Eigen­tums­ver­mu­tung für den beschenk­ten Besit­zer

Die Eigen­tums­ver­mu­tung des § 1006 BGB für den Besit­zer fin­det auch dann Anwen­dung, wenn der Besit­zer behaup­tet, das Eigen­tum im Wege der Schen­kung erwor­ben zu haben.

Eigen­tums­ver­mu­tung für den beschenk­ten Besit­zer

Zwar wird ver­tre­ten, dass die Norm bei einem behaup­te­ten Erwerb im Wege der Schen­kung nicht ein­grei­fe 1; dies bezieht sich vor allem auf das Ver­hält­nis zwi­schen dem Besit­zer und dem ver­meint­li­chen Schen­ker.

Nach der ganz über­wie­gen­den Ansicht ist der behaup­te­te Erwerbs­tat­be­stand für die Anwend­bar­keit des § 1006 BGB aber ohne Bedeu­tung 2.

Dies ent­spricht dem Wort­laut der Norm und ihrem sachen­recht­li­chen Cha­rak­ter; das Eigen­tum wird auf­grund des Besit­zes und unab­hän­gig von dem Erwerbs­tat­be­stand ver­mu­tet.

Die Dar­le­gungs- und Beweis­last für den Besitz an der Sache im Sin­ne von § 1006 BGB trifft den­je­ni­gen, der sich auf die Eigen­tums­ver­mu­tung beruft, hier also (gemäß § 1006 Abs. 2 BGB) den Klä­ger, der sei­nen frü­he­ren Besitz behaup­tet 3; sein Vor­trag ist nur schlüs­sig, wenn er tat­säch­li­che Umstän­de dar­legt, aus denen sich sein Besitz ergibt.

Soll­ten sich die Gegem­stän­de bei der Über­ga­be im Haus des (ver­meint­lich) Beschenk­ten befun­den haben, wäre er in die­sem Zeit­punkt Besit­zer gewe­sen. Folg­lich strit­te die Eigen­tums­ver­mu­tung gemäß § 1006 Abs. 2 BGB für ihn. Über den Wort­laut von § 1006 Abs. 2 BGB hin­aus wird zuguns­ten des frü­he­ren Besit­zers auch die Rechts­fort­dau­er ver­mu­tet. Die Ver­mu­tung tritt nur dann zurück, wenn sich ein spä­te­rer Besit­zer auf § 1006 Abs. 1 oder Abs. 2 BGB beru­fen kann 4. Dies gilt nicht für jeman­den, der – anschlie­ßend an die­sen Besitz – nur Fremd­be­sit­zer gewe­sen ist 5.

Die Eigen­tums­ver­mu­tung ist erst als wider­legt anzu­se­hen, wenn Umstän­de bewie­sen wer­den, die das Eigen­tum des Geg­ners der Ver­mu­tung wahr­schein­li­cher erschei­nen las­sen als das Eigen­tum des gegen­wär­ti­gen Besit­zers. Die Eigen­tums­ver­mu­tung kann aller­dings auch auf ande­re Wei­se wider­legt wer­den 6. Ins­be­son­de­re ist es aus­rei­chend, wenn die von dem Besit­zer behaup­te­ten Erwerbs­tat­sa­chen – hier also die Schen­kung – wider­legt wer­den 7. Es ist nicht erfor­der­lich, dass alle denk­ba­ren ande­ren Erwerbs­tat­be­stän­de wider­legt wer­den 8. Nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung dür­fen kei­ne hohen Anfor­de­run­gen an die Wider­le­gung der Ver­mu­tung gestellt wer­den 9.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. Janu­ar 2015 – V ZR 63/​13

  1. Wacke, AcP 191 [1991] 14 ff.; Wil­helm, Sachen­recht, 4. Aufl., Rn. 1002 Fn. 1753[]
  2. Münch­Komm-BGB/Bal­dus, 6. Aufl., § 1006 Rn. 63; Staudinger/​Gursky, BGB [2013], § 1006 Rn. 47; vgl. auch BGH, Urteil vom 19.01.1994 – IV ZR 207/​92, WM 1994, 425 ff.; BVerwG, NJW 2003, 689, 690[]
  3. vgl. Palandt/​Bassenge, BGB, 74. Aufl., § 1006 Rn. 1[]
  4. näher Palandt/​Bassenge, BGB, 74. Aufl., § 1006 Rn. 5 mwN[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 16.10.2003 – IX ZR 55/​02, NJW 2004, 217, 219[]
  6. näher NK-BGB/­Sch­an­ba­cher, 2. Aufl., § 1006 Rn. 5; Staudinger/​Gursky, BGB [2013], § 1006 Rn. 47[]
  7. vgl. BVerwG, NJW 2003, 689, 690; Münch­Komm-BGB/Bal­dus, 6. Aufl., § 1006 Rn. 45, 61; Staudinger/​Gursky, BGB [2013], § 1006 Rn. 48[]
  8. BGH, Urteil vom 19.01.1977 – VIII ZR 42/​75, MDR 1977, 661; BVerwG, NJW 2003, 689, 690[]
  9. BGH, Urteil vom 15.11.2001 – I ZR 158/​99, NJW 2002, 3106, 3108, inso­weit in BGHZ 149, 337 ff. nicht abge­druckt; Urteil vom 19.01.1977 – VIII ZR 42/​75, MDR 1977, 661; Münch­Komm-BGB/Bal­dus, 6. Aufl., § 1006 Rn. 60[]