Ein­wen­dungs­aus­schluss gegen ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten im Beweis­ver­fah­ren

Die Par­tei ist mit Ein­wen­dun­gen gegen ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren nach Ablauf einer nach §§ 492 Abs. 1, 411 Abs. 4 S. 2 ZPO gesetz­ten Frist zur Stel­lung­nah­me zu dem Gut­ach­ten nur dann aus­ge­schlos­sen, wenn die rich­ter­li­che Frist­set­zung ord­nungs­ge­mäß zuge­stellt und die Par­tei auf die Nicht­be­ach­tung der Frist ord­nungs­ge­mäß hin­ge­wie­sen wor­den ist.

Ein­wen­dungs­aus­schluss gegen ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten im Beweis­ver­fah­ren

Das selb­stän­di­ge Beweis­ver­fah­ren ist im Fal­le einer nach §§ 492 Abs. 1, 411 Abs. 4 S. 2 gesetz­ten Frist zur Stel­lung­nah­me mit Frist­ab­lauf been­det 1.

Ein Aus­schluss mit Ein­wen­dun­gen, Fra­gen oder Anträ­gen kann aber nur dann aus­ge­löst wer­den, wenn die Par­tei­en zuvor auf die Fol­gen einer Nicht­be­ach­tung der rich­ter­li­chen Frist ord­nungs­ge­mäß hin­ge­wie­sen wor­den sind 2)). Dar­an fehlt es aber, wenn die Frist­set­zung kei­nen Hin­weis auf den Aus­schluss eines erst nach Ablauf der Frist ein­ge­hen­den Vor­brin­gens beinhal­tet 3.

Nach § 329 Abs. 2 S. 2 ZPO bedarf eine Frist­set­zung nach §§ 492 Abs. 1, 411 Abs. 4 S. 2 ZPO der Zustel­lung, eine form­lo­se Über­sen­dung reicht nicht. Ist die Zustel­lung nicht erfolgt und han­delt es sich dabei um eine Aus­schluss­frist, so wird die gesetz­te Frist nicht wirk­sam in Gang gesetzt 4. Eine Hei­lung von Zustel­lungs­män­geln nach § 189 ZPO schei­det schon des­halb aus, weil eine Zustel­lung offen­bar nicht beab­sich­tigt war 5.

Ist kei­ne wirk­sa­me Frist gesetzt wor­den, so endet das selb­stän­di­ge Beweis­ver­fah­ren inner­halb eines ange­mes­se­nen Zeit­raums ab Zustel­lung des Gut­ach­tens, soweit kei­ne Anträ­ge einer Par­tei zur Ergän­zung gestellt wor­den sind 6. Die Ange­mes­sen­heit die­ses Zeit­rau­mes bestimmt sich unter Berück­sich­ti­gung der kon­kre­ten Umstän­de des Ein­zel­falls und wird maß­geb­lich durch den Umfang und die objek­ti­ve Schwie­rig­keit der Beweis­fra­gen sowie den Umfang und die Ver­ständ­lich­keit des Gut­ach­tens mit­be­stimmt 7.

Hat – wie im hier ent­schie­de­nen Fall – der Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­te der Antrags­geg­ne­rin inner­halb eines Monats zu dem Ergän­zungs­gut­ach­ten Stel­lung genom­men, so ist dies noch inner­halb eines ange­mes­se­nen Zeit­rau­mes erfolgt. Dabei ist einer­seits zu berück­sich­ti­gen, dass die Ein­wen­dun­gen der Antrags­geg­ne­rin ein zwei­tes Ergän­zungs­gut­ach­ten betref­fen, so dass bereits wesent­li­che Fra­gen in den vor­an­ge­gan­ge­nen Gut­ach­ten aus­rei­chend ange­spro­chen wor­den sind. Ande­rer­seits ist ange­sichts der Kom­ple­xi­tät der Mate­rie und des Umstan­des, dass sich auch die Antrags­geg­ne­rin mit ihrem Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten zu bespre­chen hat und zur sach­ge­rech­ten Stel­lung­nah­me auf das Ergän­zungs­gut­ach­ten wei­te­re Fach­leu­te und Sach­ver­stän­di­ge hin­zu­zu­zie­hen haben dürf­te, ins­ge­samt ihre Stel­lung­nah­me als zeit­lich ange­mes­sen anzu­se­hen.

Jeden­falls ist in der Regel man­gels wirk­sam gesetz­ter Frist eine Stel­lung­nah­me, die inner­halb eines Monats nach Zugang des Gut­ach­tens abge­ge­ben wird, noch inner­halb des ange­mes­se­nen Zeit­rau­mes erfolgt und daher zu berück­sich­ti­gen 8.

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig 8. Zivil­se­nat, Beschluss vom 18.07.2012, 8 W 32/​12

  1. vgl. BGH, Urteil vom 20.02.2002 – VIII ZR 228/​00, NJW 2002, 1640[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 28. 10.2010 – VII ZR 172/​09, BauR 2011, 287; OLG Cel­le, Beschluss vom 06. 03.2009 – 16 W 19/​09, NJW-RR 2009, 1364, 1365; OLG Saar­brü­cken, Beschluss vom 01.06.2012 – 4 W 86/​12[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 25.10.2005, a.a.O.; OLG Cel­le, a.a.O.; OLG Saar­brü­cken a.a.O.[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 13. 03.1980, Tz.20 – VII ZR 147/​79, NJW 1980, 1167[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 26.11.2002 – VI ZB 41/​02, NJW 2003,1192; OLG Cel­le, Beschluss vom 15.08.2005 – 4 W 165/​05, BauR 2005,1961; OLG Schles­wig, Beschluss vom 21.08.2003 – 16 W 115/​03, OLGR Schles­wig 2003,470[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 24.03.2009 – VII ZR 200/​08, BauR 2009, 979[]
  7. vgl. OLG Braun­schweig, BauR 1993, 251; OLG Koblenz, Beschluss vom 24.04.2001 – 8 W 253/​01; OLG Köln, Beschluss vom 23. 02.2010 – 7 W 6/​10; Zöller/​Greger, ZPO, 29. Aufl., § 411 Rz. 5 c[]
  8. vgl. auch OLG Saar­brü­cken, Beschluss vom 26.02.2010 – 4 W 29/​10[]