Ding­li­che Mit­glied­schaft im Bereg­nungs­ver­band für Wein­bau­grund­stü­cke

Die ding­li­che Mit­glied­schaft eines Grund­stücks­ei­gen­tü­mers in einem Was­ser- und Boden­ver­band (hier: Bereg­nungs­ver­band für Wein­bau­grund­stü­cke) endet nach bestehen­der Rechts­la­ge auto­ma­tisch mit dem Ver­lust des Eigen­tums an allen im Ver­bands­ge­biet lie­gen­den Grund­stü­cken auch dann, wenn das Eigen­tum durch – wirk­sa­men – ein­sei­ti­gen Ver­zicht nach § 928 Abs. 1 BGB auf­ge­ge­ben wird.

Ding­li­che Mit­glied­schaft im Bereg­nungs­ver­band für Wein­bau­grund­stü­cke

In dem hier vom Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg ent­schie­de­nen Rechts­streit über die Recht­mä­ßig­keit eines Bei­tra­gesbe­schei­des eines sol­chen Bereg­nungs­ver­ban­des für Wein­bau­grund­stü­cke hat die Klä­ge­rin mit Wir­kung vom 27.02.2008 ihr Grund­ei­gen­tum an den streit­be­fan­ge­nen vier Grund­stü­cken Flst.-Nrn. …, …, … und … durch ein­sei­ti­ge ding­li­che Ver­zichts­er­klä­rung unwi­der­ruf­lich auf­ge­ge­ben (§ 928 Abs. 1 BGB). Dies hat zur Fol­ge, dass die Grund­stü­cke her­ren­los gewor­den sind, Rech­te Drit­ter und auch öffent­li­che Las­ten aber fort­be­stehen 1. Aneig­nungs­be­rech­tigt ist nur der Fis­kus des Lan­des Baden-Würt­tem­berg (§ 928 Abs. 2 BGB); nur bei des­sen Aneig­nungs­ver­zicht kön­nen Drit­te sich die Grund­stü­cke nach § 927 BGB aneig­nen 2. Mit die­ser Eigen­tums­auf­ga­be (Der­elik­ti­on) ihrer vier – ein­zi­gen ver­blie­be­nen – Grund­stü­cke im Ver­bands­ge­biet ist die Klä­ge­rin zugleich auch als Mit­glied aus dem beklag­ten Was­ser­ver­band aus­ge­schie­den, ohne dass es eines Auf­he­bungs­ver­fah­rens nach § 24 WVG bedurf­te. Dies ergibt sich aus dem Wesen der grund­stücks­be­zo­ge­nen Mit­glied­schaft, dem Wort­laut und Sys­tem des Was­ser­ver­bands­ge­set­zes und wird mit Blick auf die Vor­gän­ger­re­ge­lun­gen in der Ers­ten Was­ser­ver­bands­ver­ord­nung von 1937 in der bis zum 30.04.1991 gel­ten­den Fas­sung – künf­tig: WVVO – bestä­tigt.

