Direkt­ab­rech­nun­gen von Auto­ver­mie­tern mit dem geg­ne­ri­schen Haft­pflicht­ver­si­che­rer

Ist die Haf­tung des Unfall­ver­ur­sa­chers bzw. sei­nes Haft­pflicht­ver­si­che­rers dem Grun­de nach unstrei­tig, ist der Ein­zug der For­de­rung des Geschä­dig­ten auf Erstat­tung der Miet­wa­gen­kos­ten durch das Miet­wa­gen­un­ter­neh­men als Neben­leis­tung gemäß § 5 Abs. 1 RDG erlaubt [1].

Direkt­ab­rech­nun­gen von Auto­ver­mie­tern mit dem geg­ne­ri­schen Haft­pflicht­ver­si­che­rer

Eine Abtre­tung ist nur wirk­sam, wenn die For­de­rung, die Gegen­stand der Abtre­tung ist, bestimmt oder wenigs­tens bestimm­bar ist [2]. Dies ist der Fall, wenn nach dem Wort­laut der Abtre­tung die Scha­dens­er­satz­for­de­rung auf Erstat­tung der Miet­wa­gen­kos­ten nach dem kon­kret benann­ten Scha­dens­er­eig­nis abge­tre­ten wur­de. Eine Bezif­fe­rung des Scha­dens­er­satz­an­spruchs ist im Zeit­punkt der Abtre­tungs­er­klä­rung regel­mä­ßig weder mög­lich noch erfor­der­lich.

Die Abtre­tung ist nicht nach § 134 BGB wegen eines Ver­sto­ßes gegen das Rechts­dienst­leis­tungs­ge­setz nich­tig. Es kann offen­blei­ben, ob es sich bei der Ein­zie­hung der an das Miet­wa­gen­un­ter­neh­men abge­tre­te­nen Scha­dens­er­satz­for­de­rung des Geschä­dig­ten um eine Rechts­dienst­leis­tung im Sin­ne des § 2 Abs. 1 RDG han­delt oder eine eige­ne Rechts­an­ge­le­gen­heit des Miet­wa­gen­un­ter­neh­mens vor­liegt. Auch wenn man vom Vor­lie­gen einer Rechts­dienst­leis­tung aus­geht, ist die­se jeden­falls nach den Grund­sät­zen des BGH-Urteils vom 31. Janu­ar 2012 [3] nach § 5 Abs. 1 Satz 1 RDG erlaubt.

Nach die­ser Vor­schrift sind Rechts­dienst­leis­tun­gen im Zusam­men­hang mit einer ande­ren Tätig­keit erlaubt, wenn sie als Neben­leis­tung zum Berufs- oder Tätig­keits­bild des Han­deln­den gehö­ren. Ob eine Neben­leis­tung vor­liegt, ist nach ihrem Inhalt, Umfang und sach­li­chen Zusam­men­hang mit der Haupt­tä­tig­keit und der Berück­sich­ti­gung der Rechts­kennt­nis­se zu beur­tei­len, die für die Haupt­tä­tig­keit erfor­der­lich sind (§ 5 Abs. 1 Satz 2 RDG). Danach sind im Streit­fall die Vor­aus­set­zun­gen des § 5 Abs. 1 Satz 1 RDG erfüllt. Im BGH-Urteil vom 31.01.2012 hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass die Ein­zie­hung einer an ein Miet­wa­gen­un­ter­neh­men abge­tre­te­nen Scha­dens­er­satz­for­de­rung des Geschä­dig­ten auf Erstat­tung von Miet­wa­gen­kos­ten grund­sätz­lich erlaubt ist, wenn allein die Höhe der Miet­wa­gen­kos­ten strei­tig ist [4]. Nach­dem im hier vor­lie­gen­den Streit­fall die Haf­tung der Beklag­ten dem Grun­de nach unstrei­tig war, liegt eine Fall­ge­stal­tung vor, in wel­cher nach dem BGH-Urteil vom 31.01.2012, auf das zur Begrün­dung ergän­zend Bezug genom­men wird, der For­de­rungs­ein­zug durch das Miet­wa­gen­un­ter­neh­men als Neben­leis­tung zum Berufs- oder Tätig­keits­bild der Klä­ge­rin gehört und auch bei Annah­me einer Rechts­dienst­leis­tung im Sin­ne des § 2 Abs. 1 RDG jeden­falls gemäß § 5 Abs. 1 RDG erlaubt ist.

