Drei Abmah­nun­gen – nur eine Tätig­keit

Eine Tätig­keit in der­sel­ben Ange­le­gen­heit (und damit eine nur ein­mal zu hono­rie­ren­de) kann auch dann vor­lie­gen, wenn der Rechts­an­walt von meh­re­ren Per­so­nen beauf­tragt wird, gegen eine unzu­läs­si­ge Pres­se­be­richt­erstat­tung vor­zu­ge­hen, die sämt­li­che Auf­trag­ge­ber in glei­cher Wei­se betrifft (hier: Bericht­erstat­tung über ein Straf­ver­fah­ren wegen Sub­ven­ti­ons­be­trugs gegen drei Ange­klag­te).

Drei Abmah­nun­gen – nur eine Tätig­keit

Bei der Beur­tei­lung der Fra­ge, ob und in wel­chem Umfang der dem Geschä­dig­ten zuste­hen­de Scha­dens­er­satz­an­spruch auch die Erstat­tung von Rechts­an­walts­kos­ten umfasst, ist zwi­schen dem Innen­ver­hält­nis des Geschä­dig­ten zu dem für ihn täti­gen Rechts­an­walt und dem Außen­ver­hält­nis des Ge-schä­dig­ten zum Schä­di­ger zu unter­schei­den. Vor­aus­set­zung für einen Erstat­tungs­an­spruch im gel­tend gemach­ten Umfang ist grund­sätz­lich, dass der Ge-schä­dig­te im Innen­ver­hält­nis zur Zah­lung der in Rech­nung gestell­ten Kos­ten ver­pflich­tet ist und die kon­kre­te anwalt­li­che Tätig­keit im Außen­ver­hält­nis aus der maß­geb­li­chen Sicht des Geschä­dig­ten mit Rück­sicht auf sei­ne spe­zi­el­le Situa­ti­on zur Wahr­neh­mung sei­ner Rech­te erfor­der­lich und zweck­mä­ßig war [1].

Die Auf­fas­sung, das Tätig­wer­den für die drei frü­he­ren Mit­an­ge­klag­ten betref­fe die­sel­be Ange­le­gen­heit im Sin­ne des § 15 Abs. 2 Satz 1 RVG, begeg­net auf der Grund­la­ge der im Streit­fall getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen kei­nen Beden­ken. Wei­sungs­ge­mäß erbrach­te anwalt­li­che Leis­tun­gen betref­fen in der Regel ein und die­sel­be Ange­le­gen­heit, wenn zwi­schen ihnen ein inne­rer Zusam­men­hang besteht und sie sowohl inhalt­lich als auch in der Ziel­set­zung so weit­ge­hend über­ein­stim­men, dass von einem ein­heit­li­chen Rah­men der anwalt­li­chen Tätig­keit gespro­chen wer­den kann. Die Fra­ge, ob von einer oder von meh­re­ren Ange­le­gen­hei­ten aus­zu­ge­hen ist, lässt sich nicht all­ge­mein, son­dern nur im Ein­zel­fall unter Berück­sich­ti­gung der jewei­li­gen Lebens­ver­hält­nis­se beant­wor­ten, wobei ins­be­son­de­re der Inhalt des erteil­ten Auf­trags maß­ge­bend ist. Die Annah­me einer Ange­le­gen­heit im gebüh­ren­recht­li­chen Sin­ne setzt nicht vor­aus, dass der Anwalt nur eine Prü­fungs­auf­ga­be zu erfül­len hat. Von einem ein­heit­li­chen Rah­men der anwalt­li­chen Tätig­keit kann viel­mehr grund­sätz­lich auch dann noch gespro­chen wer­den, wenn der Anwalt zur Wahr­neh­mung der Rech­te des Geschä­dig­ten ver­schie­de­ne, in ihren Vor­aus­set­zun­gen von­ein­an­der abwei­chen­de Anspruchs­grund­la­gen zu prü­fen bzw. meh­re­re getrenn­te Prü­fungs­auf­ga­ben zu erfül­len hat. Denn unter einer Ange­le­gen­heit im gebüh­ren­recht­li­chen Sin­ne ist das gesam­te Geschäft zu ver­ste­hen, das der Rechts­an­walt für den Auf­trag­ge­ber besor­gen soll. Ihr Inhalt bestimmt den Rah­men, inner­halb des­sen der Rechts­an­walt tätig wird. Die Ange­le­gen­heit ist von dem Gegen­stand der anwalt­li­chen Tätig­keit abzu­gren­zen, der das kon­kre­te Recht oder Rechts­ver­hält­nis bezeich­net, auf das sich die anwalt­li­che Tätig­keit bezieht. Eine Ange­le­gen­heit kann meh­re­re Gegen­stän­de umfas­sen. Für die Annah­me eines ein­heit­li­chen Rah­mens der anwalt­li­chen Tätig­keit ist es grund­sätz­lich aus­rei­chend, wenn die ver­schie­de­nen Gegen­stän­de in dem Sin­ne ein­heit­lich vom Anwalt bear­bei­tet wer­den kön­nen, dass sie ver­fah­rens­recht­lich zusam­men­ge­fasst bzw. in einem ein­heit­li­chen Vor­ge­hen gel­tend gemacht wer­den kön­nen. Ein inne­rer Zusam­men­hang ist zu beja­hen, wenn die ver­schie­de­nen Gegen­stän­de bei objek­ti­ver Betrach­tung und unter Berück­sich­ti­gung des mit der anwalt­li­chen Tätig­keit nach dem Inhalt des Auf­trags erstreb­ten Erfolgs zusam­men gehö­ren [2].

