Die zur Abwen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung erteil­te Aus­kunft

Eine Aus­kunft, die zur Abwen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung erteilt wird, stellt kei­ne Erfül­lung im Sin­ne von § 362 BGB dar1.

Die zur Abwen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung erteil­te Aus­kunft

Der Anspruch des Pflichtt­teils­be­rech­tig­ten auf (wei­te­re) Aus­kunft über die drei streit­ge­gen­ständ­li­chen Stif­tun­gen ist nicht dadurch gemäß § 362 BGB (teil­wei­se) erlo­schen, dass die Erben im Rah­men der vom Pflicht­teils­be­rech­tig­ten auf Grund­la­ge des ange­foch­te­nen Teil­ur­teils ein­ge­lei­te­ten Zwangs­voll­stre­ckung, näm­lich nach Stel­lung des Zwangs­geld­an­trags des Pflichtt­teils­be­rech­tig­ten vom 23.04.2014, (teil­wei­se) die begehr­ten Aus­künf­te erteilt und die jewei­li­gen Stif­tungs­sta­tu­ten vor­ge­legt haben. Denn die Erbrin­gung einer Leis­tung zwecks Abwen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung aus einem nur für vor­läu­fig voll­streck­ba­ren Titel stellt kei­ne Erfül­lung im Sin­ne des § 362 BGB dar. Das gilt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs auch für unter dem Druck der Zwangs­voll­stre­ckung erteil­te Aus­künf­te2.

Der ent­ge­gen­ste­hen­den Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Köln gemäß des­sen Urteil vom 10.02.20103 schließt sich das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he nicht an. In dem genann­ten Urteil führt das Ober­lan­des­ge­richt Köln aus, der Grund­satz, dass eine Leis­tung zur Abwen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung kei­ne Erfül­lung im Sin­ne von § 362 BGB dar­stel­le, beru­he auf der Über­le­gung, dass bei einer der­ar­ti­gen Leis­tung stets ein Vor­be­halt des Schuld­ners anzu­neh­men sei, die Leis­tung wie­der zurück­zu­for­dern, soll­te das der Zwangs­voll­stre­ckung zu Grun­de lie­gen­de Urteil im wei­te­ren Pro­zess­ver­lauf auf­ge­ho­ben wer­den. Ein sol­cher Vor­be­halt kom­me bei Ertei­lung einer Aus­kunft jedoch natur­ge­mäß nicht in Betracht. Sei Aus­kunft erst ein­mal erteilt, so stün­den die mit­ge­teil­ten Tat­sa­chen auch im Wis­sen des Gläu­bi­gers und könn­ten nicht mehr zurück­ge­for­dert wer­den. Hier­aus fol­ge, dass einer­seits die still­schwei­gen­de oder aus­drück­li­che Erklä­rung eines Rück­for­de­rungs­vor­be­halts auf Sei­ten des Schuld­ners bei Aus­kunfts­er­tei­lung zweck­los sei. Ande­rer­seits bestehe auch auf Sei­ten des Gläu­bi­gers nach Erhalt der Aus­kunft kein erkenn­ba­res Inter­es­se mehr an einer rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung als cau­sa für das Behal­ten­dür­fen der Leis­tung. Dem ver­blei­ben­den Kos­ten­in­ter­es­se der Par­tei­en kön­ne auch nach ein­sei­ti­ger oder über­ein­stim­men­der Erle­di­gungs­er­klä­rung der Par­tei­en durch eine ent­spre­chen­de gericht­li­che Kos­ten­ent­schei­dung Rech­nung getra­gen wer­den. Etwas ande­res möge für die einer Aus­kunft bei­gefüg­ten Bele­ge gel­ten; da es sich hier­bei um kör­per­li­che Sachen han­de­le, käme eine Rück­for­de­rung jeden­falls in Betracht.

Die­se Erwä­gun­gen über­zeu­gen das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he aus fol­gen­den Grün­den nicht:

Die Aus­kunft ist eine Wis­sens­er­klä­rung, die grund­sätz­lich schrift­lich erteilt wer­den muss4. Die Pflicht zur Aus­kunfts­er­tei­lung nach § 2314 BGB kann nur durch Vor­la­ge eines Bestands- oder Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses erfüllt wer­den. Mit­hin erschöpft sich die Pflicht zur Aus­kunfts­er­tei­lung nicht in einer blo­ßen Wis­sens­mit­tei­lung, son­dern ent­hält auch die Pflicht zur Über­ga­be eines Schrift­stücks, also einer kör­per­li­chen Sache, die zurück­ge­for­dert wer­den kann. Die schrift­lich ver­kör­per­te Erklä­rung des Schuld­ners ist ins­be­son­de­re auch im Ver­fah­ren über die Abga­be der eides­statt­li­che Ver­si­che­rung der maß­geb­li­che Bezugs­punkt. Denn dass der zur Aus­kunft Ver­pflich­te­te den Bestand gemäß dem über­ge­be­nen Ver­zeich­nis nach bes­tem Wis­sen voll­stän­dig ange­ge­ben habe, ist gera­de Gegen­stand der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung. Es kommt des­halb nicht allein dar­auf an, dass das ein­mal erlang­te Wis­sen aus einer erteil­ten Aus­kunft nicht zurück­ge­for­dert wer­den kann.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Köln hat der Gläu­bi­ger eines Aus­kunfts­an­spruchs auch nach Erhalt der Aus­kunft noch ein schutz­wür­di­ges Inter­es­se an einer rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung über das Bestehen sei­nes Aus­kunfts­an­spruchs. Denn ohne eine sol­che rechts­kräf­ti­ge Ent­schei­dung könn­te der Schuld­ner des Aus­kunfts­an­spruchs die Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung, sofern der Aus­kunfts­be­rech­tig­te eine sol­che ver­langt, schon mit der Begrün­dung ver­wei­gern, er sei bereits zur Aus­kunfts­er­tei­lung nicht ver­pflich­tet gewe­sen und somit auch nicht zur Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung. Der Aus­kunfts­be­rech­tig­te müss­te dann im Ver­fah­ren über die Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung erneut die Vor­aus­set­zun­gen für das Bestehen sei­nes Aus­kunfts­an­spruchs dar­le­gen und ggf. bewei­sen. Das ist weder pro­zess­öko­no­misch noch dem Aus­kunfts­be­rech­tig­ten zumut­bar.

