Eigen­be­darfs­kün­di­gung – und die Anschluss­re­vi­si­on des Mieters

An der für die Anschluss­re­vi­si­on erfor­der­li­chen Beschwer des Anschluss­re­vi­si­ons­klä­gers fehlt es, wenn das Beru­fungs­ge­richt von der Wirk­sam­keit einer die­sem gegen­über aus­ge­spro­che­nen Kün­di­gung (hier: wegen Eigen­be­darfs) aus­ge­gan­gen ist und des­sen Kla­ge­ab­wei­sungs­be­geh­ren allein des­halb ent­spro­chen hat, weil es eine Fort­set­zung des Miet­ver­hält­nis­ses auf unbe­stimm­te Zeit zu den bis­he­ri­gen Ver­trags­be­din­gun­gen nach §§ 574, 574a BGB bestimmt hat.

Eigen­be­darfs­kün­di­gung – und die Anschluss­re­vi­si­on des Mieters

Die auf eine „unein­ge­schränk­te“ Kla­ge­ab­wei­sung (wegen for­mel­ler und mate­ri­el­ler Unwirk­sam­keit der Eigen­be­darfs­kün­di­gung vom 29.09.2016) gerich­te­te Anschluss­re­vi­si­on (§ 554 ZPO) des Mie­ters ist daher in einen sol­chen Fall bereits unzu­läs­sig, da die­ser durch das ange­foch­te­ne Urteil nicht beschwert ist.

Der Revi­si­ons­be­klag­te kann sich dem Rechts­mit­tel des Geg­ners nur anschlie­ßen, wenn und soweit ihn das Beru­fungs­ur­teil beschwert1. Dies setzt vor­aus, dass das Beru­fungs­ur­teil zu sei­nen Guns­ten abge­än­dert wer­den kann2. Unzu­läs­sig ist daher die Anschlie­ßung mit einem Antrag, der dem bereits in der Vor­in­stanz zuer­kann­ten Kla­ge­an­trag ent­spricht3.

So liegt es aber hier, denn das Beru­fungs­ge­richt hat die vom Amts­ge­richt aus­ge­spro­che­ne Kla­ge­ab­wei­sung – wenn auch aus ande­ren recht­li­chen Grün­den – bestä­tigt. Das Amts­ge­richt hat die Kla­ge auf Räu­mung und Her­aus­ga­be der von dem Mie­ter ange­mie­te­ten Woh­nung mit der Begrün­dung abge­wie­sen, die aus­ge­spro­che­ne Eigen­be­darfs­kün­di­gung sei aus for­mel­len und mate­ri­el­len Grün­den unwirk­sam und das Miet­ver­hält­nis damit nicht been­det wor­den. Das Beru­fungs­ge­richt hat dem­ge­gen­über zuguns­ten des Ver­mie­ters die Kün­di­gung für begrün­det erach­tet. Es hat dann aber auf den von dem Mie­ter im Wege des Wider­spruchs gegen die Kün­di­gung erho­be­nen Anspruch auf Ver­trags­fort­set­zung nach §§ 574, 574a BGB – wie nach mate­ri­el­lem Recht (§ 574 Abs. 2 Satz 1 BGB: „durch Urteil bestimmt“) und nach der Pro­zess­vor­schrift des § 308a ZPO von Amts wegen für den Fall des Bestehens eines Fort­set­zungs­an­spruchs vor­ge­se­hen („hat es in dem Urteil auch ohne Antrag aus­zu­spre­chen“) – die Fort­set­zung des Miet­ver­hält­nis­ses ange­ord­net. Durch die­se Ent­schei­dung ist der Mie­ter, der mit sei­ner Anschluss­re­vi­si­on eine „unein­ge­schränk­te“ Kla­ge­ab­wei­sung im Sin­ne des amts­ge­richt­li­chen Urteils her­bei­füh­ren möch­te, indes nicht beschwert. Denn das Beru­fungs­ge­richt hat – zwar mit ande­rem recht­li­chen Ansatz, aber im Ergeb­nis im Ein­klang mit dem Amts­ge­richt – das Miet­ver­hält­nis eben­falls als fort­be­stehend ange­se­hen und dem­zu­fol­ge ledig­lich die vom Amts­ge­richt aus­ge­spro­che­ne Kla­ge­ab­wei­sung bestä­tigt4. Selbst wenn die recht­li­che Beur­tei­lung der Wirk­sam­keit der Eigen­be­darfs­kün­di­gung durch das Beru­fungs­ge­richt inso­weit rechts­feh­ler­haft wäre, könn­te der Mie­ter daher kei­ne Abän­de­rung des Beru­fungs­ur­teils zu sei­nen Guns­ten errei­chen. Schließ­lich ergibt sich die Beschwer des Mie­ters auch nicht dar­aus, dass das Beru­fungs­ur­teil auf die Revi­si­on des Ver­mie­ters auf­zu­he­ben ist; denn die Beschwer muss aus dem ange­foch­te­nen Urteil, nicht aus der Besei­ti­gung die­ses Urteils durch das Revi­si­ons­ge­richt fol­gen5. Die im Rah­men der Anschluss­re­vi­si­ons­be­grün­dung vor­ge­brach­ten Rügen der Revi­si­ons­er­wi­de­rung hat der Bun­des­ge­richts­hof aller­dings – wie aus­ge­führt – voll­stän­dig im Rah­men der Revi­si­on des Beru­fungs­ur­teils berücksichtigt.

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Berufungsfrist - und das Empfangsbekenntnis über die Urteilszustellung

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. April 2021 – VIII ZR 6/​19

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 22.01.2021 – V ZR 12/​19 53; vom 28.01.2011 – V ZR 147/​10, WM 2011, 1950 Rn. 29; vom 17.08.2011 – I ZR 108/​09, GRUR 2011, 1043 Rn. 22; vom 31.05.1995 – VIII ZR 267/​94, NJW 1995, 2563 unter II[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 31.05.1995 – VIII ZR 267/​94, aaO[]
  3. BGH, Urteil vom 22.01.2021 – V ZR 12/​19, aaO[]
  4. vgl. ins­be­son­de­re auch das BGH, Urteil vom 11.12.2019 – VIII ZR 144/​19, aaO Rn. 21 [zu § 528 ZPO][]
  5. BGH, Urtei­le vom 22.01.2021 – V ZR 12/​19, aaO Rn. 54; vom 31.05.1995 – VIII ZR 267/​94, aaO[]