Die Zah­lung auf eine Zwangs­si­che­rungs­hy­po­thek – und ihre Rück­for­de­rung

Zahlt der Schuld­ner, um einer dro­hen­den Zwangs­voll­stre­ckung zuvor­zu­kom­men, ist ein Rück­for­de­rungs­an­spruch gemäß § 813 Abs. 1 Satz 1 BGB nicht durch § 214 Abs. 2 Satz 1 BGB aus­ge­schlos­sen.

Die Zah­lung auf eine Zwangs­si­che­rungs­hy­po­thek – und ihre Rück­for­de­rung

Der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer, der zum Zwe­cke der Abwen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung eine auf sei­nem Grund­stück las­ten­de, eine frem­de Schuld sichern­de Zwangs­si­che­rungs­hy­po­thek ablöst, kann sei­ne Leis­tung von dem Gläu­bi­ger im Wege einer Berei­che­rungs­kla­ge nur inso­weit zurück­ver­lan­gen, als der Voll­stre­ckungs­schuld­ner im Zeit­punkt der Ablö­sung mit der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge selbst Ein­wen­dun­gen gegen den gesi­cher­ten Anspruch hät­te vor­brin­gen kön­nen [1].

Die vom Grund­stücks­ei­gen­tü­mer gegen­über der Gläu­bi­ge­rin erbrach­ten Zah­lun­gen stel­len eine Leis­tung des Grund­stücks­ei­gen­tü­mers auf die Siche­rungs­hy­po­the­ken und nicht des Voll­stre­ckungs­schuld­ners auf die per­sön­li­che Dar­le­hens­ver­bind­lich­keit dar. Der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer hat gegen­über der Gläu­bi­ge­rin einen eige­nen, auf die ding­li­che Haf­tung des Grund­stücks bezo­ge­nen Leis­tungs­zweck ver­folgt, näm­lich die Abwen­dung des Ver­lusts sei­nes Grund­stücks durch die von der Gläu­bi­ge­rin betrie­be­ne Zwangs­ver­stei­ge­rung (§§ 1147, 1142 BGB). Mit Rück­sicht auf die stren­ge Akzess­orie­tät einer Siche­rungs­hy­po­thek (§ 1184 BGB) wären die Zah­lun­gen dann ohne recht­li­chen Grund im Sin­ne des § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB erfolgt, wenn bei ihrer Vor­nah­me die den Zwangs­hy­po­the­ken zugrun­de lie­gen­den For­de­run­gen aus der per­sön­li­chen Haf­tungs­über­nah­me für den Grund­schuld­be­trag auf­grund von Leis­tun­gen auf die Grund­schuld bereits erfüllt waren.

Dem Berei­che­rungs­an­spruch steht § 817 Satz 2 BGB nicht ent­ge­gen. Nach die­ser Vor­schrift ist eine Rück­for­de­rung aus­ge­schlos­sen, wenn dem Leis­ten­den ein Gesetz- oder Sit­ten­ver­stoß zur Last fällt. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind hier nicht erfüllt. Der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer hat mit der Zah­lung an die Gläu­bi­ge­rin sein Befrie­di­gungs­recht gem. § 1142 BGB wahr­ge­nom­men. Damit hat er weder gegen ein gesetz­li­ches Ver­bot noch gegen die guten Sit­ten ver­sto­ßen.

Der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer kann den gel­tend gemach­ten Rück­zah­lungs­an­spruch aber nicht auf sol­che Ein­wän­de stüt­zen, mit denen der Voll­stre­ckungs­schuld­ner gem. § 767 Abs. 2 und 3 ZPO aus­ge­schlos­sen wäre.

Durch den Erwerb des mit den Zwangs­si­che­rungs­hy­po­the­ken belas­te­ten Grund­stücks von dem Voll­stre­ckungs­schuld­ner ist die (neue) Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin des­sen ding­li­che Rechts­nach­fol­ge­rin gewor­den. Begehrt der Gläu­bi­ger der Siche­rungs­hy­po­thek gegen­über dem neu­en Eigen­tü­mer aus dem ding­li­chen Recht die Dul­dung der Zwangs­voll­stre­ckung in das belas­te­te Grund­stück (§ 1147 BGB), ste­hen die­sem nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gegen den titu­lier­ten Anspruch, der der Zwangs­hy­po­thek zugrun­de liegt, nur die Ein­wen­dun­gen zu, die sein Rechts­vor­gän­ger, der Voll­stre­ckungs­schuld­ner, gehabt hät­te; denn er soll als des­sen Rechts­nach­fol­ger nicht bes­ser ste­hen als jener. Daher kann der neue Eigen­tü­mer, der den Voll­stre­ckungs­gläu­bi­ger vom Zugriff auf den voll­stre­ckungs­be­fan­ge­nen Gegen­stand des­halb aus­schlie­ßen will, weil der im voll­streck­ba­ren Titel – bzw. hier in den voll­streck­ba­ren Urkun­den – fest­ge­stell­te Anspruch nicht (mehr) bestehe, gegen den Anspruch selbst nur die Ein­wen­dun­gen erhe­ben, die der Voll­stre­ckungs­schuld­ner je nach Art des voll­streck­ba­ren Titels gemäß § 767 Abs. 2 ZPO oder § 794 Abs. 1 Nr. 4, §§ 795, 796 Abs. 2 ZPO oder § 794 Abs. 1 Nr. 5, §§ 795, 797 Abs. 4, 767 Abs. 1 und 3 ZPO im Wege der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge vor­brin­gen könn­te [2].

