Die Zulas­sung eines unzu­läs­si­gen Beschwer­de

Die Rege­lung des § 33 Abs. 4 Satz 3 RVG, wonach eine Beschwer­de an einen obers­ten Gerichts­hof des Bun­des nicht statt­fin­det, ist gegen­über einer vom Ober­lan­des­ge­richt zuge­las­se­nen – und das Beschwer­de­ge­richt nach § 33 Abs. 4 Satz 4 Halb­satz 1 RVG (sie­he auch § 574 Abs. 3 Satz 2 ZPO) bin­den­de – Beschwer­de vor­ran­gig und kann durch die Zulas­sung nicht über­spielt wer­den.

Die Zulas­sung eines unzu­läs­si­gen Beschwer­de

Eine Ent­schei­dung, die von Geset­zes wegen der Anfech­tung ent­zo­gen ist, bleibt auch bei einer – irri­gen – Zulas­sung nicht anfecht­bar 1.

Dies ent­spricht der Rechts­la­ge bezüg­lich der ent­spre­chen­den Rege­lun­gen im Gerichts­kos­ten­ge­setz 2.

Die der zitier­ten Recht­spre­chung wider­spre­chen­de Auf­fas­sung, § 33 Abs. 4 Satz 3 RVG bezie­he sich nur auf die Beschwer­de nach § 33 Abs. 3 RVG, nicht aber auf eine Rechts­be­schwer­de nach § 574 ZPO, ist unzu­tref­fend. Zunächst ist vom Wort­laut her auch eine Rechts­be­schwer­de eine Beschwer­de. Nach § 33 Abs. 3 Satz 1 und 2 RVG ist im Übri­gen eine Beschwer­de zuläs­sig, wenn ent­we­der der Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands 200 € über­steigt oder wenn sie das Aus­gangs­ge­richt wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung zulässt. Ist aller­dings Beschwer­de­ge­richt ein obers­ter Gerichts­hof, ist die Beschwer­de nach § 33 Abs. 4 Satz 3 RVG unzu­läs­sig bezie­hungs­wei­se eine Zulas­sung unstatt­haft. Wür­de man der gegen­tei­li­gen Auf­fas­sung Streit­hel­fe­rin fol­gen, wonach § 33 Abs. 4 Satz 3 RVG die Zuläs­sig­keit einer vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­nen Rechts­be­schwer­de nicht aus­schließt, käme man zu dem wider­sprüch­li­chen Ergeb­nis, dass im Fall des § 33 Abs. 3 Satz 2 RVG nach der spe­zi­el­len Rege­lung des § 33 Abs. 4 Satz 3 RVG eine Zulas­sung der Beschwer­de trotz Grund­satz­be­deu­tung an den Bun­des­ge­richts­hof nicht statt­haft ist, gleich­zei­tig nach der all­ge­mei­nen Rege­lung in § 574 Abs. 2 Nr. 1 ZPO eine Zulas­sung aber mög­lich wäre. Der Gesetz­ge­ber woll­te aber mit § 33 Abs. 4 Satz 3 RVG auch die Rechts­be­schwer­de aus­schlie­ßen. § 33 Abs. 4 RVG ist an die Rege­lung in § 66 Abs. 3 GKG ange­passt 3. § 66 Abs. 3 Satz 3 GKG ent­spricht § 5 Abs. 2 Satz 3 GKG a.F. 4. Die durch Art. 32 Nr. 1 Buchst. a des ZPO-Reform­ge­set­zes vom 27.07.2001 5 neu gefass­te Bestim­mung des § 5 Abs. 2 Satz 3 GKG a.F. ("Eine Beschwer­de an einen obers­ten Gerichts­hof des Bun­des fin­det nicht statt.") "schließt auch die Rechts­be­schwer­de aus, weil für die Ent­schei­dung hier­über der Bun­des­ge­richts­hof zustän­dig sein soll" 6. Fol­ge­rich­tig wur­de bereits im Anwen­dungs­be­reich des § 5 Abs. 2 Satz 3 GKG a.F. eine Rechts­be­schwer­de als nicht statt­haft ange­se­hen, auch wenn das Aus­gangs­ge­richt sie zuge­las­sen hat­te 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Okto­ber 2016 – III ZB 17/​16

  1. vgl. nur BGH, Beschluss vom 09.06.2010 – XII ZB 75/​10, NJW-RR 2011, 142 Rn. 4 f zu § 56 Abs. 2 Satz 1 iVm § 33 Abs. 4 Satz 3 RVG; sie­he auch OLG Köln, Jur­Bü­ro 2012, 651, 652 a.E.; Bischof, RVG, 6. Aufl., § 33 Rn. 44; Mül­ler-Rabe/Bur­hoff in Gerold/​Schmidt, RVG, 22. Aufl., § 56 Rn. 33; Schneider/​Thiel in Anwalt­kom­men­tar RVG, 7. Aufl., § 33 Rn. 147, § 56 Rn. 45, 51[]
  2. sie­he zu § 66 Abs. 3 Satz 3 bzw. § 68 Abs. 1 Satz 5 GKG: BGH, Beschlüs­se vom 06.10.2009 – VI ZB 18/​08 4; und vom 18.04.2013 – I ZB 77/​12 10, 14[]
  3. vgl. BT-Drs. 15/​1971, S.196[]
  4. vgl. BT-Drs. 15/​1971, S. 157[]
  5. BGBl. I 1887, 1916[]
  6. so aus­drück­lich BT-Drs. 14/​4722 S. 139[]
  7. vgl. nur BGH, Beschluss vom 01.10.2002 – IX ZB 271/​02, NJW 2003, 70[]