Eigen­be­darfs­kün­di­gung – und der Ver­gleich wegen der Mieterhöhung

Der in einem Miet­erhö­hungs­pro­zess nach Zugang der Kün­di­gungs­er­klä­rung des Ver­mie­ters geschlos­se­ne Pro­zess­ver­gleich steht der Wirk­sam­keit der Kün­di­gung nicht ent­ge­gen, sofern die­ser Ver­gleich, in wel­chem der Miter einer Erhö­hung der Net­to­kalt­mie­te für die Woh­nung zuge­stimmt hat, dahin­ge­hend aus­ge­legt wer­den kann, dass die kurz zuvor aus­ge­spro­che­ne Eigen­be­darfs­kün­di­gung von die­ser Ver­ein­ba­rung nicht berührt wer­den sollte.

Eigen­be­darfs­kün­di­gung – und der Ver­gleich wegen der Mieterhöhung

Bei Indi­vi­du­al­ver­ein­ba­run­gen und ‑erklä­run­gen darf deren Aus­le­gung durch den Tatrich­ter vom Revi­si­ons­ge­richt nur ein­ge­schränkt dar­auf­hin über­prüft wer­den, ob gesetz­li­che oder all­ge­mein aner­kann­te Aus­le­gungs­re­geln, die Denk­ge­set­ze oder all­ge­mei­ne Erfah­rungs­sät­ze ver­letzt sind, wesent­li­cher Aus­le­gungs­stoff außer Acht gelas­sen wor­den ist oder die Aus­le­gung auf mit der Revi­si­on gerüg­ten Ver­fah­rens­feh­lern beruht1. Der­ar­ti­ge Feh­ler sind dem Beru­fungs­ge­richt vor­lie­gend nicht unter­lau­fen2. Soweit die Revi­si­ons­er­wi­de­rung der Auf­fas­sung ist, die Wei­ter­ver­fol­gung der von ihm im Vor­pro­zess gefor­der­ten Miet­erhö­hung durch den Ver­mie­ter kön­ne nur so ver­stan­den wer­den, dass die Eigen­be­darfs­kün­di­gung vom 29.09.2016 ihrer­seits nicht mehr wei­ter­ver­folgt wer­de, und dass es bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tung außer­dem kei­nen Sinn mache, sich über einen gering­fü­gi­gen Miet­erhö­hungs­be­trag zu eini­gen, wenn auf der ande­ren Sei­te der Bestand des gesam­ten Miet­ver­hält­nis­ses mit allen nach­tei­li­gen Fol­gen für den Mie­ter wei­ter­hin im Streit ste­he, trifft dies nicht zu.

Im Gegen­teil liegt nahe, dass der Ver­mie­ter trotz aus­ge­spro­che­ner Eigen­be­darfs­kün­di­gung – die er zudem schrift­sätz­lich wie­der­hol­te – das wirt­schaft­lich nach­voll­zieh­ba­re Inter­es­se (weiter-)verfolgte, bis zur (nach wie vor aus­ste­hen­den) Ent­schei­dung über die Wirk­sam­keit der von ihm aus­ge­spro­che­nen Kün­di­gung eine Zustim­mung des Mie­ters zur dane­ben erstreb­ten Miet­erhö­hung zu erlan­gen, und dass die Par­tei­en die­sem Inter­es­se mit dem Ver­gleich Rech­nung getra­gen haben.

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Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. April 2021 – VIII ZR 6/​19

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 13.01.2021 – VIII ZR 66/​19 29; vom 20.02.2019 – VIII ZR 7/​18, BGHZ 221, 145 Rn. 31; vom 12.10.2016 – VIII ZR 55/​15, BGHZ 212, 248 Rn. 35[]
  2. LG Ber­lin, Urteil vom 24.09.2018 – 64 S 2/​18[]

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