Der Annah­me einer Ange­le­gen­heit steht nicht ent­ge­gen, dass der Anwalt meh­re­re Geschä­dig­te ver­tre­ten soll. Mit Urteil vom 27. Juli 2010 [3] hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass dann, wenn ein Rechts­an­walt beauf­tragt wird, gegen eine unrich­ti­ge Pres­se­be­richt­erstat­tung vor­zu­ge­hen, eine Tätig­keit in der­sel­ben Ange­le­gen­heit auch dann vor­lie­gen kann, wenn durch die unrich­ti­gen Äuße­run­gen sowohl eine GmbH als auch deren Geschäfts­füh­rer betrof­fen sind und dass die Erfor­der­lich­keit und Zweck­mä­ßig­keit einer getrenn­ten Beauf­tra­gung der­sel­ben Anwalts­so­zie­tät und einer getrenn­ten anwalt­li­chen Bear­bei­tung in der Regel jeden­falls dann zu ver­nei­nen sein wird, wenn die Abmah­nung ohne wei­te­ren Auf­wand zu Unter­las­sungs­er­klä­run­gen der für die Bericht­erstat­tung Ver­ant­wort­li­chen füh­ren und die Sache bis dahin ohne wei­te­res als eine Ange­le­gen­heit bear­bei­tet wer­den kann [4]. Ein ein­heit­li­cher Auf­trag kann näm­lich auch dann vor­lie­gen, wenn der Anwalt von meh­re­ren Man­dan­ten beauf­tragt wird, wobei gege­be­nen­falls durch Aus­le­gung ermit­telt wer­den muss, ob der Anwalt für die ver­schie­de­nen Auf­trag­ge­ber gemein­sam oder ob er für jeden von ihnen geson­dert tätig wer­den soll­te [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Janu­ar 2011 – VI ZR 64/​10

  1. BGh, Urtei­le vom 26.05.2009 – VI ZR 174/​08, aaO Rn. 20; vom 27.07.2010 – VI ZR 261/​09, aaO Rn. 14, jeweils mwN.[]
  2. vgl. zu allem Vor­ste­hen­den: BGH, Urtei­le vom 26.05.2009 – VI ZR 174/​08, aaO Rn. 23 ff.; und vom 27.07.2010 – VI ZR 261/​09, aaO Rn. 16 jeweils mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 27.07.2010 – VI ZR 261/​09, aaO[]
  4. aaO Rn. 17 ff. mwN[]
  5. aaO Rn. 18 mwN[]