Ein­stel­lung der Zwangs­voll­stre­ckung aus einer Grund­schuld­be­stel­lungs­ur­kun­de – und der Streit­wert für die Kla­ge

Der Streit­wert einer Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge bemisst sich gemäß § 3 ZPO nach dem Umfang der erstreb­ten Aus­schlie­ßung der Zwangs­voll­stre­ckung, das heißt der Streit­wert­fest­set­zung ist der Betrag zugrun­de zu legen, der in dem Titel ent­hal­ten ist, der mit der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge ange­grif­fen wird.

Ein­stel­lung der Zwangs­voll­stre­ckung aus einer Grund­schuld­be­stel­lungs­ur­kun­de – und der Streit­wert für die Kla­ge

Ergibt sich jedoch aus den Anträ­gen oder der Kla­ge­be­grün­dung, dass die Zwangs­voll­stre­ckung nur wegen eines Teils oder Rest­be­tra­ges für unzu­läs­sig erklärt wer­den soll, ist die­ser Betrag der Streit­wert­fest­set­zung zugrun­de zu legen 1.

Der Antrag auf Her­aus­ga­be der voll­streck­ba­ren Aus­fer­ti­gung der Grund­schuld­be­stel­lungs­ur­kun­de hat neben der Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge kei­nen eigen­stän­di­gen Wert.

Der Streit­wert für den Antrag auf Her­aus­ga­be der voll­streck­ba­ren Aus­fer­ti­gung der Grund­schuld­be­stel­lungs­ur­kun­de beläuft sich auf den sel­ben Betrag wie für den Voll­stre­ckungs­ab­wehr­an­trag. Er hat aber neben der Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge kei­nen eigen­stän­di­gen Wert.

Bei einem Streit um die Her­aus­ga­be von gericht­li­chen Titeln wird der Wert vom Gericht gemäß § 3 ZPO nach frei­em Ermes­sen bestimmt. Für die Abwei­sung des Her­aus­ga­be­an­trags bestimmt sich der Wert somit nach dem Inter­es­se der Par­tei am Besitz der Urkun­de. Die­ses Inter­es­se besteht nicht dar­in, die Voll­stre­ckungs­ti­tel für eige­ne Zwe­cke nut­zen zu kön­nen, son­dern allein dar­in, einen Miss­brauch der Titel durch den Voll­stre­ckungs­gläu­bi­ger zu ver­hin­dern. Die Schät­zung des Werts muss umso nied­ri­ger aus­fal­len, je gerin­ger die­se Gefahr im Ein­zel­fall ist 2.

Bei Vor­lie­gen einer die Zwangs­voll­stre­ckung für unzu­läs­sig erklä­ren­den Ent­schei­dung nach § 767 ZPO kann für die Bemes­sung der Beschwer hin­sicht­lich des Antrags auf Titel­her­aus­ga­be die Gefahr eines Miss­brauchs des Voll­stre­ckungs­ti­tels durch den Antrags­geg­ner ver­nach­läs­sigt wer­den 3.

Etwas ande­res gilt aber, wenn der Rechts­mit­tel­füh­rer allein mit dem Antrag auf Titel­her­aus­ga­be die Besei­ti­gung der Voll­streck­bar­keit des Titels errei­chen will. In die­sem Fall kommt dem auf Her­aus­ga­be des Titels gerich­te­ten Antrag bezo­gen auf den Wert des Beschwer­de­ge­gen­stan­des eine eigen­stän­di­ge Bedeu­tung zu.

Der Wert ist jedoch regel­mä­ßig genau­so hoch anzu­set­zen wie bei dem Voll­stre­ckungs­ab­wehr­an­trag. So lan­ge der Gläu­bi­ger im Besitz des Titels ist, kann er die Voll­stre­ckung betrei­ben, ohne dass ihm eine gericht­li­che Ent­schei­dung nach § 767 ZPO ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den könn­te.

Der Wert des Voll­stre­ckungs­ab­wehr­an­trags selbst bemisst sich wie­der­um nach dem Umfang der erstreb­ten Aus­schlie­ßung der Zwangs­voll­stre­ckung. Dabei ist der Nenn­be­trag des voll­streck­ba­ren Anspruchs ohne Rück­sicht auf sei­ne Rea­li­sier­bar­keit anzu­set­zen.

Da der Streit­ge­gen­stand aus­schließ­lich vom Antrag­stel­ler des Voll­stre­ckungs­ge­gen­an­tra­ges bestimmt wird, kommt es nicht dar­auf an, ob die titu­lier­te For­de­rung in Wahr­heit ganz oder teil­wei­se getilgt ist und ob die­se ganz oder teil­wei­se im Ver­lauf des Ver­fah­rens unstrei­tig wird. Eine Aus­nah­me gilt nur für den Fall, dass sich aus den Anträ­gen oder der Antrags­be­grün­dung ergibt, dass die Zwangs­voll­stre­ckung wegen eines Teil­be­trags oder eines Rest­be­trags für unzu­läs­sig erklärt wer­den soll; dann ist die­ser Betrag zu Grun­de zu legen 4.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 16. April 2015 – 5 W 23/​15

  1. BGH, Beschlüs­se vom 26.03.2012 – XI ZR 227/​11; vom 09.02.2006 – IX ZB 310/​04; vom 23.09.1987 – III ZR 96/​87; und vom 02.02.1962 – V ZR 70/​60; OLG Hamm, Beschluss vom 26.06.2012 – 5 W 41/​12[]
  2. BGH Beschluss vom 17.09.2014 – XII ZB 284/​13; Beschluss vom 09.06.2004 – VIII ZB 124/​03[]
  3. BGH Beschluss vom 17.09.2014 – XII ZB 284/​13[]
  4. BGH, Beschluss vom 17.09.2014 – XII ZB 284/​13[]