Die Wei­ter­bil­dung eines Arz­tes

Ver­säumt es ein Arzt, sich regel­mä­ßig z.B. mit Hil­fe von Fach­zeit­schrif­ten fort­zu­bil­den und neue wis­sen­schaft­lich gesi­cher­te Erkennt­nis­se zeit­nah in sei­ne Arbeit ein­zu­be­zie­hen, kann das zu einem Behand­lungs­feh­ler und Schmer­zens­geld­an­sprü­chen füh­ren.

Die Wei­ter­bil­dung eines Arz­tes

So die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Pati­en­tin, die eine Über­empind­lich­keit gegen die übli­chen Nar­ko­se­mit­tel hat, deren Aus­wir­kun­gen (Übel­keit) durch einen neu­en Wirk­stoff gemil­dert wer­den kön­nen. Die damals 46-jäh­ri­ge Klä­ge­rin hat­te sich im März 2005 in einem Main­zer Kran­ken­haus einem gynä­ko­lo­gi­schen Ein­griff unter­zie­hen müs­sen. Vor der Ope­ra­ti­on hat­te sie dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie die übli­chen Nar­ko­se­mit­tel nicht ver­tra­ge. Infol­ge der Intu­ba­ti­ons­nar­ko­se litt sie im Anschluss an die Ope­ra­ti­on drei Tage an hef­ti­ger Übel­keit mit Erbre­chen. Wegen die­ser und ande­rer Ope­ra­ti­ons­fol­gen klag­te sie gegen das Kran­ken­haus und den ope­rie­ren­den Arzt auf Schmer­zens­geld. Das Land­ge­richt Mainz wies die Kla­ge ab. Dage­gen hat die Klä­ge­rin Beru­fung ein­ge­legt.

Das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz führ­te in sei­ner Urteils­be­grün­dung aus, dass es zwar weder einen Auf­klä­rungs­feh­ler noch einen Behand­lungs­feh­ler bei der kon­kre­ten Ope­ra­ti­on fest­stel­len konn­te und des­halb die Kla­ge gegen den ope­rie­ren­den Arzt auch vom Ober­lan­des­ge­richt abge­wie­sen wur­de. Jedoch sei die Anäs­the­sie nicht mit der erfor­der­li­chen Sorg­falt durch­ge­führt wor­den, daher haf­te das eben­falls beklag­te Kran­ken­haus auf Schmer­zens­geld. Wegen der bekann­ten Über­emp­find­lich­keit gegen die übli­chen Nar­ko­se­mit­tel hät­te der Klä­ge­rin ein wei­te­res, die Übel­keit min­dern­des oder gar völ­lig unter­drü­cken­des Medi­ka­ment ver­ab­reicht wer­den müs­sen.

Dass die­ser Wirk­stoff die Beschwer­den lin­de­re, sei mit wis­sen­schaft­lich gesi­cher­ten Erkennt­nis­sen bereits im Jah­re 2004 in einer aner­kann­ten Fach­zeit­schrift ver­öf­fent­licht wor­den. Dem Anäs­the­sis­ten hät­te daher im März 2005 bekannt sein müs­sen, dass die Gabe eines drit­ten Medi­ka­ments erfor­der­lich gewe­sen sei. Die Zeit­span­ne zwi­schen Publi­ka­ti­on und Ope­ra­ti­on sei so lang, dass das Ver­säum­nis als gro­ber Behand­lungs­feh­ler zu wer­ten sei. Dem­nach hät­te das Kran­ken­haus nach­wei­sen müs­sen, dass die Übel­keit auch mit dem Medi­ka­ment ein­ge­tre­ten wäre. Da die­ser Nach­weis nicht geführt wur­de, ver­ur­teil­te das Ober­lan­des­ge­richt das Kran­ken­haus zur Zah­lung des Schmer­zens­gel­des in Höhe von 1.000,- €.

Ober­lan­des­ge­richt Koblenz, Urteil vom 20. Juni 2012 – 5 U 1450/​11