Eigen­be­darfs­kün­di­gung – und die Alternativwohnung

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, stellt eine Eigen­be­darfs­kün­di­gung mit Blick auf die in Art. 14 Abs. 1 GG gewähr­leis­te­te Rechts­stel­lung des Eigen­tü­mers und ange­sichts der von den Gerich­ten grund­sätz­lich zu ach­ten­den Lebens­pla­nung selbst im Fall vor­han­de­ner Alter­na­tiv­woh­nun­gen kei­nen Rechts­miss­brauch dar, wenn der Ver­mie­ter ver­nünf­ti­ge und nach­voll­zieh­ba­re Grün­de für das Fest­hal­ten an der Eigen­be­darfs­kün­di­gung anfüh­ren kann1.

Eigen­be­darfs­kün­di­gung – und die Alternativwohnung

Vor die­sem Hin­ter­grund konn­te vom Ver­mie­ter erst recht nicht ver­langt wer­den, dass er das Vor­han­den­sein einer mög­li­chen Alter­na­tiv­woh­nung über­haupt erst dadurch ermög­lich­te, dass er bereits im Som­mer 2015 – mit­hin über ein Jahr vor Aus­spruch der Kün­di­gung und über zwei Jah­re vor dem beab­sich­tig­ten Ein­zug der Toch­ter in die vom Mie­ter bewohn­ten Räum­lich­kei­ten – eine ande­re Woh­nung nur befris­tet ver­mie­te­te, nur weil es vor län­ge­rer Zeit – im Jahr 2013 – Plä­ne gege­ben hat­te, dass sei­ne Toch­ter nach dem Abitur dort ein­zie­hen könnte.

Es kann daher kein rechts­miss­bräuch­li­ches Ver­hal­ten des Ver­mie­ters dar­in erblickt wer­den, dass er eine ande­re in sei­nem Eigen­tum ste­hen­de (hier:) 1,5‑Zimmerwohnung im Som­mer 2015 nicht nach § 575 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BGB befris­tet ver­mie­tet hat, um die­se sei­ner Toch­ter – statt der vom Mie­ter bewohn­ten Woh­nung – ab Herbst 2017 zur Ver­fü­gung stel­len zu können.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. April 2021 – VIII ZR 6/​19

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 11.12.2019 – VIII ZR 144/​19, NJW 2020, 1215 Rn. 18; vom 04.03.2015 – VIII ZR 166/​14, BGHZ 204, 216 Rn. 16[]

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