Ein­sei­ti­ge Erle­di­gungs­er­klä­rung im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren

Eine im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren unzu­läs­si­ge ein­sei­ti­ge Erle­di­gungs­er­klä­rung des Antrag­stel­lers ist regel­mä­ßig in eine Antrags­rück­nah­me mit der Kos­ten­fol­ge des § 269 Abs. 3 Satz 2 ZPO umzu­deu­ten. Das gilt auch dann, wenn das Beweis­si­che­rungs­in­ter­es­se zum Zeit­punkt der Erklä­rung ent­fal­len war 1.

Ein­sei­ti­ge Erle­di­gungs­er­klä­rung im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren

Eine vom Antrag­stel­ler eines selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens erklär­te Erle­di­gung des Ver­fah­rens, der sich der Antrags­geg­ner nicht anschließt, ist regel­mä­ßig als Antrags­rück­nah­me auf­zu­fas­sen, wenn das Ver­fah­ren nach dem Wil­len des Antrag­stel­lers end­gül­tig been­det sein soll. Dies hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits in sei­nem Beschluss vom 14. Okto­ber 2004 2 ent­schie­den. Der Ent­schei­dung lag ein Fall zugrun­de, in dem die Ent­schei­dung des Antrag­stel­lers, das Ver­fah­ren nicht fort­füh­ren zu wol­len, nicht auf einem Ereig­nis beruh­te, das das Inter­es­se des Antrag­stel­lers an der Beweis­erhe­bung ent­fal­len ließ.

Spä­ter hat der Bun­des­ge­richts­hof sei­ne Recht­spre­chung nach Erlass der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung auch auf jene Fäl­le aus­ge­dehnt, in denen das Beweis­si­che­rungs­in­ter­es­se infol­ge einer nach Ein­lei­tung des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens vor­ge­nom­me­nen Män­gel­be­sei­ti­gung ent­fal­len ist 3. Die­sen Ent­schei­dun­gen lagen Fäl­le zugrun­de, in denen der Antrags­geg­ner vor Abschluss des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens die Män­gel­be­sei­ti­gung vor­ge­nom­men hat­te.

Auch in die­sen Fäl­len kann das Ziel des Antrag­stel­lers, das selb­stän­di­ge Beweis­ver­fah­ren sofort zu been­den, nur durch eine Antrags­rück­nah­me erreicht wer­den. Durch die hier­mit ver­bun­de­ne für den Antrag­stel­ler nach­tei­li­ge Kos­ten­tra­gungs­pflicht des § 269 Abs. 3 Satz 2 ZPO wird die kos­ten­recht­li­che Situa­ti­on des Antrag­stel­lers nicht ver­schlech­tert. Denn deu­te­te man die auch bei einem Weg­fall des Beweis­si­che­rungs­in­ter­es­ses unzu­läs­si­ge ein­sei­ti­ge Erle­di­gungs­er­klä­rung des Antrag­stel­lers nicht in eine Antrags­rück­nah­me um, hät­te dies zur Kon­se­quenz, dass das Begeh­ren des Antrag­stel­lers auf (wei­te­re) Durch­füh­rung eines selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens auf­recht­erhal­ten blie­be und vom Gericht nun­mehr als unzu­läs­sig zurück­zu­wei­sen wäre, was eben­falls mit einer Kos­ten­ent­schei­dung zu Las­ten des Antrag­stel­lers ver­bun­den wäre 4.

Für die Anwen­dung des § 269 Abs. 3 Satz 2 ZPO besteht auch in die­sen Fäl­len ein Bedürf­nis. Kommt es im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren nicht zur Erhe­bung ver­wert­ba­rer Bewei­se (§ 493 ZPO), kann in einem nach­fol­gen­den Haupt­sache­pro­zess kei­ne Ent­schei­dung über die Kos­ten des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens getrof­fen wer­den. In die­sem Fall besteht eine Rege­lungs­lü­cke, die dadurch zu schlie­ßen ist, dass bereits im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren über die Kos­ten­tra­gungs­pflicht zu befin­den ist, weil der Antrags­geg­ner hier-an regel­mä­ßig ein berech­tig­tes Inter­es­se hat 5. Dies gilt nicht nur dann, wenn der Antrags­geg­ner den Weg­fall des Beweis­si­che­rungs­in­ter­es­ses ver­ur­sacht hat, son­dern erst recht, wenn – wie hier – der Antrag­stel­ler dafür ver­ant­wort­lich ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Febru­ar 2011 – VII ZB 20/​09

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Beschluss vom 07.12.2010 – VIII ZB 14/​10, WuM 2011, 46[]
  2. BGH, Beschluss vom 14.10.2004 – VII ZB 23/​03[]
  3. BGH, Beschluss vom 21.09.2010 – VIII ZB 73/​09, WuM 2011, 61; Beschluss vom 07.12.2010 – VIII ZB 14/​10, WuM 2011, 46[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 07.12.2010 – VIII ZB 14/​10, aaO Rn. 10[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 07.12.2010 – VIII ZB 14/​10, aaO Rn. 13[]