Die Zustim­mung des Mie­ters zur Miet­erhö­hung – und ihr Wider­ruf

Eine Mie­te­rin ist nicht zum Wider­ruf der von ihr erklär­ten (Teil)Zustim­mung zu einer Miet­erhö­hung berech­tigt.

Die Zustim­mung des Mie­ters zur Miet­erhö­hung – und ihr Wider­ruf

Gemäß § 558 Abs. 1 Satz 1 BGB kann der Ver­mie­ter die Zustim­mung zu einer Erhö­hung der Mie­te bis zur orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­te ver­lan­gen, wenn die Mie­te seit 15 Mona­ten unver­än­dert geblie­ben ist. In dem Miet­erhö­hungs­ver­lan­gen der Ver­mie­te­rin lag dabei zugleich ein Ange­bot zum Abschluss einer Miet­erhö­hungs­ver­ein­ba­rung nach §§ 558, 558a BGB 1 über eine Mie­te von nun­mehr 456, 25 €. Die­ses Ange­bot hat die Mie­te­rin teil­wei­se ange­nom­men durch (teil­wei­se) Zustim­mung zu einer Miet­erhö­hung (§ 558b Abs. 1 BGB).

Dar­an ist die Mie­te­rin gebun­den. Der spä­ter erklär­te Wider­ruf der Teil­zu­stim­mung zu der ver­lang­ten Miet­erhö­hung ist nicht wirk­sam. Inso­weit ist der Anwen­dungs­be­reich des von der Mie­te­rin in Anspruch genom­me­nen Wider­rufs­rechts bei Fern­ab­satz­ver­trä­gen nicht eröff­net.

Zwar steht dem Ver­brau­cher auch bei im Fern­ab­satz geschlos­se­nen Ver­trä­gen über die Ver­mie­tung von Wohn­raum (§ 312 Abs. 4 Satz 1 BGB) gemäß § 312 Abs. 3 Nr. 1, 7 BGB grund­sätz­lich ein Wider­rufs­recht nach Maß­ga­be der §§ 312c, 312g Abs. 1, § 355 BGB zu. Inso­weit ist jedoch bei Ver­ein­ba­run­gen der Miet­ver­trags­par­tei­en über die Erhö­hung der Wohn­raum­mie­te bis zur orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­te (§ 558a Abs. 1, § 558b Abs. 1 BGB), wie der Bun­des­ge­richts­hof zwi­schen­zeit­lich ent­schie­den hat 2, eine Ein­schrän­kung gebo­ten.

Obwohl der Wort­sinn des § 312 Abs. 4 Satz 1 BGB auch sol­che Ver­ein­ba­run­gen erfasst, ist der Anwen­dungs­be­reich der § 312 Abs. 4 Satz 1, § 312c BGB mit Rück­sicht auf den Rege­lungs­zweck der Bestim­mun­gen über die Miet­erhö­hung bis zur orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­te und der Vor­schrif­ten über das Wider­rufs­recht des Ver­brau­chers bei Fern­ab­satz­ver­trä­gen im Wege der teleo­lo­gi­schen Reduk­ti­on ein­zu­schrän­ken. Nach die­ser Maß­ga­be ist ein Wider­rufs­recht des Ver­brau­chers bei Fern­ab­satz­ver­trä­gen im Hin­blick auf eine Zustim­mungs­er­klä­rung zu einer vom Ver­mie­ter ver­lang­ten Erhö­hung der Mie­te bis zur orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­te (§ 558a Abs. 1, § 558b Abs. 1 BGB) nicht gege­ben 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. April 2019 – VIII ZR 62/​18

  1. vgl. BGH, Urteil vom 17.10.2018 – VIII ZR 94/​17, NJW 2019, 303 Rn. 17; BGH, Beschluss vom 30.01.2018 – VIII ZB 74/​16, NZM 2018, 279 Rn. 11; jeweils mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 17.10.2018 – VIII ZR 94/​17, aaO Rn. 13, 25 ff.[]
  3. BGH, Urteil vom 17.10.2018 – VIII ZR 94/​17, aaO[]