Nach dem Sys­tem des Was­ser­ver­bands­ge­set­zes kommt dem Eigen­tum an Ver­bands­grund­stü­cken aus­schlag­ge­ben­de Bedeu­tung zu. Ver­bands­mit­glie­der eines Was­ser- und Boden­ver­bands kön­nen nach § 22 WVG nur „Betei­lig­te“ sein. Als Betei­lig­te kom­men nach § 8 WVG nur die im Kata­log des § 4 Abs. 1 WVG abschlie­ßend auf­ge­führ­ten natür­li­chen oder juris­ti­schen Per­so­nen in Betracht, deren wich­tigs­te Grup­pe die „jewei­li­gen“ Eigen­tü­mer von Grund­stü­cken und Anla­gen sind (§ 4 Abs. 1 Nr. 1 WVG, ding­li­che Mit­glie­der oder Real­mit­glie­der). Beim Was­ser­ver­band des Beklag­ten ist die Mit­glied­schaft sogar aus­schließ­lich auf die­se Grup­pe der „jewei­li­gen Eigen­tü­mer der im Mit­glie­der­ver­zeich­nis auf­ge­führ­ten Grund­stü­cke (ding­li­che Mit­glie­der)“ beschränkt (§ 2 Abs. 1 WVS). Die Betei­lig­ten­ei­gen­schaft erfor­dert nach § 8 Abs. 1 Nr. 1 WVG fer­ner , dass die in § 4 auf­ge­führ­ten Per­so­nen­grup­pen „aus der Durch­füh­rung der Ver­bands­auf­ga­be einen Vor­teil haben oder zu erwar­ten haben“ (§ 8 Abs. 1 Nr. 1 WVG), wobei als Vor­teil auch die Mög­lich­keit aus­reicht, Maß­nah­men des Ver­bands zweck­mä­ßig oder wirt­schaft­lich zu nut­zen (§ 8 Abs. 2 WVG). Die Mit­glied­schaft in einem Was­ser- und Boden­ver­band besteht mit­hin aus einer objek­tiv-ding­li­chen Kom­po­nen­te (Eigen­tum an Ver­bands­grund­stü­cken, § 4 WVG) sowie einem sub­jek­tiv-per­so­nen­be­zo­ge­nen Ele­ment (Vor­teil, § 8 WVG). Inso­weit wird das Sys­tem der 1. Was­ser­ver­bands­ver­ord­nung fort­ge­führt 3. Ihm ent­nimmt der Senat, dass das Grund­stücks­ei­gen­tum unver­zicht­ba­res Sub­strat der Mit­glied­schaft ist, wäh­rend Mit­glied­schaft und Vor­teil aus­ein­an­der­fal­len kön­nen. Die­se Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen der ding­li­chen und der per­so­na­len Kom­po­nen­te für den Bestand der Ver­bands­mit­glied­schaft bringt auch § 24 WVG klar zum Aus­druck. Danach blei­ben Ver­bands­mit­glie­der, deren Vor­teil aus der Durch­füh­rung der Ver­bands­auf­ga­be (sub­jek­ti­ves Mit­glied­schafts­ele­ment) ent­fällt, noch Mit­glie­der und kön­nen „nur“ die Auf­he­bung der Mit­glied­schaft ver­lan­gen (§ 24 Abs. 1 Satz 1 WVG). Einen ent­spre­chen­den Auf­he­bungs­an­spruch bei Weg­fall des Eigen­tums als wich­tigs­ter objek­ti­ver ding­li­cher Mit­glied­schafts­vor­aus­set­zung sieht § 24 Abs. 1 WVG hin­ge­gen nicht vor. Der Gesetz­ge­ber hielt dies ersicht­lich für ent­behr­lich, weil er in sol­chen Fäl­len von der auto­ma­ti­schen Mit­glied­schafts­be­en­di­gung aus­ging.

