Elek­tro­ni­scher Rechts­ver­kehr im Grund­buch­ver­fah­ren

Der Deut­sche Bun­des­tag hat heu­te das Ge­setz zur Ein­füh­rung des elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehrs und der elek­tro­ni­schen Akte im Grund­buch­ver­fah­ren be­schlos­sen. Damit wird der recht­li­che Rah­men für E-?Justi­ce im Grund­buch­ver­fah­ren ab­ge­steckt. Dar­über hin­aus ent­hält das Ge­setz Re­ge­lun­gen, um den Ge­sell­schaf­ten bür­ger­li­chen Rechts (sog. BGB-?Ge­sell­schaf­ten oder GbR) nach der An­er­ken­nung ihrer Rechts­fä­hig­keit durch den Bun­des­ge­richts­hof wei­ter­hin eine ver­läss­li­che und ef­fek­ti­ve Teil­nah­me am Grund­stücks­ver­kehr zu er­mög­li­chen.

Elek­tro­ni­scher Rechts­ver­kehr im Grund­buch­ver­fah­ren

Elek­tro­ni­scher Rechts­ver­kehr im Grund­buch­ver­fah­ren

Die Grund­bü­cher selbst wer­den in Deutsch­land be­reits weit­ge­hend in elek­tro­ni­scher Form ge­führt. In einem nächs­ten Schritt wird nun die elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten und dem Grund­buch­amt er­mög­licht. Die für eine Grund­buch­ein­tra­gung er­for­der­li­chen Ur­kun­den kön­nen künf­tig als elek­tro­ni­sche Do­ku­men­te über­mit­telt und vom Grund­buch­amt in einer elek­tro­ni­schen Akte auf­be­wahrt wer­den. Das Ge­setz gibt den recht­li­chen Rah­men für ein me­di­en­bruch­frei­es elek­tro­ni­sches Grund­buch­ver­fah­ren vor. Von der Über­mitt­lung der Ein­tra­gungs­un­ter­la­gen an das Grund­buch­amt über die Be­ar­bei­tung durch den Rechts­pfle­ger bis hin zur Ab­la­ge in der elek­tro­ni­schen Akte und der Ein­tra­gungs­mit­tei­lung an die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten kön­nen alle Ver­fah­ren­schrit­te nun elek­tro­nisch er­fol­gen. Die stren­gen For­mer­for­der­nis­se des pa­pier­ge­bun­de­nen Grund­buch­ver­fah­rens wer­den über­nom­men. Eine zur Ein­tra­gung im Grund­buch er­for­der­li­che Er­klä­rung be­darf auch in den Fäl­len des elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehrs der no­ta­ri­el­len Be­ur­kun­dung oder Be­glau­bi­gung. Von der no­ta­ri­el­len Ur­kun­de über­mit­telt der Notar dem Grund­buch­amt eine be­glau­big­te elek­tro­ni­sche Ab­schrift, die eine zu­ver­läs­si­ge Prü­fung der Au­then­ti­zi­tät und der In­te­gri­tät des elek­tro­ni­schen Do­ku­ments er­mög­licht.

Der elek­tro­ni­sche Rechts­ver­kehr hat sich be­reits in an­de­ren ge­richt­li­chen Ver­fah­ren – ins­be­son­de­re dem Han­dels­re­gis­ter­ver­fah­ren – be­währt. Sei­ne Pra­xis­ein­füh­rung im Grund­buch­ver­fah­ren wird vor­aus­sicht­lich suk­zes­si­ve er­fol­gen. Zeit­punkt und Um­fang der Ein­füh­rung be­stim­men die je­wei­li­gen Lan­des­re­gie­run­gen. Dabei kön­nen No­ta­re, die Haupt­kom­mu­ni­ka­ti­ons­part­ner der Grund­buch­äm­ter, zur Teil­nah­me am elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr ver­pflich­tet wer­den. Bür­ge­rin­nen und Bür­ger wer­den sich hin­ge­gen auch künf­tig in her­kömm­li­cher Form an die Grund­buch­äm­ter wen­den kön­nen.

Teil­nah­me von Ge­sell­schaf­ten bür­ger­li­chen Rechts am Im­mo­bi­li­en­ver­kehr

Lan­ge Zeit war unter Ju­ris­ten um­strit­ten, wer bei Grund­stücks­ge­schäf­ten einer BGB-?Ge­sell­schaft Ei­gen­tü­mer wird – die Ge­sell­schaf­ter oder die Ge­sell­schaft als sol­che. Mitt­ler­wei­le hat sich der Bun­des­ge­richts­hof fest­ge­legt, dass die Ge­sell­schaft selbst Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin wer­den kann und dann im Grund­buch ent­we­der unter An­ga­be ihres Ge­sell­schafts­na­mens oder unter An­ga­be ihrer Ge­sell­schaf­ter ein­zu­tra­gen ist.

Die­se Recht­spre­chung führt zu Schwie­rig­kei­ten bei Im­mo­bi­li­en­ge­schäf­ten mit BGB-?Ge­sell­schaf­ten. Die Namen der Ge­sell­schaf­ter sind ent­we­der gar nicht mehr aus dem Grund­buch er­kenn­bar oder sie sind zwar ge­nannt, gel­ten aber nicht mehr als „ech­ter Grund­buch­in­halt“. Das hat unter an­de­rem zur Fol­ge, dass die Vor­schrif­ten über den gut­gläu­bi­gen Er­werb nicht mehr an­wend­bar sind.

Die­se Schwie­rig­kei­ten sol­len jetzt dadurch besei­tigt wer­den, dass künf­tig bei Grund­stücks­ge­schäf­ten einer BGB-?Ge­sell­schaft stets auch deren Ge­sell­schaf­ter im Grund­buch ein­zu­tra­gen sind. Die Re­ge­lun­gen über den Gut­glau­bens­schutz stel­len si­cher, dass man sich auf die Ein­tra­gung der Ge­sell­schaf­ter im Grund­stücks­ver­kehr ver­las­sen kann.

Das Gesetz muss noch den Bun­des­rat pas­sie­ren, es ist aller­dings nicht zustim­mungs­pflich­tig.