Eigen­be­darfs­kün­di­gung

Wel­che Anfor­de­run­gen sind an die Begrün­dung einer Eigen­be­darfs­kün­di­gung des Ver­mie­ters zu stel­len? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen – und sei­ner Mei­nung nach über­zo­ge­nen Anfor­de­run­gen eine Absa­ge erteilt:

Eigen­be­darfs­kün­di­gung

Anlass hier­für bot ihm ein Fall aus Essen: Die Beklag­ten sind seit dem Jahr 1999 Mie­ter einer 158 m² gro­ßen Woh­nung der Klä­ger, wel­che die Kün­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses mit der Begrün­dung erklärt hat­ten, ihre Toch­ter, die bis­her eine 80 qm gro­ße Woh­nung in der benach­bar­ten Dop­pel­haus­hälf­te bewoh­ne, benö­ti­ge die grö­ße­re Woh­nung der Beklag­ten, um dort mit ihrem Lebens­ge­fähr­ten einen gemein­sa­men Haus­stand zu begrün­den.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Essen hat der Räu­mungs­kla­ge statt­ge­ge­ben 1, das Land­ge­richt Essen hat sie unter Abän­de­rung des erst­in­stanz­li­chen Urteils abge­wie­sen 2. Die vom Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­ne Revi­si­on, mit der die Klä­ger die Wie­der­her­stel­lung des amts­ge­richt­li­chen Räu­mungs­ur­teils erstre­ben, hat­te Erfolg:

Nach dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs war es nicht erfor­der­lich, den Lebens­ge­fähr­ten in dem Kün­di­gungs­schrei­ben nament­lich zu benen­nen. Das Begrün­dungs­er­for­der­nis in § 573 Abs. 3 BGB soll gewähr­leis­ten, dass der Kün­di­gungs­grund der­art kon­kre­ti­siert ist, dass er von ande­ren Kün­di­gungs­grün­den unter­schie­den wer­den kann. Die­se Kon­kre­ti­sie­rung ermög­licht es dem Mie­ter, der die Kün­di­gung nicht hin­neh­men will, sei­ne Ver­tei­di­gung auf den ange­ge­be­nen Kün­di­gungs­grund aus­zu­rich­ten, denn eine Aus­wech­se­lung des Kün­di­gungs­grun­des ist dem Ver­mie­ter ver­wehrt.

Im Fal­le der Eigen­be­darfs­kün­di­gung genügt es, die Eigen­be­darfs­per­son – hier die Toch­ter – iden­ti­fi­zier­bar zu benen­nen und das Inter­es­se dar­zu­le­gen, das die­se an der Erlan­gung der Woh­nung hat. Inso­weit reicht die Anga­be, dass die Toch­ter in die grö­ße­re Woh­nung der Beklag­ten zie­hen wol­le, um dort mit ihrem Lebens­ge­fähr­ten einen gemein­sa­men Haus­stand zu begrün­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. April 2014 – – VIII ZR 284/​13

  1. AG Essen, Urteil vom 26.04.2013 – 19 C 459/​13[]
  2. LG Essen, Urteil vom 08.08.2013 – 10 S 244/​13[]