Ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung

Die ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung darf nicht zu einer Erwei­te­rung des Ver­trags­ge­gen­stan­des füh­ren (hier: Zusam­men­schal­tungs­ver­ein­ba­rung zwei­er Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men); ledig­lich der Ver­trags­in­halt, nicht aber der Ver­trags­wil­le darf ergänzt wer­den.

Ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung

Eine ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung ist zuläs­sig, wenn eine Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en in einem rege­lungs­be­dürf­ti­gen Punkt fehlt und kei­ne Rege­lung des dis­po­si­ti­ven Geset­zes­rechts ein­greift. Dabei ist es uner­heb­lich, ob die Par­tei­en bewusst auf eine ins Ein­zel­ne gehen­de Rege­lung ver­zich­tet haben, ob die "Lücke" von Anfang an bestan­den hat oder sich – wie das Beru­fungs­ge­richt hier ange­nom­men hat – erst nach­träg­lich als Fol­ge des wei­te­ren Ver­laufs der Din­ge ergibt. Bei einer erfor­der­li­chen Ergän­zung des Ver­trags­in­halts ist dar­auf abzu­stel­len, was red­li­che und ver­stän­di­ge Par­tei­en in Kennt­nis der Rege­lungs­lü­cke nach dem Ver­trags­zweck und bei sach­ge­mä­ßer Abwä­gung ihrer bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen nach Treu und Glau­ben ver­ein­bart hät­ten 1.

Jedoch stellt nicht alles, wor­über in einem Ver­trag eine Rege­lung fehlt, schon eine Ver­trags­lü­cke dar. Von ihr kann nach fest­ste­hen­der Recht­spre­chung nur gespro­chen wer­den, wenn ein Ver­trag inner­halb des tat­säch­lich gege­be­nen Rah­mens oder inner­halb der wirk­lich gewoll­ten Ver­ein­ba­run­gen der Par­tei­en eine ersicht­li­che Lücke auf­weist. Die rich­ter­li­che Ver­trags­er­gän­zung darf aber nicht zu einer Erwei­te­rung des Ver­trags­ge­gen­stan­des füh­ren 2. Denn im Wege der ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung darf ledig­lich der Ver­trags­in­halt, nicht hin­ge­gen der Ver­trags­wil­le ergänzt wer­den 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Juni 2014 – III ZR 299/​13

  1. z.B. BGH, Urteil vom 24.01.2008 – III ZR 79/​07, WM 2008, 1886 Rn. 14 f mwN[]
  2. z.B. BGH, Urtei­le vom 10.02.2009 aaO Rn. 24 mwN; und vom 10.07.1963 – VIII ZR 204/​61, BGHZ 40, 91, 103[]
  3. BGH, Urteil vom 10.02.2009 aaO mwN[]