Für den kon­sti­tu­ti­ven Zusam­men­hang zwi­schen Grund­ei­gen­tum und Ver­bands­mit­glied­schaft spricht auch § 22 WVG. Danach wer­den auch die (gesetz­li­chen oder rechts­ge­schäft­li­chen) Rechts­nach­fol­ger von ding­li­chen Mit­glie­dern auto­ma­tisch Ver­bands­mit­glie­der, ohne dass es eines förm­li­chen Begrün­dungs­akts bedarf 4; gleich­zei­tig schei­den die Rechts­vor­gän­ger auto­ma­tisch aus dem Ver­band aus, ihre Mit­glied­schaft erlischt. Ein auto­ma­ti­scher Mit­glied­schafts­wech­sel fin­det damit beim unmit­tel­ba­ren Eigen­tums­wech­sel (etwa infol­ge eines Kaufs, einer Schen­kung oder bei Ein­tritt des Erb­falls) statt. Auto­ma­ti­sche Ver­bands­mit­glie­der wer­den zudem im Fall der Der­elik­ti­on der Fis­kus durch Aneig­nung oder – nach des­sen Ver­zicht – sons­ti­ge Per­so­nen, die sich ein im Ver­bands­ge­biet lie­gen­des her­ren­lo­ses Grund­stück erst nach einer eigen­tums­lo­sen Zwi­schen­pha­se aneig­nen. Eigen­tum und Ver­bands­mit­glied­schaft sind, was auch der Beklag­te nicht bestrei­tet, in die­sen Fäl­len untrenn­bar – posi­tiv wie nega­tiv – mit­ein­an­der ver­knüpft. Die­ses Prin­zip lässt geset­zes­sys­te­ma­tisch kei­ne Aus­neh­men zu. Nach Auf­fas­sung des Senats gilt es unein­ge­schränkt für alle Kon­stel­la­tio­nen des Eigen­tums­ver­lusts eines ding­li­chen Ver­bands­mit­glieds. Die Mit­glied­schaft des Alt­ei­gen­tü­mers im Ver­band endet stets mit der Been­di­gung des Eigen­tums, unge­ach­tet, ob der Eigen­tums­ver­lust kraft Geset­zes, durch Rechts­ge­schäft oder durch ein­sei­ti­gen Ver­zicht ein­tritt. Die Real­mit­glied­schaft als Grund­stücks­ei­gen­tü­mer ist, wor­auf die amt­li­che Begrün­dung zu § 4 WVG zutref­fend hin­weist, „durch das Eigen­tum an einem der betei­lig­ten Grund­stü­cke bedingt“ 5. Die – auf­lö­sen­de – Bedin­gung tritt unmit­tel­bar mit Ver­lust des Eigen­tums ein, unge­ach­tet des recht­li­chen Been­di­gungs­grun­des. Erfor­der­lich – etwa als wei­te­re Bedin­gungs­vor­aus­set­zung – ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beklag­ten kein „zwei­ak­ti­ger“ Vor­gang der­ge­stalt, dass die Mit­glied­schaft des Alt­ei­gen­tü­mers wäh­rend des Zeit­raums der Her­ren­lo­sig­keit der betref­fen­den Grund­stü­cke bis zum Ein­tritt eines Rechts­nach­fol­gers zunächst „eigen­tums­los“ fort­be­steht und dass der Alt­ei­gen­tü­mer sich auf die Mög­lich­keit einer Auf­he­bung der Mit­glied­schaft nach § 24 WVG ver­wei­sen las­sen muss. Der Ver­weis auf ein Auf­he­bungs­ver­fah­ren in sol­chen Fäl­len wür­de zu untrag­ba­ren, vom Gesetz­ge­ber ersicht­lich nicht gewoll­ten Ergeb­nis­sen füh­ren. Nach § 24 Abs. 1 Satz 2 WVG kann die Auf­he­bung der Mit­glied­schaft näm­lich nicht ver­langt wer­den, wenn der bis­he­ri­ge Vor­teil aus Leis­tun­gen des Ver­ban­des „durch eige­ne Maß­nah­men“ besei­tigt wor­den ist. Damit könn­te ein Alt­ei­gen­tü­mer so gut wie nie aus dem Ver­band aus­schei­den, son­dern wäre – abge­se­hen allen­falls von „extre­men Aus­nah­me­fäl­len“ 6 – dau­er­haft an die­sen gebun­den. Denn einen „unfrei­wil­li­gen“ Ver­lust des Grund­ei­gen­tums gibt es – vom sehr sel­te­nen Fall einer 30-jäh­ri­gen Ersit­zung nach § 927 BGB ein­mal abge­se­hen – nicht. Sowohl der Eigen­tums­ver­lust durch – zwei­sei­ti­ges – Rechts­ge­schäft wie durch – ein­sei­ti­gen – Ver­zicht erfor­dert eine gewill­kür­te Wil­lens­er­klä­rung des Alt­ei­gen­tü­mers und beruht daher in bei­den Fäl­len auf einer eige­nen Maß­nah­me.

