Emp­fangs­be­kennt­nis – und der Zeit­punkt der Zustel­lung

Die Zustel­lung gegen Emp­fangs­be­kennt­nis ist gemäß § 174 Abs. 4 Satz 1 ZPO als bewirkt anzu­se­hen, wenn der Rechts­an­walt das ihm zuge­stell­te Schrift­stück mit dem Wil­len ent­ge­gen­ge­nom­men hat, es als zuge­stellt gegen sich gel­ten zu las­sen, und dies durch Unter­zeich­nung des Emp­fangs­be­kennt­nis­ses beur­kun­det 1.

Emp­fangs­be­kennt­nis – und der Zeit­punkt der Zustel­lung

Hat ein Pro­zess­be­voll­mäch­ti­ger zwar das Emp­fangs­be­kennt­nis nicht unter­zeich­net, jedoch in einem spä­te­ren, selbst unter­zeich­ne­ten Schrift ange­ge­ben, er habe "am 27.01.2014" die Ladung nebst Wider­kla­ge erhal­ten, so hat er damit das Emp­fangs­be­kennt­nis jeden­falls mit Rück­wir­kung nach­ge­holt 2.

Dar­um kann in einem sol­chen Fall dahin­ste­hen, ob wie nach § 212a ZPO aF 3 auch nach § 174 Abs. 4 Satz 1 ZPO die Anga­be des Datums und der Unter­schrift unver­zicht­ba­re Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zun­gen für die Zustel­lung durch Emp­fangs­be­kennt­nis sind 4.

Das Emp­fangs­be­kennt­nis erbringt nach § 174 Abs. 4 Satz 1 ZPO vol­len Beweis auch für den Zeit­punkt der Ent­ge­gen­nah­me durch den Rechts­an­walt. Den zuläs­si­gen Gegen­be­weis der Unrich­tig­keit des Emp­fangs­da­tums, der vor­aus­setzt, dass die Beweis­wir­kung des Emp­fangs­be­kennt­nis­ses voll­stän­dig ent­kräf­tet wird und jede Mög­lich­keit aus­ge­schlos­sen ist, dass die Anga­ben des Emp­fangs­be­kennt­nis­ses rich­tig sein kön­nen 1, hat der Beklag­te im hier ent­schie­de­nen Fall nicht geführt. Dar­um ist trotz des erheb­li­chen Zeit­ab­stands von zehn Tagen zwi­schen der Absen­dung der zuzu­stel­len­den Schrift­stü­cke am 17.01.2014 und deren im Emp­fangs­be­kennt­nis des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers beschei­nig­ter Zustel­lung am 27.01.2014 vom Zugang erst an die­sem Tag aus­zu­ge­hen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2015 – 6 AZR 497/​14

  1. BGH 19.04.2012 – IX ZB 303/​11, Rn. 6[][]
  2. vgl. BGH 19.04.1994 – VI ZR 269/​93, zu II 1 c der Grün­de[]
  3. vgl. dazu BGH 19.04.1994 – VI ZR 269/​93, zu II 1 b der Grün­de[]
  4. offen­ge­las­sen von BGH 11.07.2005 – NotZ 12/​05, zu II 4 d aa der Grün­de, ins­be­son­de­re für das Feh­len einer Unter­schrift; ver­nei­nend Stein/​Jonas/​Roth ZPO 22. Aufl. § 174 Rn. 13; beja­hend Wieczorek/​Schütze/​Rohe 4. Aufl. § 174 ZPO Rn. 51[]