Aus § 1137 Abs. 2 BGB ergibt kein ande­res Ergeb­nis. Nach die­ser Norm ver­liert der Eigen­tü­mer, der nicht der per­sön­li­che Schuld­ner ist, eine Ein­re­de nicht dadurch, dass der Schuld­ner auf sie ver­zich­tet. Die Vor­schrift betrifft das mate­ri­el­le Recht. Ob und wel­che mate­ri­ell­recht­li­chen Ein­wen­dun­gen der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer noch gel­tend machen kann, wenn der Gläu­bi­ger über einen voll­streck­ba­ren Titel ver­fügt, der ihm die Voll­stre­ckung aus der Hypo­thek gestat­tet, rich­tet sich dem­ge­gen­über nach pro­zes­sua­len Vor­schrif­ten, ins­be­son­de­re nach § 767 ZPO.

Der Grund­satz, dass dem ding­li­chen Rechts­nach­fol­ger gegen den der Zwangs­hy­po­thek zugrun­de lie­gen­den titu­lier­ten Anspruch nur die Abwehr­rech­te zuste­hen, die sein Rechts­vor­gän­ger gehabt hät­te, gilt auch dann, wenn der neue Eigen­tü­mer nach Been­di­gung der gegen ihn durch­ge­führ­ten Zwangs­voll­stre­ckung gegen den Gläu­bi­ger mit einer „ver­län­ger­ten Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge“ [3] einen Berei­che­rungs­an­spruch wegen angeb­lich zu Unrecht voll­streck­ter Beträ­ge gel­tend macht. Denn nach Been­di­gung der Zwangs­voll­stre­ckung setzt die mate­ri­ell­recht­li­che Berei­che­rungs­kla­ge ledig­lich die recht­li­chen Mög­lich­kei­ten der Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge fort [4]. Daher unter­liegt eine sol­che Berei­che­rungs­kla­ge den­sel­ben Ein­schrän­kun­gen, denen eine Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge unter­le­gen wäre. Dar­aus folgt, dass der neue Eigen­tü­mer als ding­li­cher des Voll­stre­ckungs­schuld­ners einen berei­che­rungs­recht­li­chen Rück­for­de­rungs­an­spruch hin­sicht­lich der voll­streck­ten oder zur Abwen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung geleis­te­ten Beträ­ge nicht auf sol­che Ein­wän­de stüt­zen kann, die im Ver­hält­nis zwi­schen dem Voll­stre­ckungs­schuld­ner und dem Voll­stre­ckungs­gläu­bi­ger aus­ge­schlos­sen sind.

Daher kommt es hier dar­auf an, ob der Voll­stre­ckungs­schuld­ner in einer Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge den Ver­jäh­rungs- bzw. Erfül­lungs­ein­wand im Zeit­punkt der Zah­lung des Grund­stücks­ei­gen­tü­mers noch hät­te erhe­ben kön­nen. Nur dann dürf­te sich auch der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer hier­auf beru­fen.

Da der Voll­stre­ckungs­schuld­ner gegen die Voll­stre­ckung der Gläu­bi­ge­rin aus den fünf nota­ri­el­len Urkun­den bereits eine Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge erho­ben hat­te, die rechts­kräf­tig abge­wie­sen wor­den war, ist in einem spä­te­ren Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge­ver­fah­ren § 767 Abs. 2 ZPO anzu­wen­den mit der Fol­ge, dass der Voll­stre­ckungs­schuld­ner mit sol­chen Ein­wen­dun­gen aus­ge­schlos­sen ist, die er in dem frü­he­ren Ver­fah­ren (rein zeit­lich-objek­tiv) hät­te gel­tend machen kön­nen [5]. Eine neue Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge kann er also nicht mit sol­chen Ein­wen­dun­gen begrün­den, die er in der frü­he­ren Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge spä­tes­tens bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung des Tat­sa­chen­rechts­zu­ges gel­tend zu machen imstan­de war [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Juli 2013 – V ZR 141/​12

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 19.11.1987 – IX ZR 251/​86, NJW 1988, 828[]
  2. BGH, Urteil vom 19.11.1987 – IX ZR 251/​86, NJW 1988, 828, 829[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 02.04.2001 – II ZR 331/​99, NJW-RR 2001, 1450, 1451[]
  4. BGH, Urteil vom 17.02.1982 – IVb ZR 657/​80, BGHZ 83, 278, 280; Urteil vom 07.07.2005 – VII ZR 351/​03, BGHZ 163, 339, 341 f.[]
  5. BGH, Urteil vom 21.05.1973 – II ZR 22/​72, BGHZ 61, 25, 26 ff.; Urteil vom 17.04.1986 – III ZR 246/​84, NJW-RR 1987, 59[]
  6. BGH, Urteil vom 06.02.1967 – VIII ZR 24/​66, MDR 1967, 586; Urteil vom 28.05.1991 – IX ZR 181/​90, NJW 1991, 2280, 2281[]