Ein­ho­lung von Dritt­aus­künf­ten durch den Gerichts­voll­zie­her – und die 0,3‑Verfahrensgebühr

Den Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten der Gläu­bi­ge­rin steht bei einem Antrag auf Ein­ho­lung von Dritt­aus­künf­ten nach § 802l ZPO eine geson­der­te erstat­tungs­fä­hi­ge 0,3-Ver­fah­rens­ge­bühr gemäß Nr. 3309 VV RVG zu.

Ein­ho­lung von Dritt­aus­künf­ten durch den Gerichts­voll­zie­her – und die 0,3‑Verfahrensgebühr

Der Bun­des­ge­richts­hof hat dies mit Beschluss vom 20.09.2018 1 die Rechts­fra­ge grund­sätz­li­cher Bedeu­tung, die das Beschwer­de­ge­richt zur Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de ver­an­lasst hat, im Sin­ne der Rechts­be­schwer­de geklärt. Danach ist der Antrag des Gläu­bi­gers auf Ein­ho­lung von Dritt­aus­künf­ten gemäß § 802a Abs. 2 Satz 1 Nr. 3, § 802l ZPO eine beson­de­re Ange­le­gen­heit im Sin­ne von § 18 Abs. 1 Nr. 1 RVG, für die dem Rechts­an­walt eine 0,3‑Verfahrensgebühr gemäß Nr. 3309 VV RVG zusteht. Ent­spre­chend der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de 2 bleibt eine zum Zeit­punkt ihrer Ein­le­gung statt­haf­te Rechts­be­schwer­de zuläs­sig, wenn nach­träg­lich der Zulas­sungs­grund ent­fällt, die Rechts­be­schwer­de im Zeit­punkt ihrer Ein­le­gung aber Aus­sicht auf Erfolg hat­te.

In dem Beschluss vom 20.09.2018 hat der Bun­des­ge­richts­hof aus­führ­lich begrün­det, war­um der Antrag des Gläu­bi­gers auf Ein­ho­lung von Dritt­aus­künf­ten gemäß § 802a Abs. 2 Satz 1 Nr. 3, § 802l ZPO eine beson­de­re Ange­le­gen­heit im Sin­ne von § 18 Abs. 1 Nr. 1 RVG ist, für die dem Rechts­an­walt eine 0,3‑Verfahrensgebühr gemäß Nr. 3309 VV RVG zusteht 3. Hier­an hält der Bun­des­ge­richts­hof auch in dem hier ent­schie­de­nen Fall fest.

Die Voll­stre­ckungs­maß­nah­me der Ein­ho­lung der Ver­mö­gens­aus­kunft ist mit der Ertei­lung oder Ver­wei­ge­rung der Aus­kunft durch den Schuld­ner been­det. Erst danach wird die Ein­ho­lung der Dritt­aus­kunft zuläs­sig. Damit kann die Voll­stre­ckungs­maß­nah­me des § 802l ZPO kei­ne Fort­set­zung der Ein­ho­lung der Ver­mö­gens­aus­kunft nach § 802c ZPO sein 4. Wie auch die Auf­zäh­lung der Regel­be­fug­nis­se des Gerichts­voll­zie­hers in § 802a Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 und 3 ZPO zeigt, steht die Mög­lich­keit zur Ein­ho­lung von Dritt­aus­künf­ten gemäß § 802l ZPO sys­te­ma­tisch selb­stän­dig neben der Ein­ho­lung der Ver­mö­gens­aus­kunft des Schuld­ners gemäß § 802c ZPO 5. Fer­ner ent­behr­te es sach­li­cher Recht­fer­ti­gung, Gläu­bi­gern, die sich erst­mals mit einem Antrag auf Dritt­aus­kunft im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren betei­li­gen, eine Rechts­an­walts­ver­gü­tung für den Antrag auf Dritt­aus­kunft zu ver­sa­gen 6.

Die Voll­stre­ckungs­maß­nah­men des § 802c ZPO und des § 802l ZPO unter­schei­den sich nach ihrem kon­kre­ten Zweck im Gesamt­zu­sam­men­hang der Zwangs­voll­stre­ckung erheb­lich. Wäh­rend die Ver­mö­gens­aus­kunft auf eine umfas­sen­de, kei­ner Über­prü­fung unter­zo­ge­ne Selbst­aus­kunft des Schuld­ners zielt, holt der Gerichts­voll­zie­her im Ver­fah­ren nach § 802l ZPO Aus­künf­te über das Ver­mö­gen des Schuld­ners bei Drit­ten ein. Wer­den die Ver­fah­ren der Ver­mö­gens­aus­kunft und der Dritt­aus­kunft von unter­schied­li­chen Gläu­bi­gern bean­tragt, wird außer­dem die Voll­stre­ckung unter­schied­li­cher For­de­run­gen erstrebt 7.

