. 3 ZPO ver­wehrt, die ses Ergeb­nis im Wege eines Scha­dens­er­satz­an­spruchs zu kor­ri­gie­ren, den sie auf Umstän­de stützt, die schon zur Zeit der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung im Voll­stre­ckungs­ab­wehr­ver­fah­ren vor­ge­le­gen haben 4.

Die Reich­wei­te die­ser Bin­dung hängt dabei nicht davon ab, ob der im Voll­stre­ckungs­ab­wehr­ver­fah­ren rechts­kräf­tig unter­le­ge­ne Schuld­ner im Nach­hin­ein die Erstat­tung eines durch die erfolg­te Zwangs­voll­stre­ckung aus dem bestä­tig­ten Titel ent­stan­de­nen Scha­dens begehrt oder prä­ven­tiv im Wege einer Frei­stel­lung von den Ver­pflich­tun­gen, die dem ohne Erfolg ange­grif­fe­nen Titel zugrun­de lie­gen, die noch bevor­ste­hen­de Voll­stre­ckung die­ses Titels unter­bin­den will. In bei­den Fäl­len zielt die auf einen Scha­dens­er­satz­an­spruch gestütz­te Leis­tungs­kla­ge dar­auf, die im Ver­fah­ren der Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge rechts­kräf­tig fest­ge­stell­te Recht­mä­ßig­keit einer Zwangs­voll­stre­ckung aus die­sem Titel mit­hil­fe von Grün­den zu besei­ti­gen, die bereits im Ver­fah­ren der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge erfolg­los gel­tend gemacht wor­den sind oder gel­tend gemacht wer­den konn­ten. Des­we­gen muss es in bei­den Kon­stel­la­tio­nen in glei­cher Wei­se ver­mie­den wer­den, einen bereits ent­schie­de­nen Streit um die­sel­be Rechts­fol­ge in abge­wan­del­ter Form erneut aus­zu­tra­gen 5.

Danach sind die Anträ­ge der Schuld­ne­rin auf Frei­stel­lung von den Ver­bind­lich­kei­ten aus dem Dar­le­hen, das der voll­streck­ba­ren Grund­schuld­ur­kun­de zugrun­de liegt, zurück­zu­wei­sen, ohne dass erneut dar­über zu ent­schei­den ist, ob die Gläu­bi­ge­rin (hier:) eine Hin­weis­pflicht auf eine sit­ten­wid­ri­ge Über­teue­rung des Kauf­prei­ses der Immo­bi­lie ver­letzt hat.

Mit rechts­kräf­ti­ger Abwei­sung der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge im Vor­pro­zess steht die Zuläs­sig­keit der Voll­stre­ckung aus der voll­streck­ba­ren Grund­schuld­ur­kun­de vom 22.09.2005 bin­dend fest 5.

Die Schuld­ne­rin hat sich in dem Vor­pro­zess gegen die Zwangs­voll­stre­ckung aus der Grund­schuld­ur­kun­de auf den iden­ti­schen Sach­vor­trag zu einer ver­meint­li­chen Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung durch die Gläu­bi­ge­rin gestützt, auf den sie auch im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ihr Scha­dens­er­satz­be­geh­ren grün­det.

In dem gegen die Zwangs­voll­stre­ckung aus der nota­ri­el­len Urkun­de erfolg­los geführ­ten Voll­stre­ckungs­ab­wehr­ver­fah­ren hat sie nach § 242 BGB den Ein­wand einer Scha­dens­er­satz­pflicht der Gläu­bi­ge­rin wegen einer Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung über die sit­ten­wid­ri­ge Über­teue­rung des Kauf­prei­ses gel­tend gemacht. Die jetzt erho­be­ne Kla­ge auf Frei­stel­lung von den Ver­pflich­tun­gen aus dem Dar­le­hens­ver­trag begrün­det die Schuld­ne­rin eben­so wie den hilfs­wei­se gestell­ten Fest­stel­lungs­an­trag mit der­sel­ben Pflicht­ver­let­zung, um damit erneut zu ver­su­chen, mit einem den Bestand der zu voll­stre­cken­den For­de­rung betref­fen­den Urteil die Zwangs­voll­stre­ckung aus der nota­ri­el­len Urkun­de nach § 242 BGB zu unter­bin­den 6. Damit ist sie aber durch die Bin­dungs­wir­kung des rechts­kräf­ti­gen Urteils im Voll­stre­ckungs­ab­wehr­ver­fah­ren aus­ge­schlos­sen, da sich die­se Kla­ge­an­trä­ge gegen Zah­lungs­pflich­ten wen­den, die der Voll­stre­ckung aus der Grund­schuld­ur­kun­de zugrun­de lie­gen.

Dafür ist ohne Bedeu­tung, dass der vor­lie­gen­de Pro­zess aus dem Voll­stre­ckungs­ab­wehr­ver­fah­ren durch Ver­wei­sung wegen Unzu­stän­dig­keit her­vor­ge­gan­gen ist. Davon wird die Bin­dungs­wir­kung eines rechts­kräf­ti­gen Urteils im Voll­stre­ckungs­ab­wehr­ver­fah­ren ersicht­lich nicht berührt, denn mit der Ver­fah­ren­s­tren­nung ent­ste­hen – wie gera­de die hier erfolg­te Ver­wei­sung zeigt – selbst­stän­di­ge Ver­fah­ren 7.

Von die­ser Bin­dung an die Rechts­kraft des vor­an­ge­hen­den Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge­ver­fah­rens wer­den nur die Kla­ge­an­trä­ge berührt, mit denen sich die Schuld­ne­rin hier im Wege eines Frei­stel­lungs- und hilfs­wei­sen Fest­stel­lungs­an­trags gegen die der voll­streck­ba­ren Urkun­de zugrun­de lie­gen­den Ver­bind­lich­kei­ten wen­det.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Okto­ber 2016 – XI ZR 145/​14

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 30.05.1960 – II ZR 207/​58, WM 1960, 807[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 30.05.1960 – II ZR 207/​58, WM 1960, 807, 808; vgl. auch Schöpf­lin, JR 2004, 508[]
  3. BGH, Urtei­le vom 19.06.1984 – IX ZR 89/​83, MDR 1985, 138; und vom 23.01.1985 – VIII ZR 285/​83, WM 1985, 703, 704[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 30.05.1960 – II ZR 207/​58, WM 1960, 807, 808[]
  5. vgl. dazu BGH, Urteil vom 30.05.1960 – II ZR 207/​58, WM 1960, 807, 808[][]
  6. vgl. dazu BGH, Urteil vom 04.12 2014 – VII ZR 4/​13, NJW 2015, 955 Rn. 39[]
  7. vgl. Zöller/​Greger, ZPO, 31. Aufl., § 145 Rn. 7[]