Zu einer ande­ren als der dar­ge­leg­ten Aus­le­gung der §§ 22 und 24 WVG im Sin­ne eines zwin­gen­den Bedin­gungs­zu­sam­men­hangs zwi­schen Real­mit­glied­schaft und Grund­stücks­ei­gen­tum sieht sich der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg nicht in der Lage. Hät­te der Gesetz­ge­ber auch „eigen­tums­lo­se“ Ver­bands­mit­glie­der vor­se­hen oder – alter­na­tiv – auch aus­ge­schie­de­nen Alt­ei­gen­tü­mern noch „nach­wir­ken­de“ (Beitrags-)pflichten auf­er­le­gen wol­len, hät­te er dafür jeweils aus­drück­li­che Rege­lun­gen tref­fen müs­sen, was aber nicht gesche­hen ist 7. Der Senat ver­kennt dabei nicht, dass am Zusam­men­halt und Fort­be­stand von Was­ser- und Boden­ver­bän­den ein gewich­ti­ges All­ge­mein­in­ter­es­se besteht (§ 1 WVG), wenn und solan­ge sie Auf­ga­ben nach § 2 WVG erfül­len, und dass des­we­gen nach stän­di­ger Recht­spre­chung auch Pflicht­mit­glied­schaf­ten ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­sig, weil ver­hält­nis­mä­ßig sind 8.

Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg stellt auch nicht in Fra­ge, dass der beklag­te Bereg­nungs­ver­band sei­ner­seits dem öffent­li­chen Inter­es­se – der ver­bes­ser­ten Nut­zung land­wirt­schaft­li­cher Wein­bau­flä­chen (vgl. § 2 Nrn. 7 und 8 WVG) – dient, einem Zweck, der zwar auch den pri­va­ten wirt­schaft­li­chen Belan­gen der Wein­bau­ern zu Gute kommt, sich dar­in aber nicht erschöpft. Auch dies recht­fer­tigt es aber nicht, Real­mit­glie­der de lege feren­da auch nach Weg­fall ihres Eigen­tums an einer „eigen­tums­lo­sen“ Mit­glied­schaft fest­zu­hal­ten. Es obliegt dem Gesetz­ge­ber, den Fall der ein­sei­ti­gen Eigen­tums­auf­ga­be durch Der­elik­ti­on zu regeln, falls er hier­für ein Bedürf­nis sieht.

Auch ohne eine sol­che ergän­zen­de gesetz­li­che Rege­lung ver­mag der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof bis­lang jeden­falls kei­ne gra­vie­ren­den, mit dem Soli­dar­prin­zip schlecht­hin unver­ein­ba­ren Aus­wir­kun­gen zu erken­nen. Denn zum Einen sind Sach­ver­hal­te, in denen Eigen­tü­mer land­wirt­schaft­li­cher Grund­stü­cke in einem Was­ser- und Boden­ver­band – über die Auf­ga­be der vor­teils­be­grün­den­den Nut­zung (hier; Auf­ga­be des Wein­baus) hin­aus – frei­wil­lig und ohne Gegen­leis­tung auch auf das Eigen­tum ver­zich­ten, bis­her wohl noch sehr sel­ten. Auch die Ver­tre­ter des Beklag­ten und der Auf­sichts­be­hör­de haben kon­kre­te Bei­spie­le für ihre gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung nicht sub­stan­ti­iert dar­le­gen kön­nen. Bezeich­nen­der­wei­se hat sich die Recht­spre­chung mit den Fol­gen ein­sei­ti­ger Grund­stücks­de­r­elik­tio­nen im