Drän­geln beim Ein­stieg

Zwar kommt grund­sätz­lich eine Haf­tung sowohl des Fah­rers (auf­grund Ver­schul­dens) als auch des Ver­kehrs­un­ter­neh­mens (aus Ver­trag, Betriebs­ge­fahr sowie Ver­schul­den) in Betracht, wenn ein Fahr­gast beim Ein­stei­gen in ein öffent­li­ches Ver­kehrs­mit­tel durch nach­drän­gen­de Fahr­gäs­te zu Fall kommt; dies ins­be­son­de­re, sofern wegen einer Groß­ver­an­stal­tung mit einem erheb­lich gestei­ger­ten Pas­sa­gier­auf­kom­men zu rech­nen war.

Drän­geln beim Ein­stieg

Es stellt sich jedoch ohne wei­te­res noch nicht als haf­tungs­be­grün­den­des, sorg­falts­pflicht­wid­ri­ges Ver­hal­ten des Fah­rers dar, wenn bei erhöh­tem Andrang sämt­li­che Ein­stiegs­tü­ren gleich­zei­tig geöff­net wer­den.

Eine grund­sätz­lich gege­be­ne Haf­tung des Ver­kehrs­un­ter­neh­mens (nur) aus Betriebs­ge­fahr kann unter Umstän­den hin­ter einem ganz über­wie­gen­den Mit­ver­schul­den des zustei­gen­den Fahr­gasts zurück­tre­ten, wenn die­ser die Situa­ti­on an der Hal­te­stel­le kennt und – etwa wegen etli­cher stark alko­ho­li­sier­ter Jugend­li­cher – selbst als bedroh­lich bzw. sogar als "außer Kon­trol­le" wahr­nimmt, sich des­sen unge­ach­tet aber zum Ein­stieg in das Ver­kehrs­mit­tel vor die ande­ren War­ten­den in die "ers­te Rei­he" stellt.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 25. Mai 2009 – 1 U 261/​08