Die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft, ihre Gemein­schafts­ord­nung – und die ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung

Die (ggf. ergän­zen­de) Aus­le­gung der Gemein­schafts­ord­nung hat Vor­rang vor einer Anpas­sung gemäß § 10 Abs. 2 Satz 3 WEG.

Die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft, ihre Gemein­schafts­ord­nung – und die ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung

Nach § 10 Abs. 2 Satz 3 WEG kann jeder Woh­nungs­ei­gen­tü­mer eine vom Gesetz abwei­chen­de Ver­ein­ba­rung oder die Anpas­sung einer Ver­ein­ba­rung ver­lan­gen, soweit ein Fest­hal­ten an der gel­ten­den Rege­lung aus schwer­wie­gen­den Grün­den unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­fal­les, ins­be­son­de­re der Rech­te und Inter­es­sen der ande­ren Woh­nungs­ei­gen­tü­mer, unbil­lig erscheint. Zweck der Rege­lung ist die Besei­ti­gung unbil­li­ger Här­ten bei dem die Ände­rung ver­lan­gen­den Woh­nungs­ei­gen­tü­mer, die die­sem bei einem Fest­hal­ten an der bis­he­ri­gen Rege­lung ent­stün­den 1.

Für die hier ver­lang­te Anpas­sung der Gemein­schafts­ord­nung ist aber kein Raum, wenn bereits deren Aus­le­gung die ange­streb­te Rege­lung ergibt. Die (ggf. ergän­zen­de 2) Aus­le­gung der Gemein­schafts­ord­nung hat Vor­rang vor einer Anpas­sung gemäß § 10 Abs. 2 Satz 3 WEG 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Ver­sä, umnis­ur­teil vom 13. Mai 2016 – V ZR 152/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 11.06.2010 – V ZR 174/​09, BGHZ 186, 34 Rn.19[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 07.10.2004 – V ZB 22/​04, BGHZ 160, 354, 362[]
  3. vgl. Timme/​Dötsch, WEG, 2. Aufl., § 10 Rn. 304; Jen­ni­ßen, Die Ver­wal­ter­ab­rech­nung nach dem WEG, 7. Aufl., Rn. 93, 100; LG Nürn­berg-Fürth, NJOZ 2010, 2223, 2224; BT-Drs. 16/​887, S.19[]