Was­ser- und Boden­ver­bands­recht bis­her auch kaum befasst, son­dern die­se Fra­gen im Wesent­li­chen nur in Fäl­len boden­recht­li­cher „Alt­las­ten“ erör­tert. Zum Ande­ren muss die Eigen­tums­auf­ga­be, um das Ende der Mit­glied­schaft im Ver­band aus­zu­lö­sen, aber auch rechts­wirk­sam sein, wobei beson­ders gemein­schaft­schäd­li­ches Ver­hal­ten am Kor­rek­tiv ins­be­son­de­re der §§ 134 und 138 BGB schei­tern wird (dazu auch noch nach­fol­gend). Fer­ner ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Ver­bands­bei­trä­ge der ding­li­chen Ver­bands­mit­glie­der nach § 29 WVG auch nach der Eigen­tums­auf­ga­be wei­ter­hin als öffent­li­che Last auf den Grund­stü­cken lie­gen und daher von nach­fol­gen­den Eigen­tü­mern, die sich die Grund­stü­cke aneig­nen, über­nom­men wer­den müs­sen. Dass spä­te­re Über­nah­men her­ren­los gewor­de­ner land­wirt­schaft­li­cher Grund­stü­cke in der Pra­xis durch­aus vor­kom­men, belegt auch das vom Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg durch Ver­gleich vom 2. Febru­ar 2011 been­de­te Ver­fah­ren 3 S 959/​09. Schließ­lich ist der Ver­band auch nach dem Aus­schei­den der Alt­ei­gen­tü­mer wei­ter­hin berech­tigt, deren her­ren­los gewor­de­ne Grund­stü­cke nach Maß­ga­be des § 33 WVG zu betre­ten und zu benut­zen, soweit dies für die Durch­füh­rung der Ver­bands­auf­ga­ben (hier etwa: zur Instand­hal­tung und War­tung der auf den Grund­stü­cken ver­leg­ten Bereg­nungs­rohr­lei­tun­gen) erfor­der­lich ist. Der Umstand, dass die Bei­trä­ge der aus­schei­den­den Alt­ei­gen­tü­mer von den ver­blei­ben­den Ver­bands­mit­glie­dern – abzüg­lich etwai­ger aus­schei­dungs­be­ding­ter Kos­ten­ein­spa­run­gen – über­nom­men wer­den müs­sen und der Ver­band bei „mas­sen­haf­ter“ Eigen­tums­auf­ga­be in Exis­tenz­nö­te gera­ten könn­te, mag eine gesetz­li­che Neu­re­ge­lung über nach­wir­ken­de Bei­trags­pflich­ten aus­ge­schie­de­ner Real­mit­glie­der recht­fer­ti­gen; mit gel­ten­dem Recht lässt sich eine etwai­ge Lücke aber nicht schlie­ßen.

Im Übri­gen ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass auch das gel­ten­de Recht die im Ver­band ver­blei­ben­den Mit­glie­der kei­nes­wegs schlecht­hin gegen Bei­trags­er­hö­hun­gen infol­ge Aus­schei­dens ein­zel­ner Mit­glie­der schützt. Nach § 24 Abs. 1 Satz 2 WVG haben Ver­bands­mit­glie­der, deren Vor­teil ohne eige­ne Maß­nah­men ent­fal­len ist, einen Anspruch auf Auf­he­bung der Mit­glied­schaft solan­ge, als dadurch kei­ne erheb­li­chen Nach­tei­le für das öffent­li­che Inter­es­se, den Ver­band oder des­sen Gläu­bi­ger zu besor­gen sind, wobei sol­che Nach­tei­le ins­be­son­de­re in den Fäl­len des § 8 Abs. 1 Nr. 2 oder 3 