Die von der Natu­ral­par­tei ver­säum­te Beru­fungs­frist – und das Gebot eines fai­ren Verfahrens

Das Gebot des fai­ren Ver­fah­rens (vgl. Art. 2 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit dem Rechts­staats­grund­satz, Art.20 Abs. 3 GG) ver­bie­tet es, einer Par­tei nach Ver­säu­mung einer Rechts­mit­tel­frist die Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand auf­grund von Anfor­de­run­gen an die Sorg­falts­pflicht zu ver­sa­gen, die nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung nicht ver­langt wer­den und mit denen sie auch unter Berück­sich­ti­gung der Ent­schei­dungs­pra­xis des ange­ru­fe­nen Gerichts nicht rech­nen konn­te [1].

Die von der Natu­ral­par­tei ver­säum­te Beru­fungs­frist – und das Gebot eines fai­ren Verfahrens

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung war ein Zivil­ge­richt bis zum Inkraft­tre­ten des § 232 ZPO am 1.01.2014 nicht gehal­ten, eine nicht anwalt­lich ver­tre­te­ne Pro­zess­par­tei nach Erlass einer für sie nach­tei­li­gen Ent­schei­dung über die Rechts­be­helfs­mög­lich­kei­ten und deren Erfor­der­nis­se zu unterrichten.

Viel­mehr war es Sache der Par­tei, sich nach Form und Frist der Anfech­tung zu erkun­di­gen [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Okto­ber 2014 – IX ZB 63/​13

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 04.07.2002 – V ZB 16/​02, BGHZ 151, 221, 227 f; vom 13.05.2003 – VI ZB 76/​02, VersR 2003, 1458, 1459; vom 13.09.2005 – VI ZB 19/​05, NJW-RR 2005, 1726, 1727[]
  2. vgl. BVerfG, NJW 1995, 3173, 3175; BGH, Beschluss vom 19.03.1997 – XII ZB 139/​96, NJW 1997, 1989; vom 13.09.2005, aaO; Münch-Komm-ZPO/­Gehr­lein, 4. Aufl., § 233 Rn. 33; Musielak/​Grandel, ZPO, 11. Aufl., § 233 Rn. 43[]