Dafür, dass der Bun­des­ge­richts­hof auch heu­te noch die sei­ner oben zitier­ten Ent­schei­dung zu Grun­de geleg­te Auf­fas­sung, der sich das Ober­lan­des­ge­richt anschließt, ver­tritt, spricht ein jün­ge­res Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs: Mit Urteil vom 14.03.20145 hat der Bun­des­ge­richts­hof unter Bezug­nah­me auf jene frü­he­re Ent­schei­dung aus dem Jahr 1985 bestä­tigt, dass eine Leis­tung, die zur Abwen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung erbracht wird, grund­sätz­lich unter dem Vor­be­halt des Rechts­kraft­ein­tritts erfol­ge und nur für die­sen Fall mate­ri­ell-recht­li­che Wir­kun­gen ent­fal­ten sol­le. Dar­an, dass Gegen­stand der betref­fen­den Ent­schei­dung ein Anspruch auf Her­aus­ga­be einer Woh­nung nach § 985 BGB war, zeigt sich, dass der Bun­des­ge­richts­hof die­sen Grund­satz nicht etwa auf Geld­leis­tun­gen beschränkt son­dern – wei­ter­hin – unab­hän­gig vom Leis­tungs­ge­gen­stand für anwend­bar hält.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 9. Dezem­ber 2014 – 8 U 187/​13

  1. im Anschluss an BGHZ 94, 268, 274; ande­rer Auf­fas­sung OLG Köln, Urteil vom 10.02.2010 -2 U 64/​09BeckRS 2010, 17323
  2. BGHZ 94, 268, 274 26
  3. OLG Köln, Urteil vom 10.02.2010 – 2 U 64/​09 – = BeckRS 2010, 17323
  4. BGH NJW 2008, 917 zu § 260 Abs. 1 BGB
  5. BGH, Urteil vom 14.03.2014 – V ZR 115/​13 – = NJW 2014, 2199
  6. im Anschluss an BGHZ 94, 268, 274; ande­rer Auf­fas­sung OLG Köln,…

    Stromkostenpauschale im Strafvollzug

    Strom­kos­ten­pau­scha­le im Straf­voll­zug Gerich­te ver­sto­ßen gegen das grund­ge­setz­lich geschütz­te Recht auf effek­ti­ven Rechts­schutz, wenn sie die Erhe­bung von Kos­ten­pau­scha­len auf Ein­griffs­nor­men stüt­zen, die eine Kos­ten­be­tei­li­gung Gefan­ge­ner an Strom- oder Betriebs­kos­ten ermög­li­chen und ihren…

    Der vorläufig vollstreckbare Herausgabeanspruch des Eigentümers - und die Erledigung des Rechtsstreits

    Der vor­läu­fig voll­streck­ba­re Her­aus­ga­be­an­spruch des… Der Besitz­ver­lust, den der Besit­zer einer Sache infol­ge einer (dro­hen­den) Zwangs­voll­stre­ckung eines auf die Her­aus­ga­be der Sache gerich­te­ten vor­läu­fig voll­streck­ba­ren Titels erlei­det, lässt den Her­aus­ga­be­an­spruch nach § 985 BGB nicht…

    Eidesstattliche Versicherung - und die erforderliche Informationsbeschaffung

    Eides­statt­li­che Ver­si­che­rung – und die erfor­der­li­che… Der zur Abga­be einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung Ver­pflich­te­te hat sich die für die Aus­kunft not­wen­di­gen Kennt­nis­se und Unter­la­gen soweit erfor­der­lich auch von Drit­ten zu beschaf­fen. Gibt die von dem Ver­pflich­te­ten abge­ge­be­ne…

    Auskunftserteilung durch Hilfspersonen

    Aus­kunfts­er­tei­lung durch Hilfs­per­so­nen Zwar ist die Aus­kunfts­er­tei­lung als Wis­sens­er­klä­rung höchst­per­sön­li­cher Natur und somit vom Ver­pflich­te­ten selbst in Per­son zu erfül­len ((BGH, Beschluss vom 28.11.2007 – XII ZB 225/​05, NJW 2008, 917 Rn. 13