Ein miss­lun­ge­ner Fri­seur­be­such

Für einen Schmer­zens­geld­an­spruch nach einem Fri­seur­be­such ist es nicht aus­rei­chend, dass ledig­lich ein per­sön­li­cher Wunsch der Kun­din miss­ach­tet wor­den ist – selbst wenn die­se Miss­ach­tung mit Ver­är­ge­rung oder Ent­täu­schung ver­bun­den ist. Viel­mehr müs­sen für einen Schmer­zens­geld­an­spruch infol­ge der Haar­be­hand­lung dau­er­haf­te Schä­den am Haar oder der Kopf­haut ver­ur­sacht wor­den sein.

Ein miss­lun­ge­ner Fri­seur­be­such

So die Ent­schei­dung des Amts­ge­richts Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Kun­din eines Fri­seur­sa­lons, die mit dem Aus­se­hen nach dem Fri­seur­be­such nicht zufrie­den war. Sie woll­te eine Haar­fär­bung und ein Kür­zen ihrer Spit­zen. Der Fri­seu­rin gegen­über bat sie dar­um, dass vor allem am Deck­haar nur ein hal­ber Zen­ti­me­ter weg­ge­schnit­ten wer­den soll­te, da sie von Natur aus über sehr dün­nes und fei­nes Haar ver­fü­ge. Die Kun­din beob­ach­te­te den gesam­ten Schnei­de­vor­gang und erhob zu kei­nem Zeit­punkt Ein­wän­de. Am Ende zeig­te sie sich zufrie­den mit der Haar­far­be und der Haar­län­ge und ver­zich­te­te wegen eines anschlie­ßen­den Ter­mins bei der Kos­me­ti­ke­rin auf das Föh­nen.

Zwei Tage spä­ter erschien sie aller­dings wie­der im Salon und beschwer­te sich. Die Haa­re sei­en zu kurz geschnit­ten wor­den, sie habe jetzt rich­ti­ge Löcher, durch die man die Kopf­haut sehe. Sie ver­lang­te ein Schmer­zens­geld von der Fri­seu­rin. Die­se wei­ger­te sich zu bezah­len. Schließ­lich habe sie die Haa­re ord­nungs­ge­mäß geschnit­ten. Dar­auf­hin erhob die Kun­din Kla­ge vor dem Amts­ge­richt Mün­chen.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts kämen Schmer­zens­geld­an­sprü­che nach einem Fri­seur­be­such in Betracht, wenn infol­ge der Haar­be­hand­lung dau­er­haf­te Schä­den am Haar oder der Kopf­haut ver­ur­sacht wur­den. Dies lie­ge hier nicht vor. Die blo­ße Miss­ach­tung eines per­sön­li­chen Wun­sches einer Kun­din, selbst wenn die­se mit Ver­är­ge­rung oder Ent­täu­schung ver­bun­den sei, genü­ge für einen Schmer­zens­geld­an­spruch nicht. Die­ser kom­me allen­falls noch in Betracht, wenn das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht der Kun­din so beein­träch­tigt sei, dass sie durch einen völ­lig miss­lun­ge­nen Haar­schnitt qua­si „ent­stellt“ sei. Dafür sei aber vor­lie­gend eben­falls nichts ersicht­lich.

Das Gericht habe sich durch Inaugen­sch­ein­nah­me der Kopf­haut der Klä­ge­rin ein Bild davon ver­schaf­fen kön­nen, dass deren Kopf­haut aus jedem Blick­win­kel durch­schei­ne und deut­lich sicht­bar sei. Die­ses Durch­schei­nen resul­tie­re daher aus dem indi­vi­du­el­len Haar­zu­stand der Klä­ge­rin und nicht aus dem Haar­schnitt der Beklag­ten. Dass die Kopf­haut nach einem Besuch beim Fri­seur dann noch stär­ker zu sehen sei, lie­ge in der Natur der Sache. Eine Ver­let­zung des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts der Kun­din sei dar­in nicht zu sehen.

Dar­über hin­aus habe die Klä­ge­rin den gesam­ten Schnei­de­vor­gang auch beob­ach­tet. Da sie kei­ner­lei Ein­wän­de vor­ge­bracht habe, habe die Beklag­te anneh­men müs­sen, dass die vor­ge­nom­me­ne Kür­zung sich im Rah­men des Wun­sches der Klä­ge­rin beweg­te. Auf Grund die­ses Mit­ver­schul­dens der Kun­din käme ein Schmer­zes­geld­an­spruch eben­falls nicht in Betracht.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 7. Okto­ber 2011 – 173 C 15875/​11