Eine Täto­wie­rung mit Män­geln

Ist ein Tat­too man­gel­haft gesto­chen wor­den und ent­spricht nicht der Qua­li­tät, die ein Kun­de erwar­ten darf, ist der Kun­de in sei­ner kör­per­li­chen Unver­sehrt­heit ver­letzt wor­den.

Eine Täto­wie­rung mit Män­geln

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge auf Schmer­zens­geld für ein miss­lun­ge­nes Tat­too statt­ge­ge­ben. Bei einer Täto­wie­re­rin in Mün­chen-Schwa­bing ließ sich die Klä­ge­rin aus Mün­chen am 04.03.2016 auf den lin­ken Unter­arm fol­gen­de Schrift­zü­ge täto­wie­ren: „Je t´aime mon amour, Tu es ma vie, Nous Ensem­ble Pour Tou­jours, L. A.“. Sie zahl­te hier­für 80 Euro in bar. Am 26.03.2016 erfolg­te durch die Beklag­te auf Wunsch der Klä­ge­rin ein kor­ri­gie­ren­des Nach­ste­chen, wofür die Klä­ge­rin wei­te­re 20,00 € an die Beklag­te bezahl­te.

Die Klä­ge­rin ist der Mei­nung, das Tat­too sei hand­werk­lich in mehr­fa­cher Hin­sicht feh­ler­haft. Der gesam­te Schrift­zug sei ver­wa­schen und unle­ser­lich, die Wör­ter sei­en nicht in einer ein­heit­li­chen Grö­ße gesto­chen, Abstän­de der ver­schie­de­nen Wör­ter und Zei­len wür­den teil­wei­se deut­lich abwei­chen, ein­zel­ne Wör­ter sei­en schief, die Lini­en­füh­rung man­gel­haft, ver­wa­schen, nicht durch­ge­hend und an ein­zel­nen Stel­len aus­fran­send. Sie fühlt sich außer­dem getäuscht von der Beklag­ten, die ihr wahr­heits­wid­rig gesagt habe, dass sie über mehr­jäh­ri­ge Täto­wier­er­fah­rung ver­fü­ge. Auf ihrer Inter­net­platt­form habe die Beklag­te frem­de Täto­wie­run­gen als Refe­ren­zen ein­ge­stellt.

Die Klä­ge­rin erhob Kla­ge zum Amts­ge­richt Mün­chen. Sie for­dert Schmer­zens­geld und möch­te gericht­lich fest­ge­stellt bekom­men, dass ihr die zukünf­ti­gen Schä­den aus der man­gel­haf­ten Täto­wie­rung von der Beklag­ten ersetzt wer­den müs­sen. Sie beab­sich­ti­ge, die Täto­wie­rung mit­tel­fris­tig ent­fer­nen zu las­sen, wodurch wei­te­re Kos­ten und Schmer­zen ent­ste­hen wür­den.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat sich das Amts­ge­richt Mün­chen auf das Gut­ach­ten des hin­zu­ge­zo­ge­ne Sach­ver­stän­di­ge bezo­gen. Danach sei­en bei dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Tat­too hand­werk­li­che und gestal­te­ri­sche Män­gel unüber­seh­bar, wie etwa unter­schied­li­che Strich­brei­ten und ver­wa­ckel­te Lini­en, unein­heit­li­che Abstän­de zwi­schen den Buch­sta­ben, teil­wei­se zu eng, so dass ein Wort unle­ser­lich wür­de; die Namen sei­en völ­lig unscharf, was wohl an einer mehr­fa­chen Nach­bes­se­rung der Kon­tur­li­nie lie­gen wür­de.

Auf­grund der Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen kommt das Gericht zu dem Ergeb­nis, "dass ein pro­fes­sio­nel­ler Täto­wie­rer – wor­un­ter die Beklag­te nach ihren eige­nen Anga­ben fällt – der­ar­ti­ge Feh­ler nicht mache; das Tat­too ent­spricht damit gera­de nicht der Qua­li­tät, die die Klä­ge­rin erwar­ten durf­te. Die ent­spre­chen­den Män­gel sind ange­sichts der deut­li­chen Anga­ben des Sach­ver­stän­di­gen auch nicht durch die man­gel­haf­te Pfle­ge der Klä­ge­rin begrün­det, son­dern allein durch die Beklag­te."

Hin­sicht­lich des Vor­wurfs der Täu­schung stellt das Gericht fest, dass selbst dann, wenn die Behaup­tun­gen der Klä­ge­rin rich­tig sind, die­se Umstän­de kei­ne Ansprü­che begrün­den könn­ten, da die Klä­ge­rin ja in die Pro­ze­dur ein­ge­wil­ligt habe.

…Bei den Fra­gen der Berufs­er­fah­rung und etwai­ger Refe­renz­bil­der (han­delt es sich) nur um das unbe­acht­li­che Motiv für die Ein­wil­li­gung – was sich bereits aus der Über­le­gung ergibt, dass die Klä­ge­rin die­sen Rechts­streit wohl kaum ange­strengt hät­te, wenn das Tat­too hand­werk­lich voll­kom­men in Ord­nung wäre, aber es zuträ­fe, dass die Beklag­te nicht über die behaup­te­te Berufs­er­fah­rung ver­fügt“, so das Amts­ge­richt Mün­chen.

Die Beklag­te wur­de ver­ur­teilt 1000 Euro Schmer­zens­geld zu zah­len, außer­dem hat sie die 100 Euro zurück zu zah­len. Wei­ter­hin stell­te das Amts­ge­richt Mün­chen fest, dass der Klä­ge­rin von der Beklag­ten sämt­li­che Fol­ge­schä­den aus der man­gel­haf­ten Täto­wie­rung zu erset­zen sind.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 13. April 2017 – 132 C 17280/​16