Ein Fest­tag fürs BGB

Reichsgesetzblatt 1896 Seite 195

Ein Fest­tag fürs BGBHeu­te vor 115 Jah­ren – am 24. August 1896 – erschien die Aus­ga­be des Reichs­ge­setz­blat­tes, die das Bür­ger­li­che Gesetz­buch ent­hielt, das dann am 1. Janu­ar 1900 in Kraft trat. Damit gab es zum ers­ten Mal auf dem Gebiet des Deut­schen Rei­ches ein ein­heit­li­ches Gesetz. Die Rechts­zer­split­te­rung hat­te ein Ende: Das Preu­ßi­sche All­ge­mei­ne Land­recht (1794), der Code Civil(1804), der Codex Maxi­mi­lia­neus Bava­ri­cus Civi­lis (1756) oder auch der Sach­sen­spie­gel – um nur eini­ge Geset­ze zu nen­nen – waren pas­sé. Im gesam­ten Reichs­ge­biet hat­te das Bür­ger­li­che Gesetz­buch Gül­tig­keit. Dabei ver­stand man unter dem Begriff „Bür­ger” nicht die stan­des­recht­li­che Ein­glie­de­rung zwi­schen Bau­ern und Adel son­dern es war der Zivi­list und Pri­vat­mann gemeint, des­sen Rech­te hier for­mu­liert wor­den sind (Zivil­recht, Pri­vat­recht).

Nicht zu ver­ges­sen ist in die­sem Zusam­men­hang, dass zum ers­ten Mal auch die Gleich­be­rech­ti­gung der Frau auf dem Gebiet der Geschäfts­fä­hig­keit Ein­zug in das Bür­ger­li­che Gesetz­buch hielt.

BGB 1896

Mit sei­ner Kodi­fi­ka­ti­on der pri­va­ten Rechts­be­zie­hun­gen ist das Bür­ger­li­che Gesetz­buch bis in die heu­ti­ge Zeit mit­ge­gan­gen. Trotz eines schwie­ri­gen Starts durch die Bera­tung in zwei Juris­ten­kom­mis­sio­nen, ist es aber nicht unter zu krie­gen. Im Lau­fe der Zeit sind vie­le Ände­run­gen vor­ge­nom­men wor­den. In der Kai­ser­zeit wur­de durch die Gerich­te das BGB z.B. um die posi­ti­ve Ver­trags­ver­let­zung erwei­tert. Die Wei­ma­rer Repu­blik steu­er­te u.a. Schutz­vor­schrif­ten im Arbeits­recht bei. Im 3. Reich ent­ging das BGB der Ablö­sung durch ein Volks­ge­setz­buch – es ent­ging aber nicht weit­rei­chen­den Ände­run­gen wie z.B. die Her­aus­nah­me des Ehe­rechts. Die­se Ände­run­gen wur­den nach 1945 wie­der besei­tigt.

Das BGB nahm in der DDR und in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land eine unter­schied­li­che Ent­wick­lung. Erst mit der Wie­der­ver­ei­ni­gung Deutsch­lands 1990 ist das BGB wie­der gesamt­deut­sches Recht gewor­den. Sein jüngs­ter grund­le­gen­der Ein­schnitt erfolg­te mit der Schuld­rechts­re­form 2002. Es wird bestimmt nicht die letz­te Ände­rung gewe­sen sein.

Sieht man über die Gren­zen hin­weg, ste­hen wir gar nicht so schlecht mit unse­rem BGB dar: Das schwei­ze­ri­sche Zivil­ge­setz­buch von 1907 baut auf das BGB auf, Grie­chen­land hat es als Vor­bild für sein Zivil­recht genom­men und Japan hat sogar eine Ent­wurfs­fas­sung gering­fü­gig ver­än­dert über­nom­men.

Letzt­end­lich ist das BGB mit sei­nen 115 Jah­ren wand­lungs­fä­hig aber stand­haft.

Scha­de nur, dass die hohe Gesetz­ge­bungs­qua­li­tät des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches nicht bei allen Refor­men durch­ge­hal­ten wur­de.