eBay – und das Maxi­mal­ge­bot

Die Abga­be eines sog. Maxi­mal­ge­bo­tes auf eine eBay-Auk­ti­on stellt die Wei­sung an das elek­tro­ni­sche Biet­sys­tem dar, als Erklä­rungs­bo­te bis zu der vor­ge­ge­be­nen Maxi­mal­gren­ze den­je­ni­gen Betrag zu bie­ten, der erfor­der­lich ist, um Höchst­bie­ten­der zu wer­den oder zu blei­ben. Jedes ein­zel­ne Höchst­ge­bot stellt eine selb­stän­di­ge neue Wil­lens­er­klä­rung dar.

eBay – und das Maxi­mal­ge­bot

Bei einer Inter­net­auk­ti­on auf der Platt­form von eBay kommt der Ver­trag bei feh­len­der Frei­heit des Anbie­ters, den Ver­trag durch einen Zuschlag zu schlie­ßen, nicht in Anwen­dung von § 156 Satz 1 BGB, son­dern in Anwen­dung der §§ 145 ff. BGB durch ein Ange­bot und des­sen Annah­me zustan­de 1.

Das Ein­stel­len einer Ware auf der Platt­form von eBay ist als ein ver­bind­li­ches Ver­kaufs­an­ge­bot an den­je­ni­gen aus­zu­le­gen, der bis zum Abschluss der Auk­ti­on das höchs­te Gebot abgibt 2. Mit der Frei­schal­tung des Ange­bo­tes erklärt der Anbie­ter die vor­weg­ge­nom­me­ne Annah­me des höchs­ten wirk­sa­men Gebo­tes zum Ende der Ange­bots­dau­er 3.

Die­ses Ver­ständ­nis der Teil­neh­mer ergibt sich auf­grund von § 10 Absatz 1 Satz 1 der sei­ner­zeit gül­ti­gen All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen von eBay. Dem­nach gibt der Ver­käu­fer ein ver­bind­li­ches Ange­bot zum Abschluss eines Ver­tra­ges über den ein­ge­stell­ten Arti­kel ab und bestimmt dabei einen Start- bzw. Fest­preis sowie eine Frist, bin­nen derer das Ange­bot ange­nom­men wer­den kann. Nicht gebun­den ist der Anbie­ter nur, wenn er nach den Bestim­mun­gen von eBay zur vor­zei­ti­gen Been­di­gung eines Ange­bots berech­tigt ist, z.B. nach dem Ver­lust der Ware durch einen Dieb­stahl. Auch in einem sol­chen Fall sind die von eBay auf­ge­stell­ten All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen bei der Aus­le­gung des Ange­bo­tes her­an­zu­zie­hen und die dort genann­ten Vor­be­hal­te als sol­che anzu­se­hen, die die Bin­dungs­wir­kung aus­schlie­ßen 4. Nach dem so zu beur­tei­len­den Emp­fän­ger­ho­ri­zont stand das Ange­bot des Anbie­ter nicht unter dem ein­schrän­ken­den Vor­be­halt eines Zwi­schen­ver­kaufs oder der Ver­kaufs­reue. Dies soll nach den durch die Teil­neh­mer akzep­tier­ten All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen gera­de kei­nen berech­tig­ten Grund für die vor­zei­ti­ge Been­di­gung eines Ange­bo­tes dar­stel­len.

Unter Beach­tung die­ser all­ge­mein aner­kann­ten Grund­sät­ze hat der Anbie­ter – trotz der abwei­chen­den Ter­mi­no­lo­gie in den genann­ten All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen – recht­lich die vor­weg­ge­nom­me­ne Annah­me des Kauf­an­ge­bo­tes gegen­über dem­je­ni­gen erklärt, der zum Ende der Ange­bots­dau­er das Höchst­ge­bot setzt, also das letzt­lich gül­ti­ge Ange­bot abge­ge­ben hat.

Der Bie­ter gibt mit sei­nem Maxi­mal­ge­bot nicht nur eine ein­zi­ge Wil­lens­er­klä­rung in Form eines Maxi­mal­ge­bo­tes ab, das er auch noch ent­spre­chend dem Auk­ti­ons­ver­lauf habe erhö­hen kann. Viel­mehr han­delt es sich bei jedem Höchst­ge­bot um eine eigen­stän­di­ge Wil­lens­er­klä­rung, die das auto­ma­ti­sche Biet­sys­tem des Platt­form­be­trei­bers als "vir­tu­el­ler Erklä­rungs­bo­te" nach Maß­ga­be der Berech­nungs­schrit­te über­mit­telt. Nur die­ses Ver­ständ­nis ent­spricht den all­ge­mei­nen Anfor­de­run­gen an ein Ange­bot, das so bestimmt sein muss, dass es durch ein ein­fa­ches "Ja" ange­nom­men wer­den kann 5. Zu den wesent­li­chen Ver­trags­in­hal­ten (essen­ti­alia nego­tii) zählt grund­sätz­lich auch der Kauf­preis 6.

Dem­ge­gen­über hat der Bie­ter im vor­lie­gen­den Fall mit der Abga­be eines Maxi­mal­ge­bo­tes zunächst noch kein annah­me­fä­hi­ges Kauf­an­ge­bot abge­ge­ben, son­dern eine, der Höhe nach auf das Maxi­mal­ge­bot begrenz­te Wei­sung an das elek­tro­ni­sche Biet­sys­tem des Platt­form­be­trei­bers erteilt, je nach Auk­ti­ons­ver­lauf das eige­ne Höchst­ge­bot um bestimm­te erfor­der­li­che Schrit­te zu erhö­hen, um Höchst­bie­ten­der zu blei­ben bzw. zu wer­den.

Dar­über hin­aus hat er auf­grund des Auk­ti­ons­ver­laufs jeweils einen neu­en Wil­lens­ent­schluss gefasst und die­sen gegen­über sei­nem Erklä­rungs­bo­ten, dem Biet­sys­tem der Platt­form, auch kund­ge­tan, als er sei­ne eige­nen Maxi­mal­ge­bo­te erhöh­te.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 14. April 2015 – 12 U 153/​14

  1. BGH, Urteil vom 07.11.2001 – VIII ZR 13/​01 25; BGH, Urteil vom 03.11.2004 – VIII ZR 375/​03 9[]
  2. BGH, Urteil vom 03.11.2004 – VIII ZR 375/​03 9; BGH, Urteil vom 08.06.2011 – VIII ZR 305/​10 16[]
  3. BGH, Urteil vom 07.11.2001 – VIII ZR 13/​01 28[]
  4. BGH, Urteil vom 08.06.2011 – VIII ZR 305/​10 17; BGH, Urteil vom 08.01.2014 – VIII ZR 63/​1320[]
  5. Staudinger/​Reinhard Bork, BGB (2010) § 145 BGB Rn. 17[]
  6. vgl. Soergel/​Wolf, BGB, 13. Aufl. (1999), § 145 BGB Rn. 4[]