Die Dritt­aus­kunft ist auch nicht unab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung für das Ziel des Gläu­bi­gers, die Erfül­lung sei­ner For­de­rung zu erzwin­gen 8.

Schließ­lich recht­fer­tigt es der mit ande­ren Voll­stre­ckungs­maß­nah­men zumin­dest ver­gleich­ba­re Auf­wand des Rechts­an­walts, den Antrag auf Ein­ho­lung von Fremd­aus­künf­ten als beson­de­re Ange­le­gen­heit im Sin­ne von § 18 Abs. 1 Nr. 1 RVG anzu­se­hen 9.

Kei­ne maß­geb­li­che Bedeu­tung kommt danach dem hier offe­nen Umstand zu, ob der Gerichts­voll­zie­her die Dritt­aus­künf­te wie in der Sache – I ZB 120/​17 im Streit­fall auf­grund eines geson­dert gestell­ten Antrags des Gläu­bi­gers nach § 802a Abs. 2 Nr. 3 ZPO ein­ge­holt hat, oder ob die­ser Antrag in einem ein­heit­li­chen Zwangs­voll­stre­ckungs­auf­trag zusam­men mit dem Antrag auf Abnah­me der Ver­mö­gens­aus­kunft (§ 802a Abs. 2 Nr. 2 ZPO) gestellt wor­den ist. Viel­mehr ist inso­fern allein erheb­lich, dass die Voll­stre­ckungs­maß­nah­men der Ver­mö­gens­aus­kunft des Schuld­ners und der Dritt­aus­kunft in § 802a Abs. 2 Nr. 2 und 3 ZPO selb­stän­dig neben­ein­an­der ste­hen und infol­ge­des­sen die Dritt­aus­kunft iso­liert bean­tragt wer­den kann, jedoch nicht muss. Gebüh­ren­recht­lich ist es ohne Bedeu­tung, ob sich der Gläu­bi­ger wohl­über­legt oder mehr zufäl­lig für den einen oder ande­ren Weg ent­schei­det.

Soweit in § 25 Abs. 1 Nr. 4 RVG eine Begren­zung des Gegen­stands­werts auf höchs­tens 2.000 € ledig­lich für Ver­fah­ren über die Ertei­lung der Ver­mö­gens­aus­kunft nach § 802c ZPO vor­ge­se­hen ist, nicht jedoch für Anträ­ge auf Ein­ho­lung von Dritt­aus­künf­ten gemäß § 802l ZPO, kann dies die Aus­le­gung des Begriffs der beson­de­ren Ange­le­gen­heit in § 18 Abs. 1 Nr. 1 RVG nicht maß­geb­lich bestim­men. Die beson­de­re Wert­gren­ze des § 25 Abs. 1 Nr. 4 RVG ist auch nicht ana­log auf Ver­fah­ren zur Ein­ho­lung von Dritt­aus­künf­ten nach § 802l ZPO anzu­wen­den. Nach dem kla­ren Wort­laut ist § 25 Abs. 1 Nr. 4 RVG allein auf die Ver­mö­gens­aus­kunft gemäß § 802c ZPO begrenzt. Es gibt kei­nen Anhalts­punkt dafür, dass der Gesetz­ge­ber bei Schaf­fung die­ser Rege­lung die Mög­lich­keit ihrer Erstre­ckung auf § 802l ZPO über­se­hen hat. Viel­mehr spricht alles dafür, dass der Gesetz­ge­ber bewusst davon abge­se­hen hat 10.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. Okto­ber 2018 – I ZB 32/​18

  1. BGH, Beschluss vom 20.09.2018 – I ZB 120/​17[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 06.05.2004 – I ZR 197/​03, GRUR 2004, 712 = WRP 2004, 1051 PEEWEE[]
  3. BGH, Beschluss vom 20.09.2018 – I ZB 120/​17 10 ff.[]
  4. BGH, Beschluss vom 20.09.2018 – I ZB 120/​17 12[]
  5. BGH, Beschluss vom 20.09.2018 – I ZB 120/​17 13[]
  6. BGH, Beschluss vom 20.09.2018 – I ZB 120/​17 15[]
  7. BGH, Beschluss vom 20.09.2018 – I ZB 120/​17 17[]
  8. BGH, Beschluss vom 20.09.2018 – I ZB 120/​17 18[]
  9. BGH, Beschluss vom 20.09.2018 – I ZB 120/​1719[]
  10. vgl. BGH, Beschluss vom 20.09.2018 – I ZB 120/​17 21 f.[]