Ein­tra­gung eines Eigen­tums­ver­zichts im Grund­buch

Die Mit­glie­der einer Erben­ge­mein­schaft kön­nen als Gesamt­hand­s­ei­gen­tü­mer den Ver­zicht nach § 928 Abs. 1 BGB nur gemein­schaft­lich erklä­ren, da hin­sicht­lich des ein­zel­nen Anteils kein sachen­recht­lich fass­ba­rer Teil vor­han­den ist.

Ein­tra­gung eines Eigen­tums­ver­zichts im Grund­buch

Mit die­ser Begrün­dung hat das Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Beschwer­de gegen eine Ent­schei­dung des Grund­buch­am­tes Gera zurück­ge­wie­sen. Der Antrag­stel­ler ist gemein­sam mit wei­te­ren neun Per­so­nen als Eigen­tü­mer eines Grund­stücks in Erben­ge­mein­schaft ein­ge­tra­gen. Mit nota­ri­ell beglau­big­ter Erklä­rung vom 30.11.2011 erklär­te er den Vezicht auf sein Grund­stücks­ei­gen­tum und bean­trag­te die Ein­tra­gung des Ver­zichts im Grund­buch. Das Grund­buch­amt 1 wies den Antrag mit dem ange­foch­te­nen Beschluss zurück, weil § 928 Abs. 1 BGB auf Antei­le an einer Erben­ge­mein­schaft nicht anwend­bar sei. Dage­gen rich­tet sich die Beschwer­de des Antrag­stel­lers, der meint, die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Nicht­an­wend­bar­keit von § 928 Abs. 1 BGB betref­fe ledig­lich Mit­ei­gen­tums­an­tei­le und sei im Übri­gen umstrit­ten. Das Grund­buch­amt hat der Beschwer­de mit Ver­fü­gung vom 16.08.2012, in deren Grün­den es an sei­ner Rechts­auf­fas­sung fest­ge­hal­ten hat, nicht abghol­fen und die Sache dem Ober­lan­des­ge­richt vor­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richts kann der Eigen­tü­mer eines Grund­stücks nach § 928 Abs. 1 BGB eben­so wie der einer beweg­li­chen Sache nach § 959 BGB durch Ver­zicht, der der Ein­tra­gung im Grund­buch bedarf, sein Eigen­tum auf­ge­ben. Die Vor­schrift ist außer auf bereits im Grund­buch gebuch­te Grund­stü­cke auch anwend­bar auf rea­le Grund­stücks­tei­le, die aller­dings vor der Ein­tra­gung des Ver­zichts ver­selb­stän­digt wer­den müs­sen; die Anwend­bar­keit auf Mit­ei­gen­tums­an­tei­le ist umstrit­ten 2. Die­se Fra­ge braucht das Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren indes­sen nicht zu ent­schei­den, weil es sich bei dem Eigen­tum, das Mit­glie­dern einer Erben­ge­mein­schaft zusteht, um Gesamt­hand­s­ei­gen­tum han­delt.

Es ent­spricht soweit ersicht­lich ein­hel­li­ger Auf­fas­sung, dass Gesamt­hand­s­ei­gen­tü­mer den Ver­zicht nach § 928 Abs. 1 BGB nur gemein­schaft­lich erklä­ren kön­nen, weil hin­sicht­lich des ein­zel­nen Anteils kein sachen­recht­lich fass­ba­rer Teil vor­han­den ist 3. Dem schließt sich das Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt an. Im vor­lie­gen­den Fall steht dem von dem Antrag­stel­ler erklär­ten Eigen­tums­ver­zicht zudem § 2033 Abs. 2 BGB ent­ge­gen; nach die­ser Vor­schrift kann ein Mit­er­be über sei­nen Anteil an ein­zel­nen Nach­lass­ge­gen­stän­den nicht ver­fü­gen.

Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 3. Sep­tem­ber 2012 – 9 W 417/​12

  1. AG Gera, Beschluss vom 09.01.2012 – DE-1580[]
  2. vgl. die Nach­wei­se bei Juris-PK/­Ben­ning, BGB, § 928 Rn. 6[]
  3. Juris-PK/­Ben­ning, a.a.O. Rn. 5; Bamberger/​Roth, BGB, 3. Aufl., § 928 Rn. 2; Staudinger/​Pfeifer (2011), § 928 Rn. 6; MünchKomm/​BGB/​Kanzleitner, § 928 Rn. 5[]
  4. BGBl. I 2017, 872[]