Eigen­tums­auf­ga­be an einem Hund

Die Auf­ga­be des Eigen­tums an einem Hund ist nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts nicht mög­lich.

Eigen­tums­auf­ga­be an einem Hund

Ein ver­wil­der­ter Hund ohne fest­stell­ba­ren Besit­zer unter­liegt dem Fund­recht. Er ist nicht als her­ren­los zu behan­deln, weil die Auf­ga­be des Eigen­tums durch Besitz­auf­ga­be (Der­elik­ti­on, § 959 BGB) gegen das Ver­bot ver­stößt, ein in mensch­li­cher Obhut gehal­te­nes Tier aus­zu­set­zen, um sich sei­ner zu ent­le­di­gen (§ 3 Nr. 3 TierSchG). Eine Gemein­de, die einen sol­chen Hund an sich nimmt und in einem Tier­heim unter­bringt, erfüllt damit eine eige­ne Auf­ga­be als Fund­be­hör­de und kann von einer ande­ren Behör­de nicht den Ersatz ihrer Auf­wen­dun­gen ver­lan­gen.

Das ent­schied jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig in dem Rechts­streit einer Gemein­de gegen ihr Land­rats­amt: Geklagt hat­te eine Gemein­de, auf deren Gebiet ein ver­wil­der­ter Hund auf­ge­fun­den wur­de. Das Land­rats­amt, das Tier­schutz­be­hör­de ist, lehn­te es ab, den Hund unter­zu­brin­gen. Dar­auf kün­dig­te die Gemein­de an, das Tier selbst unter­zu­brin­gen und die Kos­ten dem beklag­ten Land­kreis in Rech­nung zu stel­len. Die­ser lehn­te es nach­fol­gend ab, der Gemein­de ihre Auf­wen­dun­gen für den Trans­port und die Unter­brin­gung des Hun­des zu erset­zen, weil es sich um ein Fund­tier gehan­delt habe.

In den Vor­in­stan­zen haben das Ver­wal­tungs­ge­richt Dres­den1 und das Säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Baut­zen2 die Kla­ge der Gemein­de abge­wie­sen. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat einen Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch der Gemein­de auf der Grund­la­ge einer öffent­lich-recht­li­chen Geschäfts­füh­rung ohne Auf­trag ver­neint, da sie als Fund­be­hör­de selbst für die Inob­hut­nah­me des Hun­des zustän­dig gewe­sen sei. Da das Eigen­tum an einem Tier wegen des tier­schutz­recht­li­chen Aus­set­zungs­ver­bots nicht wirk­sam auf­ge­ge­ben wer­den kön­ne, sei der Hund als Fund­tier zu behan­deln. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die­se Ent­schei­dung nun bestä­tigt:

Zu Recht habe das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die Mög­lich­keit der Auf­ga­be des Eigen­tums an dem Hund ver­neint und ihn damit als Fund­tier behan­delt, ent­schied das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt. Indem die Gemein­de den Hund an sich genom­men und unter­ge­bracht hat, hat sie eine eige­ne Auf­ga­be als Fund­be­hör­de wahr­ge­nom­men, deren Auf­wen­dun­gen sie selbst zu tra­gen habe.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 26. April 2018 – 3 C 24.16

  1. VG Dres­den, Urteil vom 29.05.2015 – 6 K 994/​12 []
  2. Sächs. OVG, Urteil vom 21.09.2016 – 3 A 549/​15 []