WVG anzu­neh­men sind, also dann, wenn von den Grund­stü­cken der Aus­schei­den­den erheb­li­che nach­tei­li­ge Ein­wir­kun­gen auf das Ver­bands­un­ter­neh­men aus­ge­hen oder die Aus­schei­den­den erheb­li­che Maß­nah­men des Ver­bands zu dul­den haben. Der Senat bemerkt, dass nach die­sen Maß­stä­ben die Klä­ge­rin – die Anwen­dung des Regimes nach § 24 WVG unter­stellt – wohl jeden­falls ihre Ent­las­sung aus der Mit­glied­schaft nach § 24 Abs. 1 Satz 1 WVG ver­lan­gen könn­te. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 24 Abs. 1 Satz 2 zwei­te Alter­na­ti­ve WVG wären nach der­zei­ti­ger Sach­la­ge noch nicht erfüllt, da die Nach­tei­le für den Wei­ter­be­stand des beklag­ten Bereg­nungs­ver­ban­des allein durch das Aus­schei­den der Klä­ge­rin und ihrer Grund­stü­cke wohl noch nicht erheb­lich wären. In tech­ni­scher Hin­sicht wür­den sich nen­nens­wer­te Bewirt­schaf­tungs- oder Ver­sor­gung­nach­tei­le für die übri­gen Ver­bands­grund­stü­cke nicht erge­ben, da die vier Grund­stü­cke am west­li­chen Rand des süd­li­chen Ver­bands­ge­biets lie­gen und deren Bewäs­se­rung durch ein­fa­chen Ver­schluss der Rohr­lei­tun­gen und ohne Beein­träch­ti­gung der übri­gen Grund­stü­cke been­det wer­den kann. Auch in finan­zi­el­ler Hin­sicht dürf­ten noch kei­ne als erheb­lich ein­zu­stu­fen­den – weil den Ver­bands­be­stand erheb­lich gefähr­den­den – Bei­trags­mehr­be­las­tun­gen auf die ver­blei­ben­den Ver­bands­mit­glie­der zukom­men. Der Anteil der der­elin­quier­ten Grund­stü­cke der Klä­ge­rin beträgt nur 6,9 % des gesam­ten Ver­bands­ge­biets. Allen­falls um die­sen Pro­zent­satz – gemin­dert um etwai­ge Ein­spa­run­gen – wür­de sich die Belas­tung der übri­gen Mit­glie­der erhö­hen. Dass der Ver­band des­we­gen in eine erheb­li­che Exis­tenz­ge­fähr­dung gerie­te, wird selbst von dem Beklag­ten nicht behaup­tet. Er hat bis­lang auch nicht sub­stan­ti­iert bele­gen kön­nen, dass ein Aus­schei­den der Klä­ge­rin eine star­ke „Sog­wir­kung“ für ande­re zur Eigen­tums­auf­ga­be berei­te Ver­bands­mit­glie­der aus­üben könn­te, ganz abge­se­hen von der Fra­ge, ob der­ar­ti­ge Fol­ge­wir­kun­gen nach § 24 Abs. 1 Satz 2 WVG über­haupt berück­sich­tigt wer­den dürf­ten. In die­sem Zusam­men­hang ist zudem auf § 24 Abs. 3 WVG hin­zu­wei­sen, wonach die Auf­sichts­be­hör­de Ver­pflich­tun­gen des aus­schei­den­den Ver­bands­mit­glieds fest­set­zen kann, um unbil­li­ge Fol­gen der Auf­he­bung der Mit­glied­schaft zu ver­mei­den.

Beden­ken gegen die Wirk­sam­keit der Eigen­tums­de­r­elik­ti­on hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg nicht. Die Der­elik­ti­on war weder nach § 134 BGB noch nach § 138 BGB nich­tig.

