Ein­deu­tig unzu­läs­si­ge oder rechts­miss­bräuch­li­che Rich­terab­leh­nun­gen

Bei ein­deu­tig unzu­läs­si­gen oder rechts­miss­bräuch­li­chen Ableh­nungs­ge­su­chen sind die abge­lehn­ten Rich­ter an der wei­te­ren Mit­wir­kung nicht gehin­dert. In die­sen Fäl­len ent­schei­det abwei­chend vom Wort­laut des § 45 Abs. 1 ZPO das Gericht unter Mit­wir­kung der abge­lehn­ten Rich­ter [1] und ohne Ein­ho­lung einer dienst­li­chen Äuße­rung des abge­lehn­ten Rich­ters [2].

Ein­deu­tig unzu­läs­si­ge oder rechts­miss­bräuch­li­che Rich­terab­leh­nun­gen

Ein­deu­tig unzu­läs­sig ist ein Ableh­nungs­ge­such, wenn es sich wie hier gegen den gesam­ten Spruch­kör­per eines Gerichts rich­tet. Nach § 42 ZPO kann nur ein ein­zel­ner Rich­ter, nicht aber das Gericht als sol­ches oder eine Gerichts­ab­tei­lung abge­lehnt wer­den [3].

Das glei­che gilt, wenn mit dem Ableh­nungs­ge­such pau­schal die Rich­ter abge­lehnt wer­den, die an der dem Ableh­nungs­ge­such vor­aus­ge­gan­ge­nen Gerichts­ent­schei­dung mit­ge­wirkt haben, ohne kon­kre­te Anhalts­punk­te vor­zu­brin­gen, die bei ver­nünf­ti­ger objek­ti­ver Betrach­tung auf eine Befan­gen­heit der Mit­glie­der des Spruch­kör­pers deu­ten könn­ten [4].

So läge es im hier ent­schie­de­nen Fall, falls das Ableh­nungs­ge­such so aus­zu­le­gen sein soll­te, dass damit die Rich­ter abge­lehnt wer­den sol­len, die an dem BGH, Beschluss vom 10.07.2018 [5] mit­ge­wirkt haben. Durch die­sen Beschluss ist in einem vor­aus­ge­gan­ge­nen Ver­fah­ren die dor­ti­ge Rechts­be­schwer­de der Antrag­stel­le­rin gegen die Zurück­wei­sung der sofor­ti­gen Beschwer­de gegen die Ableh­nung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe für eine Fest­stel­lungs­kla­ge man­gels Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de durch das Beschwer­de­ge­richt gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1, § 577 Abs. 1 Satz 1 ZPO wegen Unstatt­haf­tig­keit als unzu­läs­sig ver­wor­fen wor­den. Die­se Ent­schei­dung ergab sich aus den vor­ge­nann­ten Vor­schrif­ten, ohne dass dem Bun­des­ge­richts­hof ein Wer­tungs­spiel­raum zuge­stan­den hät­te, er dar­über hin­aus auf den Gegen­stand des Ver­fah­rens hät­te ein­ge­hen müs­sen oder es sonst einer inhalt­li­chen Betrach­tung der Umstän­de des Ein­zel­fal­les bedurft hät­te [6]. Unter die­sen Umstän­den erge­ben sich aus dem Ableh­nungs­ge­such der Antrag­stel­le­rin, ins­be­son­de­re aus ihrer Behaup­tung, der Bun­des­ge­richts­hof hät­te dem Amts­er­mitt­lungs­grund­satz fol­gen und auf ver­schie­de­ne, ihrem mate­ri­ell­recht­li­chen Begeh­ren zugrun­de lie­gen­de Umstän­de ein­ge­hen müs­sen, kei­ne Anhalts­punk­te, die geeig­net erschei­nen könn­ten, bei ver­nünf­ti­ger Betrach­tung aller Umstän­de die Befürch­tung zu wecken, die abge­lehn­ten Rich­ter hät­ten der Sache nicht unvor­ein­ge­nom­men und damit nicht unpar­tei­isch gegen­über gestan­den [7].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Juli 2019 – XI ZB 13/​19

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 20.07.2016 – VIII ZA 32/​15 2; vom 17.01.2018 – V ZB 214/​17 3 mwN; und vom 20.03.2018 – I ZB 104/​17 4 ff.[]
  2. BVerfG, NVwZ 2006, 924, 925; BVerfG, Beschluss vom 20.05.2019 2 BvC 3/​18 2; BGH, Beschlüs­se vom 17.01.2018, aaO; und vom 20.03.2018, aaO Rn. 5; BFHE 201, 483, 485[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 07.11.1973 – VIII ARZ 14/​73, NJW 1974, 55, 56; vom 04.02.2002 – II ARZ 1/​01, NJW-RR 2002, 789; vom 06.06.2016 – V ZA 35/​15 3; vom 17.01.2018 – V ZB 214/​17 4; und vom 20.03.2018 – I ZB 104/​17 6[]
  4. BGH, Beschluss vom 17.01.2018 – V ZB 214/​17 4; BFH, Beschluss vom 20.11.2009 – III S 20/​09 4[]
  5. XI ZB 7/​18[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 20.07.2016 – VIII ZA 32/​15 4[]
  7. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 08.02.2014 – VIII ZR 271/​13 7; und vom 20.07.2016, aaO[]