Dies ent­spricht den Inter­es­sen der Betei­lig­ten. Die an der Anmie­tung eines Unfall­ersatz­fahr­zeugs inter­es­sier­ten Unfall­ge­schä­dig­ten gehen erkenn­bar davon aus, dass die Miet­wa­gen­kos­ten von dem geg­ne­ri­schen Haft­pflicht­ver­si­che­rer, der ihnen gegen­über dem Grun­de nach zu deren Über­nah­me ver­pflich­tet ist, erstat­tet wer­den und sie mit der Scha­dens­re­gu­lie­rung in kei­nem grö­ße­ren Umfang behel­ligt wer­den, als unbe­dingt not­wen­dig [5]. Dem­zu­fol­ge sind Direkt­ab­rech­nun­gen von Auto­ver­mie­tern mit dem geg­ne­ri­schen Haft­pflicht­ver­si­che­rer weit ver­brei­tet [6]. Damit liegt es auch im Inter­es­se des Ver­mie­ters, sei­ne Tari­fe so zu gestal­ten, dass sie einer­seits dem eige­nen Gewinn­ma­xi­mie­rungs­in­ter­es­se ent­spre­chen, ande­rer­seits in der Abrech­nung mit dem Haft­pflicht­ver­si­che­rer durch­ge­setzt wer­den kön­nen. Die­ses Inter­es­se wird dadurch ver­stärkt, dass bei Anmie­tung eines Ersatz­fahr­zeugs nach einem Unfall eine Auf­klä­rungs­pflicht des Ver­mie­ters über mög­li­che Regu­lie­rungs­schwie­rig­kei­ten mit dem geg­ne­ri­schen Haft­pflicht­ver­si­che­rer bestehen kann und dem Ver­mie­ter bei Ver­let­zung der Auf­klä­rungs­pflicht gegen­über dem Geschä­dig­ten unter Umstän­den nur der Betrag zusteht, der in einem Rechts­streit mit dem Haft­pflicht­ver­si­che­rer als nach § 249 Abs. 2 BGB erfor­der­lich ange­se­hen wird [7].

Schon im Hin­blick dar­auf muss sich der Auto­ver­mie­ter – auch recht­li­che – Kennt­nis­se hin­sicht­lich der Erstat­tungs­fä­hig­keit von Rech­nun­gen aneig­nen, wenn es sich um die Anmie­tung eines Ersatz­fahr­zeugs nach einem Unfall han­delt. Die Höhe des Miet­prei­ses ist nach § 287 ZPO von dem inso­weit beson­ders frei gestell­ten Tatrich­ter zu schät­zen, der dabei auf regel­mä­ßig zugrun­de geleg­te Lis­ten oder Tabel­len zurück­grei­fen und gege­be­nen­falls Ein­wän­den gegen die Anwen­dung einer bestimm­ten Lis­te auch durch Abschlä­ge oder Zuschlä­ge auf den sich aus ihnen erge­ben­den Nor­mal­ta­rif begeg­nen kann [8].

Die Abtre­tung ist auch nicht des­halb unwirk­sam, weil die Abtre­tung zu einem Zeit­punkt erfolg­te, zu dem noch nicht geklärt war, ob und wie sich der Unfall­geg­ner bzw. des­sen Haft­pflicht­ver­si­che­rer ein­lässt [9]. Die Abtre­tung als sol­che ist ein neu­tra­les Geschäft, wel­ches nicht per se gegen ein Ver­bots­ge­setz (§ 134 BGB) ver­stößt. Sie wäre allen­falls unwirk­sam, wenn sie von vorn­her­ein auf eine nicht erlaub­te Rechts­dienst­leis­tung ziel­te. Dies ist bei der Abtre­tung eines Scha­dens­er­satz­an­spruchs auf Erstat­tung von Miet­wa­gen­kos­ten nicht der Fall, weil die Ein­zie­hung die­ses Anspruchs durch das Miet­wa­gen­un­ter­neh­men gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 RDG grund­sätz­lich erlaubt ist, wenn allein die Höhe der Miet­wa­gen­kos­ten strei­tig ist. Lie­gen mit­hin kei­ne Umstän­de vor, aus denen ohne wei­te­res ersicht­lich ist, dass es sich um einen Unfall han­delt, bei dem die Ein­zie­hung einer abge­tre­te­nen Scha­dens­er­satz­for­de­rung durch ein Miet­wa­gen­un­ter­neh­men nicht erlaubt ist [10], ist die Abtre­tung nicht des­halb wegen eines Ver­sto­ßes gegen das Rechts­dienst­leis­tungs­ge­setz unwirk­sam, weil noch nicht fest­steht, wie sich der Unfall­geg­ner bzw. des­sen Haft­pflicht­ver­si­che­rer ein­lässt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Sep­tem­ber 2012 – VI ZR 296/​11

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 31.01.2012 – VI ZR 143/​11, VersR 2012, 458[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 07.06.2011 – VI ZR 260/​10, VersR 2011, 1008 Rn. 6 mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 31.01.2012 – VI ZR 143/​11, VersR 2012, 458[]
  4. BGH, Urteil vom 31.01.2012 – VI ZR 143/​11, aaO Rn. 8 ff., 15[]
  5. BGH, Urteil vom 31.01.2012 – VI ZR 143/​11, aaO Rn. 15; BGH, Urteil vom 25.03.2009 – XII ZR 117/​07, VersR 2009, 1243 Rn. 14; OLG Stutt­gart, NZV 2011, 556, 557 f.[]
  6. BGH, Urtei­le vom 26.04.1994 – VI ZR 305/​93, VersR 1994, 950, 952; vom 31.01.2012 – VI ZR 143/​11, aaO; OLG Stutt­gart, aaO; Otting, SVR 2011, 8, 10[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 31.01.2012 – VI ZR 143/​11, aaO; BGH, Urteil vom 25.03.2009 – XII ZR 117/​07, aaO Rn. 13 ff. mwN[]
  8. vgl. BGH, Urtei­le vom 12.04.2011 – VI ZR 300/​09, VersR 2011, 769 Rn. 16 ff. mwN; vom 31.01.2012 – VI ZR 143/​11, aaO Rn. 16[]
  9. so AG Mön­chen­glad­bach, Urteil vom 17.07.2012 – 36 C 491/​11[]
  10. vgl. dazu BGH, Urteil vom 31.01.2012 – VI ZR 143/​11, aaO Rn. 8 f.[]