Ds offen­bar grund­lo­se Ableh­nungs­ge­such im Zivil­pro­zess

Ein Gesuch auf Ableh­nung von Rich­tern wegen Besorg­nis der Befan­gen­heit darf auch im Zivil­ver­fah­ren aus­nahms­wei­se dann unter Mit­wir­kung der abge­lehn­ten Rich­ter zurück­ge­wie­sen wer­den, wenn es offen­bar grund­los ist und daher nur dem Ziel die­nen kann, das Ver­fah­ren hin­aus­zu­zö­gern [1]. Offen­bar grund­los ist ein Ableh­nungs­ge­such, wenn die von dem Beklag­ten vor­ge­brach­ten Ableh­nungs­grün­de ihrer Art nach kei­nen Grund bil­den kön­nen, Miss­trau­en gegen die Unpar­tei­lich­keit der abge­lehn­ten Rich­ter zu recht­fer­ti­gen (§ 42 Abs. 2 ZPO).

Ds offen­bar grund­lo­se Ableh­nungs­ge­such im Zivil­pro­zess

Die Absicht der Pro­zess­ver­schlep­pung ist nicht kon­sti­tu­ti­ves Merk­mal der Rechts­miss­bräuch­lich­keit; es reicht aus, dass die Behand­lung des offen­bar grund­lo­sen Ableh­nungs­an­tra­ges nach §§ 45, 46 ZPO not­wen­dig zur Fol­ge hät­te, dass sich das Ver­fah­ren wei­ter ver­zö­gern wür­de.

Ein Gesuch auf Ableh­nung von Rich­tern wegen Besorg­nis der Befan­gen­heit darf nach dem Rechts­ge­dan­ken des § 26 a Abs. 2 Satz 1 StPO auch im Zivil­ver­fah­ren aus­nahms­wei­se dann unter Mit­wir­kung der abge­lehn­ten Rich­ter zurück­ge­wie­sen wer­den, wenn es offen­bar grund­los ist und daher nur dem Ziel die­nen kann, das Ver­fah­ren hin­aus­zu­zö­gern [2].

Das Vor­lie­gen die­ser Vor­aus­set­zun­gen hat das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg im vor­lie­gen­den Fall ange­nom­men: Die von dem Beklag­ten vor­ge­brach­ten Ableh­nungs­grün­de kön­nen schon ihrer Art nach so wenig einen Grund bil­den, Miss­trau­en gegen die Unpar­tei­lich­keit der abge­lehn­ten Rich­ter zu recht­fer­ti­gen (§ 42 Abs. 2 ZPO), dass sie als „offen­bar grund­los“ im Sin­ne der genann­ten Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts anzu­se­hen sind.

Sofern der Beklag­te den Rich­tern in sei­nem Ableh­nungs­ge­such vor­wirft, sie beherrsch­ten die deut­sche Spra­che nur man­gel­haft, ist nicht ersicht­lich, wie­so sich dar­aus ein Hin­weis auf eine Vor­ein­ge­nom­men­heit der Rich­ter gera­de ihm gegen­über erge­ben soll.

Sofern der Beklag­te sich umfang­reich dazu aus­lässt, dass die abge­lehn­ten Rich­ter an Ent­schei­dun­gen betei­ligt gewe­sen sei­en, durch die ihm die Ver­brei­tung von Äuße­run­gen unter­sagt wor­den ist, ist eben­falls nicht ersicht­lich, inwie­weit sich allein dar­aus eine Vor­ein­ge­nom­men­heit der abge­lehn­ten Rich­ter erge­ben soll, liegt es doch im Wesen der Tätig­keit jedes im Zivil­recht täti­gen Rich­ters, Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, die natur­ge­mäß zumin­dest eine der an dem betref­fen­den Rechts­streit betei­lig­ten Par­tei­en belas­ten.

Soweit der Beklag­te wei­ter vor­trägt, sei­ne Ableh­nungs­ge­su­che könn­ten nicht rechts­miss­bräuch­lich sein, weil er kein Inter­es­se dar­an habe, den Rechts­streit zu ver­zö­gern, kommt es dar­auf nicht an; denn die Absicht der Pro­zess­ver­schlep­pung ist nicht kon­sti­tu­ti­ves Merk­mal der Rechts­miss­bräuch­lich­keit; es reicht aus, dass die Behand­lung des offen­bar grund­lo­sen Ableh­nungs­an­tra­ges nach §§ 45, 46 ZPO not­wen­dig zur Fol­ge hät­te, dass sich das Ver­fah­ren wei­ter ver­zö­gern wür­de.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 10. Juni 2013 – 7 W 46/​13

  1. BVerfG, Beschluss vom 20. 07. 2007, NJW-RR 2008, 72 ff., 73[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 20.07.2007, NJW-RR 2008, S. 72 ff., 73[]