Die Wer­bung für ein Zahn­ge­sund­heits­pro­gramm

Wird im Inter­net für zahn­ärzt­li­che Leis­tun­gen gewor­ben, die "deutsch­land­weit" als "das ein­zi­ge Voll­pro­gramm" bezeich­net wer­den, ist die Wer­bung irre­üh­rend, wenn nicht alle über die gesetz­li­che Regel­ver­sor­gung hin­aus­ge­hen­den zahn­ärzt­li­chen Leis­tun­gen abge­deckt wer­den.

Die Wer­bung für ein Zahn­ge­sund­heits­pro­gramm

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren die Wer­be­aus­sa­ge einer Fir­ma aus Essen als irre­füh­rend unter­sagt und inso­weit ein erst­in­stanz­li­ches Urteil des Land­ge­richts Essen bestä­tigt. Sowohl die kla­gen­de Fir­ma aus Düs­sel­dorf und die beklag­te Fir­ma aus Essen bie­ten Manage­ment­dienst­leis­tun­gen im Gesund­heits­we­sen an. Sie ver­mit­teln Zahn­pa­ti­en­ten aus den mit ihnen koope­rie­ren­den gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­run­gen zahn­ärzt­li­che Leis­tun­gen, die von der gesetz­li­chen Regel­ver­sor­gung nicht umfasst sind und des­we­gen vom Pati­en­ten regel­mä­ßig selbst bezahlt wer­den müs­sen. Die Beklag­te bewarb das von ihr ange­bo­te­ne Zahn­ge­sund­heits­pro­gramm im Inter­net u.a. mit fol­gen­der Aus­sa­ge:

"Es ist deutsch­land­weit das ein­zi­ge Voll­pro­gramm, bei dem Sie umfang­rei­che Leis­tun­gen zur Zahn­vor­sor­ge (PZR, Kin­der­pro­phy­la­xe), Zahnerhal­tung (Kunst­stoff­fül­lun­gen), für Zahn­ersatz (Kro­nen, Brü­cken, Pro­the­sen) und für Implan­ta­te (auch Kno­chen­auf­bau und Sinus­lift) erhal­ten."

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm zunächst fest­ge­stellt, dass die Wer­bung mit den Mit­glie­dern der Part­ner-Kran­ken­kas­sen der Beklag­ten das all­ge­mei­ne Publi­kum anspre­che, wel­ches an zahn­ärzt­li­chen Leis­tun­gen inter­es­siert sei, die nicht zur gesetz­li­chen Regel­ver­sor­gung gehör­ten.

Der so ange­spro­che­ne Ver­brau­cher wer­de, so die Senats­ent­schei­dung, durch die Wer­be­aus­sa­ge der Beklag­ten irre­ge­führt, weil er den Ein­druck ver­mit­telt bekom­me, das als "Voll­pro­gramm" bezeich­ne­te Zahn­ge­sund­heits­pro­gramm der Beklag­ten decke alle über die gesetz­li­che Regel­ver­sor­gung hin­aus­ge­hen­den zahn­ärzt­li­chen Leis­tun­gen ab. Tat­säch­lich erfas­se das Zahn­ge­sund­heits­pro­gramm der Beklag­ten nicht alle zahn­ärzt­li­chen Leis­tun­gen in die­sem Sin­ne, son­dern klam­me­re mit kon­ser­vie­rend-chir­ur­gi­schen Leis­tun­gen und Rönt­gen­leis­tun­gen wesent­li­che Leis­tun­gen aus.

Der ange­spro­che­nen Ver­brau­cher ver­ste­he die Wer­be­aus­sa­ge der Beklag­ten zudem so, dass das Zahn­ge­sund­heits­pro­gramm der Beklag­ten das ein­zi­ge Zahn­ge­sund­heits­pro­gramm sei, das die von der Beklag­ten im Ein­zel­nen auf­ge­führ­ten Leis­tun­gen beinhal­te. Auch die­se Allein­stel­lungs­be­haup­tung der Beklag­ten sei unzu­tref­fend, weil es nach dem glaub­haf­ten Vor­trag der Klä­ge­rin zumin­dest ein wei­te­res Zahn­pro­gramm eines ande­ren Anbie­ters mit dem von der Beklag­ten ange­bo­te­nen Leis­tungs­um­fang gebe.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2013 – 4 U 64/​13