Die Grund­sät­ze der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Unzu­läs­sig­keit des Ver­zichts auf Mit­ei­gen­tums­an­tei­le nach § 741 BGB und auf das Woh­nungs- und Teil­ei­gen­tum nach dem WEG nach § 134 BGB in Ver­bin­dung mit den ein­schlä­gi­gen Rechts­vor­schrif­ten 9 sind man­gels Ver­gleich­bar­keit der recht­li­chen Aus­gangs­la­gen auf den vor­lie­gen­den Fall nicht über­trag­bar. Zunächst gibt das Argu­ment des BGH, die Annah­me eines Ver­zichts auf einen Mit­ei­gen­tums­an­teil bzw. auf das – als beson­de­res Mit­ei­gen­tum am Grund­stück und an den Gebäu­den aus­ge­stal­te­te – Woh­nungs­ei­gen­tum sto­ße schon begriff­lich auf Schwie­rig­kei­ten, da ein Grund­stück als sol­ches nur bei Auf­ga­be aller Antei­le her­ren­los wer­den kön­ne und die Annah­me eines ide­el­len her­ren­lo­sen Mit­ei­gen­tums­an­teils pro­ble­ma­tisch sei, für den vor­lie­gen­den Fall nichts her. Denn die Klä­ge­rin hat kein Mit­ei­gen­tum, son­dern das Allein­ei­gen­tum an ihren Grund­stü­cken auf­ge­ge­ben. Auch die wei­te­re Argu­men­ta­ti­on des BGH, dass sich das Mit­ei­gen­tum nicht in der sachen­recht­li­chen Bezie­hung erschöp­fe, son­dern zugleich die schuld­recht­li­che Betei­li­gung an einer wech­sel­sei­ti­ge Rech­te und Pflich­ten begrün­den­den Mit­ei­gen­tü­mer- bzw. Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft zum Inhalt habe, auf die nicht ein­sei­tig ver­zich­tet wer­den kön­ne, ist nicht über­trag­bar. Die­se Recht­spre­chung bezieht sich auf die spe­zi­fi­sche Rechts­la­ge im BGB und WEG, die der ein­sei­ti­gen Auf­ga­be von Eigen­tums­an­tei­len und zum Schutz der übri­gen Mit­ei­gen­tü­mer mit Blick auf das Eigen­tum als Gan­zes ent­ge­gen­steht. Der Bun­des­ge­richts­hof stellt maß­geb­lich dar­auf ab, dass mit dem Erlö­schen auch nur eines Mit­ei­gen­tums- oder Woh­nungs­ei­gen­tums­an­teils die jewei­li­ge Eigen­tü­mer­ge­mein­schaft, die immer nur „als Gan­zes“ bestehen kann, zusam­men­brä­che und kraft Geset­zes erlö­schen wür­de, was im Wider­spruch zu den jewei­li­gen Been­di­gungs­vor­schrif­ten stün­de 10. Im Fall der Klä­ge­rin wird aber kein der­art gebun­de­ner Eigen­tums­an­teil auf­ge­ge­ben, son­dern es wird auf das von inter­nen Ver­fü­gungs­be­schrän­kun­gen freie Allein­ei­gen­tum ver­zich­tet. Die­sen Unter­schied stellt der Bun­des­ge­richts­hof 11 selbst deut­lich her­aus, indem er zusam­men­fas­send dar­auf hin­weist, dass zwar der Ver­zicht ein­zel­ner Mit­ei­gen­tü­mer auf ihre Mit­ei­gen­tums­an­tei­le nicht anzu­er­ken­nen, der gleich­zei­ti­ge Ver­zicht sämt­li­cher Mit­ei­gen­tü­mer auf ihre Antei­le hin­ge­gen nach § 928 BGB ohne wei­te­res zuläs­sig sei.

