Eigen­be­darfs­kün­di­gung

Kün­digt der Ver­mie­ter eine Woh­nung, so hat er gemäß § 573 Abs. 3 BGB in dem Kün­di­gungs­schrei­ben die Grün­de anzu­ge­ben, aus denen sich sein berech­tig­tes Inter­es­se an der Kün­di­gung – also etwa der Eigen­be­darf – ergibt. Neben der Fra­ge, ob die­se Grün­de wirk­lich vor­lie­gen, ist in den nach­fol­gen­den Räu­mungs­pro­zes­sen auch oft­mals strei­tig, ob die Anga­ben in dem Kün­di­gungs­schrei­ben aus­rei­chen oder ob der Ver­mie­ter die Grün­de aus­führ­li­cher hät­te dar­stel­len müs­sen. Kon­kret bei der Eigen­be­darfs­kün­di­gung stellt sich damit die Fra­ge, in wel­chem Umfang der Ver­mie­ter sei­ne kon­kre­te Lebens­si­tua­ti­on (bzw. die sei­ner Ange­hö­ri­gen) dar­stel­len muss, um den Eigen­be­darf zu begrün­den.

Eigen­be­darfs­kün­di­gung

Zu die­ser Fra­ge hat nun der Bun­des­ge­richts­hof in einem bei ihm anhän­gi­gen Revi­si­ons­ver­fah­ren Stel­lung genom­men und dabei die Anfor­de­run­gen an das ver­mie­ter­sei­ti­ge Kün­di­gungs­schrei­ben nur nied­rig ange­setzt:

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ist die Beklag­te Mie­te­rin einer Ein­zim­mer­woh­nung der Klä­ger in Mün­chen. Mit Schrei­ben vom 29. April 2008 kün­dig­ten die Klä­ger das Miet­ver­hält­nis wegen Eigen­be­darfs eines der Klä­ger zum 31. Janu­ar 2009. In dem Kün­di­gungs­schrei­ben wur­de von ihnen aus­ge­führt, dass die­se nach Been­di­gung eines Aus­lands­stu­di­en­jahrs in Neu­see­land ihr Stu­di­um in Mün­chen fort­set­zen und einen eige­nen Haus­stand begrün­den wol­le. In ihr ehe­ma­li­ges Kin­der­zim­mer in der elter­li­chen Woh­nung kön­ne sie nicht zurück, weil dies inzwi­schen von ihrer Schwes­ter genutzt wer­de.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Amts­ge­richt Mün­chen hat der Räu­mungs­kla­ge der Klä­ger statt­ge­ge­ben 1. Auf die Beru­fung der Beklag­ten hat das Land­ge­richt Mün­chen I die Kla­ge mit der Begrün­dung abge­wie­sen, die Kün­di­gung sei schon aus for­mel­len Grün­den unwirk­sam, weil die Klä­ger die Grün­de für die Kün­di­gung nicht aus­rei­chend dar­ge­stellt hät­ten 2.

Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der Klä­ger hat­te nun vor dem Bun­des­ge­richts­hof Erfolg. Dem in § 573 Abs. 3 BGB ent­hal­te­nen Begrün­dungs­er­for­der­nis für eine Kün­di­gung des Ver­mie­ters wer­de Genü­ge getan, das Kün­di­gungs­schrei­ben den Kün­di­gungs­grund so bezeich­net, dass er iden­ti­fi­ziert und von ande­ren Grün­den unter­schie­den wer­den kann, ent­schied er Bun­des­ge­richts­hof. Dies ist vor­lie­gend der Fall. Bei einer Kün­di­gung wegen Eigen­be­darfs reicht es grund­sätz­lich aus, dass der Ver­mie­ter die Per­son bezeich­net, für die die Woh­nung benö­tigt wird, und das Inter­es­se dar­legt, das die­se Per­son an der Erlan­gung der Woh­nung hat. Zudem brau­chen Umstän­de, die dem Mie­ter bereits zuvor mit­ge­teilt wur­den oder die ihm sonst bekannt sind, im Kün­di­gungs­schrei­ben nicht noch­mals wie­der­holt zu wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Juli 2011 – VIII ZR 317/​10

  1. AG Mün­chen, Urteil vom 07.07.2009 – 411 C 4159/​09[]
  2. LG Mün­chen I, Urteil vom 24.11.2010 – 14 S 15600/​09[]