Eine sport­li­che Rad­tour für Fortgeschrittene

Sind im Rei­se­ver­trag bezüg­lich einer Moun­tain­bike – Tour kei­ne bestimm­ten Anga­ben über Stre­cken­füh­rung, Gesamt­län­ge noch über die zu absol­vie­ren­den Höhen­me­ter ent­hal­ten, son­dern ledig­lich unge­naue Anga­ben, so recht­fer­tigt die Unter­schrei­tung die­ser unge­fäh­ren Anga­ben kei­ne Min­de­rung des Reisepreises.

Eine sport­li­che Rad­tour für Fortgeschrittene

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Nürn­ber­ger Moun­tain­bi­kers auf Rück­zah­lung von 40 Pro­zent des Rei­se­prei­ses abge­wie­sen. Die rad­rei­se­ver­an­stal­ten­de Fir­ma aus dem süd­öst­li­chen Münch­ner Land­kreis soll­te an den Klä­ger und zwei wei­te­re Rei­se­teil­neh­mer ins­ge­samt 1.258,80 Euro zurück­zah­len. Die drei Män­ner hat­ten eine vom 02.09. – 08.09.2018 geführ­te „Tran­salp Moun­tain Rad Tour“ von Grain­au bei Gar­misch zum Gar­da­see gebucht. Aus­ge­schrie­ben war im Medi­um Seg­ment eine sport­li­che Rad­tour abseits der Pis­ten für Fort­ge­schrit­te­ne mit sehr guter Kon­di­ti­on und guter Bik­e­be­herr­schung von ins­ge­samt ca. 400 km bei ca. 10.700 Höhen­me­tern über sechs Etap­pen und Über­nach­tun­gen in Ehr­wald, Prutz, Glurns, Andri­an sowie Molveno.

Der Klä­ger und sei­ne Beglei­ter rügen, es sei­en nur 364 km bei 8.566 Höhen­me­ter, davon gan­ze 100 km auf Asphalt zurück­ge­legt wor­den. Zudem sei der beglei­ten­de Gui­de kon­di­tio­nell zu ange­schla­gen gewe­sen, um die Tour ord­nungs­ge­mäß zu füh­ren. Die Grup­pe habe bis zu einer Stun­de auf ihn war­ten müs­sen, es habe auch zu vie­le Pin­kel­pau­sen gege­ben. Der Gui­de habe Auto­fah­rer, Rad­fah­rer und Fuß­gän­ger ange­pö­belt und nach dem Sturz eines Teil­neh­mers nichts unter­nom­men. Er sei viel­mehr wei­ter­ge­fah­ren, ohne sich zu ver­ge­wis­sern, dass der Gestürz­te ihm wei­ter fol­gen konnte.

Die Beklag­te trägt über Ihren Geschäfts­füh­rer vor, dass man kei­ne Rad­ren­nen über die Alpen ver­an­stal­te, son­dern mit Natur­er­fah­rung und Freu­de am Leben wer­be. Die Rei­se wer­de im Medi­um Seg­ment bewor­ben, anders als Tou­ren unter „Go Wild“. 900 Höhen­me­ter sei­en einer Rou­ten­än­de­rung zum Opfer gefal­len, da sich eine Woche davor Wan­de­rer auf der ursprüng­li­chen Rou­te über eine zuvor geführ­te Rad­fahr­grup­pe beschwert hät­ten. Die feh­len­den Höhen­me­ter hät­te man am Ziel, dem Mol­veno­see, in Eigen­re­gie noch nach­ho­len kön­nen. Es habe sich um eine Tran­salp und kei­ne Trail­tour gehan­delt, des­we­gen sei­en auch 85 km Asphalt­an­teil unumgänglich.

Der Gui­de sei tat­säch­lich nach einer Kran­ken­haus­be­hand­lung ange­wie­sen wor­den sich nicht zu ver­aus­ga­ben und berg­auf hin­ter dem Letz­ten der Grup­pe zu fah­ren. Es sei auch üblich, dass der Gui­de der Grup­pe eine Pau­se ermög­licht, sein eige­nes Tem­po also noch­mals vor dem ver­ein­bar­ten Treff­punkt drossele.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen aus­ge­führt, dass die Rei­se nicht mit Feh­lern behaf­tet war, die den Wert und die Taug­lich­keit nach dem gewöhn­li­chen Nut­zen gemin­dert haben. (…) Weder wegen der Stre­cken­füh­rung, der Gesamt­län­ge noch wegen der zu absol­vie­ren­den Höhen­me­ter liegt eine zuge­si­cher­te Eigen­schaft (…) der gebuch­ten Rei­se vor. In den vor Ver­trags­schluss zugäng­li­chen Unter­la­gen wur­de kein bestimm­ter Weg/​Strecke dar­ge­stellt. (…) Im Rei­se­ver­trag wur­de auch nicht zuge­si­chert, dass eine bestimm­te Anzahl von Höhen­me­tern zurück­ge­legt wer­de. Die Anga­ben (…) ent­hal­ten immer nur unge­fäh­re Anga­ben zu Stre­cke und Höhen­me­tern, was schon nach dem Wort­laut gegen eine Zusi­che­rung spricht. Zudem ent­hält gera­de die Art der Rei­se­leis­tung stets eine gewis­se Unge­wiss­heit über die Rou­te. Die vom Beklag­ten geplan­te Rou­ten­füh­rung muss am Rei­se­tag auch kon­kret nach den Weg- und Wit­te­rungs­ver­hält­nis­sen mach­bar sein; eine auch kurz­fris­ti­ge Anpas­sung liegt des­halb für den Rei­sen­den nahe. (…) Die in der Rei­se­be­schrei­bung ver­spro­che­ne Leis­tung wur­de erfüllt, (…) die Tour in sechs Etap­pen durch­ge­führt und das Ziel plan­ge­recht erreicht. (…) Aus der Rei­se­be­schrei­bung geht nicht her­vor, dass die Rei­se als ein sport­li­ches (Hochleistungs-)Programm ange­bo­ten wur­de, um den Teil­neh­mer einen bestimm­ten Trai­nings­er­folg zu ver­spre­chen. Wegen der Antei­le Asphalt­stre­cke liegt eben­falls kein Feh­ler vor. (…) Ein bestimm­ter ver­kehrs­üb­li­cher Anteil wird auch vom Klä­ger nicht näher dar­ge­stellt. (…) War­te­zei­ten gehö­ren bei die­ser Art von Rei­se zum gewöhn­li­chen Ablauf. (…) Soweit der Klä­ger ein unan­ge­mes­se­nes Ver­hal­ten des Gui­des nach dem Sturz eines Rei­se­teil­neh­mers beklagt, wird dies nicht in einer Wei­se dar­ge­stellt, dass sich das Gericht davon ein Bild machen kann. Es fehlt auch inso­weit an einem Feh­ler, der zudem nur die Rei­se­leis­tung des gestürz­ten Rei­se­teil­neh­mers beein­flus­sen konn­te. Schließ­lich stellt die vom Klä­ger monier­te Unhöf­lich­keit des Gui­des gegen­über ande­ren Ver­kehrs­teil­neh­mern kei­nen Feh­ler der Rei­se dar.

Aus die­sen Grün­den hat das Amts­ge­richt Mün­chen die Kla­ge abgewiesen.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 28. Okto­ber 2019 – 191 C 7612/​19