Die Zwi­schen­ver­fü­gung des Grund­buch­am­tes – und das erfor­der­li­che neue Rechts­ge­schäft

Das Grund­buch­amt kann mit einer Zwi­schen­ver­fü­gung dem Antra­gen­den nicht den Abschluss eines Rechts­ge­schäfts auf­ge­ben, um damit ein Ein­tra­gungs­hin­der­nis zu behe­ben.

Die Zwi­schen­ver­fü­gung des Grund­buch­am­tes – und das erfor­der­li­che neue Rechts­ge­schäft

Durch den Erlass einer Zwi­schen­ver­fü­gung nach § 18 GBO sol­len dem Antrag­stel­ler der Rang und die sons­ti­gen Rechts­wir­kun­gen erhal­ten blei­ben, die sich nach dem Ein­gang des Antrags rich­ten und die durch die sofor­ti­ge Zurück­wei­sung ver­lo­ren gin­gen 1. § 18 GBO bezieht sich daher nur auf die Besei­ti­gung eines der Ein­tra­gung ent­ge­gen­ste­hen­den Hin­der­nis­ses und ist nicht anwend­bar, wenn der Man­gel des Antrags nicht mit rück­wir­ken­der Kraft geheilt wer­den kann 2. Vor die­sem Hin­ter­grund ist es nicht zuläs­sig, mit einer Zwi­schen­ver­fü­gung auf den Abschluss eines Rechts­ge­schäfts hin­zu­wir­ken, das Grund­la­ge der ein­zu­tra­gen­den Rechts­än­de­rung sein soll, weil sonst die bean­trag­te Ein­tra­gung einen ihr nicht gebüh­ren­den Rang erhiel­te 3.

Gemes­sen dar­an ist im vor­lie­gen­den Fall die Zwi­schen­ver­fü­gung unzu­läs­sig:

Nach der Ver­fü­gung des Grund­buch­amts soll das der Ein­tra­gung ent­ge­gen­ste­hen­de Hin­der­nis durch ein von der Grund­schuld­gläu­bi­ge­rin mit Zustim­mung der Eigen­tü­mer vor­zu­neh­men­des Rechts­ge­schäft beho­ben wer­den. Solan­ge die bean­trag­te Bestand­teils­zu­schrei­bung (§ 890 Abs. 2 BGB) jedoch nicht voll­zo­gen wer­den kann, sind wei­te­re Belas­tun­gen der noch recht­lich selb­stän­di­gen Woh­nungs­ei­gen­tums­rech­te – auch im Wege der Zwangs­voll­stre­ckung – mög­lich. Des­halb kann das Grund­buch­amt einem Eigen­tü­mer, der die Ein­tra­gung einer Zuschrei­bung bean­tragt, nicht im Wege einer Zwi­schen­ver­fü­gung nach § 18 GBO auf­ge­ben, das aus der Ent­ste­hung unter­schied­li­cher Belas­tun­gen begrün­de­te Ein­tra­gungs­hin­der­nis durch Auf­he­bung oder Inhalts- und Ran­gän­de­rung der Rech­te an dem zuzu­schrei­ben­den Grund­stück bzw. Woh­nungs­ei­gen­tums­recht zu besei­ti­gen. Wenn der bean­trag­ten Ein­tra­gung das Hin­der­nis einer zu besor­gen­den Ver­wir­rung im Sin­ne des § 6 GBO ent­ge­gen­stün­de, wäre ein sol­cher Antrag des Eigen­tü­mers sofort zurück­zu­wei­sen 4.

Anders wäre es nur, wenn das Grund­buch­amt den Eigen­tü­mern ledig­lich die Grün­de mit­ge­teilt hät­te, war­um es ihrem Antrag nicht statt­ge­ben kann. Sol­che Mei­nungs­äu­ße­run­gen des Grund­buch­amts sind – auch wenn sie mit der Ankün­di­gung einer beab­sich­tig­ten Zurück­wei­sung des Antrags ver­bun­den wer­den – kei­ne beschwer­de­fä­hi­gen Ent­schei­dun­gen nach § 71 GBO 5. So ver­hält es sich hier jedoch nicht, weil das Grund­buch­amt sei­ne Ver­fü­gung nicht nur als Zwi­schen­ver­fü­gung bezeich­net, son­dern den Antrag­stel­lern zugleich eine Frist zur Behe­bung des Ein­tra­gungs­hin­der­nis­ses gesetzt hat.

Hat das Beschwer­de­ge­richt die Beschwer­de gegen eine unzu­läs­si­ge Zwi­schen­ver­fü­gung zurück­ge­wie­sen, sind auf eine Rechts­be­schwer­de sei­ne Ent­schei­dung und die Zwi­schen­ver­fü­gung des Grund­buch­amts auf­zu­he­ben 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Sep­tem­ber 2013 – V ZB 152/​12

  1. BayO­bLG, NJW-RR 2004, 1533, 1534[]
  2. BGH, Beschluss vom 23.05.1958 – V ZB 12/​58, BGHZ 27, 310, 313[]
  3. BayO­bLG, NJW-RR 1991, 465, OLG Hamm, OLGR 1996, 121,122; OLG Zwei­brü­cken, FGPrax 1997, 133, 134 und 2006, 103[]
  4. vgl. OLG Hamm, Beschluss vom 28.10.1997 – 15 W 272/​97 unter II.1.a, BeckRS 1997, 31008426, inso­weit nicht in FGPrax 1998, 44 ff. und Rpfle­ger 1998, 154 ff. abge­druckt[]
  5. BGH, Beschluss vom 27.02.1980 – V ZB 28/​78, NJW 1980, 2521[]
  6. vgl. BayO­bLG, NJW-RR 1991, 465; OLG Hamm, OLGR 1996, 121, 122[]