Der Ver­zicht der Klä­ge­rin auf das Eigen­tum an den vier Grund­stü­cken war auch nicht nach § 138 Abs. 1 BGB sit­ten­wid­rig. Von einer sit­ten­wid­ri­gen und damit nich­ti­gen Der­elik­ti­on kann grund­sätz­lich nur aus­ge­gan­gen wer­den, wenn ihr die aus­schließ­li­che oder pri­mä­re Absicht zugrun­de liegt, Drit­te – dar­un­ter auch die öffent­li­che Hand – zu schä­di­gen bzw. sich ihr Zweck in der Abwäl­zung der Grund­stücks­las­ten auf Drit­te oder die All­ge­mein­heit erschöpft 12. Dass sich ein Eigen­tü­mer durch die Eigen­tums­auf­ga­be auch künf­ti­ger öffent­lich recht­li­cher Ver­pflich­tun­gen ent­le­di­gen will, reicht nicht aus 13. Gemes­sen dar­an han­del­te die Klä­ge­rin mit der Der­elik­ti­on ihrer Grund­stü­cke nicht sit­ten­wid­rig. Eine geziel­te – aus­schließ­li­che oder auch nur pri­mä­re – Absicht, den Ver­band und die ver­blei­ben­den Mit­glie­der zu schä­di­gen, kann ihr nicht unter­stellt wer­den. Denn neben dem – unstrei­ti­gen – Motiv, künf­tig von Ver­bands­bei­trä­gen frei­ge­stellt zu sein, beruh­te der Eigen­tums­ver­zicht auch auf ande­ren, recht­lich nicht ver­werf­li­chen Grün­den, näm­lich dem Wunsch, die Genos­sen­schaft vie­le Jah­re nach Auf­ga­be ihres Zwecks (Wein­bau) recht­lich auf­lö­sen (liqui­die­ren) zu kön­nen. Nach dem unbe­strit­te­nen Vor­trag ihrer Ver­tre­ter in der münd­li­chen Ver­hand­lung hat sich die Klä­ge­rin in die­sem Zusam­men­hang auch seit Jah­ren ver­ge­bens bemüht, die Grund­stü­cke auf einen Drit­ten zu über­tra­gen und ein Vor­stands­mit­glied habe dem Beklag­ten sogar den Tausch von Flä­chen ange­bo­ten.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 2. Febru­ar 2011 – 3 S 958/​09

  1. Palandt, BGB, 60. Aufl., § 928 Rn. 3[]
  2. BGH, Urteil vom 07.07.1989 – V ZR 76/​88, BGHZ 108, 278 ff.[]
  3. vgl. dort zur Grup­pe der ding­li­chen Mit­glie­der § 3 Nr. 1 WVVO einer­seits und § 153 Abs. 1 a) und Abs. 2 WVVO ande­rer­seits, sowie dazu Rapsch, Kom­men­tar zur WVVO, 1989, § 3 Rn.14, und Kas­ten, ZfW 1985, 152, 161[]
  4. vgl. dazu auch BVerwG, Urteil vom 11.12.2003 – 7 CN 2.02 -, ZfW 2005, 224 ff.[]
  5. vgl. BT-Drs. 11/​6764, S. 24[]
  6. vgl. dazu VG Lüne­burg, Gerichts­be­scheid vom 15.05.2007 – 3 A 354/​06[]
  7. zu einer sol­chen Rege­lung vgl. § 4 Abs. 3 Satz 4 BBo­dSchG: Sanie­rungs­pflicht für Alt­las­ten auch nach Eigen­tums­auf­ga­be; zur Aus­nah­me vom Grund­satz der Risi­ko­be­gren­zung für nach­träg­li­che Gefah­ren nach Eigen­tums­ver­lust vgl. OVG NRW, Beschluss vom 03.03.2010 – 5 B 66/​10, NJW 2010, 239 f.[]
  8. vgl. dazu grund­le­gend bereits BVerfG, Beschluss vom 29.07.1959 – 1 BvR 394/​58, BVerfGE 10, 89 ff.[]
  9. vgl. dazu Beschlüs­se vom 10.05.2007 – V ZB 6/​07, BGHZ 172, 209 ff.; und vom 14.06.2007 – V ZB 18/​07, BGHZ 172, 338 ff.[]
  10. BGH, Beschlüs­se vom 10.05.2007 und vom 14.06.2007, a.a.O.[]
  11. BGH, Beschluss vom 10.05.2007 – V ZB 6/​07[]
  12. vgl. BVerwG, Beschluss vom 11.04.2003 – 7 B 141.02; zum Mei­nungs­stand vgl. auch VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 02.06.1997 – 8 S 577/​97, VBlBW 1998, 19 f.[]
  13. vgl. VG Würz­burg, Beschluss vom 08.05.2006 – W 5 S 06.250, m.w.N.; wei­te­re Nach­wei­se bei Palandt, BGB, 60. Aufl. § 928 Rn. 1[]