Ein Bein kür­zer

Bei einer Hüft­ge­lenk­ope­ra­ti­on kann es zu einer Bein­län­gen­dif­fe­renz von 1 bis 1,5 cm kom­men, ohne dass hier­in ein Behand­lungs­feh­ler zu sehen wäre, ins­be­son­de­re wenn wäh­rend der Ope­ra­ti­on eine Bein­län­gen­kon­trol­le erfolg­te.

Ein Bein kür­zer

In einem vom Amts­ge­richt Mün­chen ent­schie­de­nen Fall wur­de der spä­te­re Beklag­te im Novem­ber 2003 am rech­ten Hüft­ge­lenk ope­riert. Dafür wur­den ihm vom ope­rie­ren­den Arzt 2845,49 Euro in Rech­nung gestellt. Der Pati­ent bezahl­te aller­dings nicht. Schließ­lich sei nach der Ope­ra­ti­on sein rech­tes Bein 1,5 cm kür­zer als das lin­ke. Die Ope­ra­ti­on sei daher nicht kunst­ge­recht aus­ge­führt. Dem wider­sprach der Ope­ra­teur. Er habe die Bein­län­ge wäh­rend der Ope­ra­ti­on über­prüft und sich nichts zuschul­den kom­men las­sen. Nach­dem der Pati­ent immer noch nicht zahl­te, erhob der Arzt Kla­ge vor dem AG Mün­chen. Der zustän­di­ge Rich­ter gab ihm nach Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens Recht und ver­ur­teil­te den Pati­en­ten zur Zah­lung:

Auf Grund des vor­lie­gen­den Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens ste­he zur Über­zeu­gung des Gerichts fest, das ein Behand­lungs­feh­ler nicht vor­lie­ge. Der Sach­ver­stän­di­ge habe nach­voll­zieh­bar vor­ge­tra­gen, dass eine Bein­län­gen­dif­fe­renz von 1 bis 1,5 cm bei einem hohen Pro­zent­satz der ope­rier­ten Pati­en­ten typisch sei. Sofern, wie hier, wäh­rend der Ope­ra­ti­on eine Bein­län­gen­kon­trol­le erfol­ge, lie­ge eine Pflicht­ver­let­zung sei­tens des Arz­tes nicht vor.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 23. Sep­tem­ber 2008 – 154C 24159/​04